Examensarbeit, 2010
91 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Begriffsklärung
Teil I
3 Oral History in der Geschichtswissenschaft
3.1 Entstehung und Entwicklung der Oral History
3.1.1 Die Anfänge der Oral History
3.1.2 Legitimation
3.1.3 Nutzung
3.1.4 Etablierung in der Wissenschaft
3.2 Kritik an der Oral History
3.2.1 Kritik am Gedächtnis
3.2.2 Kritik an der Interviewpraxis
3.2.3 Fazit
3.3 Ziele der Oral History
3.4 Die Praxis der Oral History
3.5 Ergebnisse des Zeitzeugengespräches
Teil II
4 Gedächtnis und Erinnerungen
4.1 Das Gedächtnis
4.1.1 Grundlagen und Voraussetzungen für die Bildung von Erinnerungen
4.1.2 Das episodische Gedächtnis
4.1.3 Gedächtnis und Emotionen
4.2 Individuelle Erinnerungen
4.2.1 Einfluss auf Wahrnehmung und Enkodierung
4.2.2 Einfluss auf Dekodierung
4.2.3 Verfälschte Erinnerungen
Exkurs: Medialität des Gedächtnisses
4.3 Die Tradierung von Erinnerungen in der Gesellschaft
4.4 Zusammenfassung: Ergebnisse für die geschichtswissenschaftliche Praxis
Exkurs: Erinnerungen an das Kriegsende 1945
Teil III
5 Zeitzeugenbefragung im Geschichtsunterricht
5.1 Warum Zeitzeugenbefragungen im Geschichtsunterricht?
5.2 Didaktische Überlegung zur Planung und Vorbereitung, Durchführung und Auswertung einer Zeitzeugenbefragung im Geschichtsunterricht
5.2.1 Planung und Vorbereitung der Zeitzeugenbefragung
5.2.2 Die Durchführung der Zeitzeugenbefragung
5.2.3 Die Auswertung einer Zeitzeugenbefragung
5.3 Probleme bei der Zeitzeugenbefragung
5.4 Zusammenfassung: Chancen durch Zeitzeugenbefragungen im Geschichtsunterricht
6 Fazit
Die vorliegende Staatsexamensarbeit untersucht die wissenschaftliche Methode der Oral History sowie deren Anwendung in Form von Zeitzeugenbefragungen im Geschichtsunterricht. Das primäre Ziel ist es, die didaktische Einsetzbarkeit dieser Methode zu begründen, kritische Vorbehalte – insbesondere hinsichtlich der Zuverlässigkeit menschlicher Erinnerung – zu adressieren und Strategien für einen wissenschaftlich reflektierten Einsatz im Schulalltag zu entwickeln.
3.1.1 Die Anfänge der Oral History
Mündliche Überlieferungen zum Weitergeben von Erfahrungen und Unterrichten der Nachkommen prägten und prägen nicht nur die Menschen, sondern auch viele andere Lebewesen, und sichern deren Fortbestehen. Neben der Vermittlung von Fähigkeiten befragten die Menschen, wie Herwart Vorländer schreibt, ihre Vorfahren zur Entdeckung der eigenen Vergangenheit und hielten – je nach Alphabetisierung – deren wichtigste Aussagen in schriftlicher Form fest. Doch spätestens seit der Aufklärung, den sich immer weiter entwickelnden Wissenschaften und der damit einhergehenden Kenntnisse der Unzuverlässigkeit des Gedächtnisses, galten die Berichte von Zeitzeugen als minderwertige Zeugnisse und sollten daher stets durch das Heranziehen weiterer schriftlicher Quellen korrigiert werden.
Ein verstärktes Interesse an dem alltäglichen Leben der Zeitgenossen und deren Berichte über dieses kam erstmals in den Vereinigten Staaten von Amerika während der 1950er Jahre auf. Statt sich wie gewohnt für die politischen und wirtschaftlichen Führungspersönlichkeiten zu interessieren, wurde der Blick auf die nachgeordneten Eliten, wie zum Beispiel Manager, Beamte, Experten und Funktionäre, und deren Handeln gerichtet. Viel attraktiver schien es jedoch bald, diese bezüglich ihres Alltagslebens zu befragen. In das Blickfeld der Wissenschaftler waren nun an Stelle der Staaten- und Politikgeschichte die Gesellschaftstrukturen, die Mentalitäten und das Bewusstsein vereinzelter Gruppen gerückt. Die Vertreter dieser Methode der Oral History wollten, laut Christin Platt und Mihran Dabag, das Geschichte-der-Mächtigen-Konzept aufbrechen – und das bereits von Anfang an.
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Problematik der Implementierung von Zeitzeugenbefragungen in Schulen ein und stellt die drei Hauptteile der Arbeit sowie die zentrale Forschungsfrage dar.
2 Begriffsklärung: Dieser Abschnitt differenziert zwischen der wissenschaftlichen Methode der Oral History und der schulpraktischen Form der Zeitzeugenbefragung.
3 Oral History in der Geschichtswissenschaft: Das Kapitel erläutert die Entstehung und Etablierung der Oral History, diskutiert die Kritik an dieser Methode und beschreibt Ziele sowie die praktische Umsetzung des Zeitzeugengesprächs.
4 Gedächtnis und Erinnerungen: Hier werden die neurobiologischen und psychologischen Grundlagen des Gedächtnisses, insbesondere des episodischen Gedächtnisses, sowie die Konstruktionsprozesse und Fehleranfälligkeit individueller Erinnerungen analysiert.
5 Zeitzeugenbefragung im Geschichtsunterricht: Dieser Teil befasst sich mit den didaktischen Argumenten, der Planung, Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von Zeitzeugenbefragungen unter Berücksichtigung spezifischer schulpraktischer Herausforderungen.
6 Fazit: Das Fazit resümiert, inwieweit die Methode der Zeitzeugenbefragung den wissenschaftlichen Anspruch der Oral History im schulischen Kontext erfüllen kann und betont die Notwendigkeit einer sorgfältigen didaktischen Rahmung.
Oral History, Zeitzeugenbefragung, Gedächtnisforschung, Geschichtsunterricht, Erinnerungskultur, Subjektivität, Episodisches Gedächtnis, Historisches Lernen, Zeitgeschichte, Quellenkritik, Identitätsbildung, Didaktik der Geschichte, Erinnerungsmacht, Medialität, Konstruktivität.
Die Arbeit analysiert die Methode der Oral History und untersucht, wie Zeitzeugenbefragungen methodisch fundiert in den Geschichtsunterricht an Gymnasien integriert werden können, trotz der bekannten Problematik der Unzuverlässigkeit menschlicher Erinnerungen.
Die zentralen Felder umfassen die Geschichte und Wissenschaftstheorie der Oral History, die psychologischen Mechanismen des menschlichen Gedächtnisses, die Analyse von Erinnerungsprozessen sowie die Didaktik der Zeitzeugenbefragung im Unterricht.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Zeitzeugenbefragungen trotz ihrer methodischen Herausforderungen als wertvolles didaktisches Instrument eingesetzt werden können, um bei Schülern ein differenzierteres Geschichtsbewusstsein zu fördern.
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse wissenschaftlicher Fachpublikationen aus den Bereichen Geschichtswissenschaft, Psychologie und Geschichtsdidaktik, um die Methode der Oral History und Zeitzeugenbefragung zu evaluieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Oral History (Teil I), eine tiefgehende psychologische Auseinandersetzung mit Gedächtnis und Erinnerung (Teil II) sowie einen praxisorientierten didaktischen Teil zur Umsetzung in der Schule (Teil III).
Zu den prägenden Begriffen gehören Oral History, Zeitzeugenbefragung, Erinnerungskultur, Gedächtnisforschung, Subjektivität, Historisches Lernen und didaktische Handlungsorientierung.
Während die Oral History ein wissenschaftliches Forschungsverfahren zur Erkenntnisgewinnung ist, unterliegt die Zeitzeugenbefragung in der Schule didaktischen Zwängen und ist eher auf die Förderung von Geschichtsbewusstsein und Handlungsorientierung ausgerichtet als auf die Erstellung neuer, rein wissenschaftlicher Quellen.
Das Gedächtnis wird als unzuverlässiges, konstruktives Netzwerk begriffen, dessen Funktionsweise (Enkodierung, Speicherung, Dekodierung) maßgeblich durch Emotionen, soziale Kontexte und aktuelle psychische Verfassungen beeinflusst wird, was die kritische Distanz bei der Auswertung unumgänglich macht.
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