Magisterarbeit, 2009
132 Seiten, Note: 2,2
1 Einleitung
2 Die Person Bertolt Brecht
2.1 Lebensstationen seit der Machtergreifung Hitlers
2.1.1 Exil in Dänemark
2.1.2 Exil in Schweden und Finnland
2.2 Politische Gesinnung Bertolt Brechts
3 Brecht und der Nationalsozialismus
3.1 Brechts Haltung zum Nationalsozialismus
3.2 Wie stand Brecht zu Hitler?
4 Die literarische Verarbeitung des Nationalsozialismus seit der Machtergreifung Hitlers 1933
4.1 Lyrik gegen die Nationalsozialisten – die Svendborger Gedichte
4.2 Neue Lebensumstände – neuer Stil
4.2.1 Zwischen Autobiografie und Rollengedicht – „An die Nachgeborenen“
4.2.1.1 Entstehung, Form und Aufbau
4.2.1.2 Inhaltliche Analyse
4.2.1.3 Inhaltliche Interpretation
4.2.2 Unregelmäßige Rhythmen für ein differenziertes Denken – „Notwendigkeit der Propaganda“
4.2.2.1 Entstehung, Form und Aufbau
4.2.2.2 Inhaltliche Analyse
4.2.2.3 Inhaltliche Interpretation
4.2.3 Die Warnung im Verborgenen – „Fragen eines lesenden Arbeiters“
4.2.3.1 Entstehung, Form und Aufbau
4.2.3.2 Inhaltliche Analyse
4.2.3.3 Inhaltliche Interpretation
4.3 Das Exil als Garant politisch motivierter Verse größtmöglicher Eindringlichkeit
4.4 Der exilierte „Stückeschreiber“ – exemplarische Betrachtung am Drama „Der Aufstieg des Arturo Ui“
4.4.1 Episches Theater
4.4.1.1 Wichtigste Merkmale und Neuerungen
4.4.1.1.1 Unterschiede des epischen und dramatischen Theaters
4.4.1.1.2 V-Effekte
4.4.1.1.3 Brecht’sche Dramendialektik und damit verbundenes Geschichtsverständnis
4.4.1.2 Brechts Parabelstücke
4.4.2 „Der Aufstieg des Arturo Ui“ im Lichte Brecht´scher Theatertheorie
4.4.2.1 Historischer Hintergrund und Entstehungsgeschichte
4.4.2.2 Historische Quellen und Aufbau
4.4.2.3 Epische Strukturelemente
4.4.2.3.1 Basisverfremdung – Verschmelzung von deutschem Massenmörder und amerikanischem Gangsterboss in der Figur des Arturo Ui
4.4.2.3.2 V-Effekte in ihrer vielfältigen Form – Werkzeuge zur Doppelverfremdung
4.4.2.3.2.1 Figuren und Ereignisse im Drama und ihr realhistorisches Pendant
4.4.2.3.2.2 Fünf Stationen der Machtausweitung Arturo Uis bis zur wirtschaftlichen Expansion
4.4.2.3.3 Der „große Stil“
4.4.2.3.3.1 Sprachliche Gestaltung des „großen Stils“
4.4.2.3.4 Verfremdung in der Aufführungspraxis
4.4.2.4 Knotenpunkt der Lächerlichkeit – Brechts Intention für die Darstellungsweise der Figur Arturo Ui
4.4.2.5 Ideologiekritik und Rezeption
4.4.2.5.1 Die Parabelform – ein Streitpunkt der Kritiker
4.4.2.5.2 Wirtschaftsdrama kontra Hitler-Historie
5 Gleicher Leitgedanke – leicht nuancierte Unterschiede in der Umsetzung
6 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Auseinandersetzung Bertolt Brechts mit dem Nationalsozialismus und der Machtergreifung Adolf Hitlers während seiner Exilzeit von 1933 bis 1941, wobei sie durch einen komparativen Ansatz zwischen ausgewählter Lyrik und dem Drama „Der Aufstieg des Arturo Ui“ aufzeigt, wie Brecht politische Botschaften in ästhetische Formen übersetzt.
4.2.1 Zwischen Autobiografie und Rollengedicht – „An die Nachgeborenen“
Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
Das arglose Wort ist töricht. Eine glatte Stirn
Deutet auf Unempfindlichkeit hin. Der Lachende
Hat die furchtbare Nachricht
Nur noch nicht empfangen.
Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!
Der dort ruhig über die Straße geht
Ist wohl nicht mehr erreichbar für seine Freunde
Die in Not sind?
Es ist wahr: ich verdiene noch meinen Unterhalt
Aber glaubt mir: das ist nur ein Zufall. Nichts
Von dem, was ich tue, berechtigt mich dazu, mich satt zu essen.
Zufällig bin ich verschont. (Wenn mein Glück aussetzt
Bin ich verloren.)
Man sagt mir: iß und trink du! Sei froh, daß du hast!
Aber wie kann ich essen und trinken, wenn
Ich es dem Hungernden entreiße, was ich esse, und
Mein Glas Wasser einem Verdurstenden fehlt?
Und doch esse und trinke ich.
Ich wäre gerne auch weise
In den alten Büchern steht, was weise ist:
Sich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit
Ohne Furcht verbringen
Auch ohne Gewalt auskommen
Böses mit Gutem vergelten
Seine Wünsche nicht erfüllen, sondern vergessen
Gilt für weise.
Alles das kann ich nicht:
Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik von Brechts Exilzeit ein und steckt den zeitlichen Rahmen von 1933 bis 1941 ab, in dem er antifaschistische Werke verfasste.
2 Die Person Bertolt Brecht: Dieser Abschnitt beleuchtet Brechts Werdegang vom jungen Augsburger Dichter bis hin zur Konfrontation mit der nationalsozialistischen Verfolgung und seinen folgenden Exilstationen.
3 Brecht und der Nationalsozialismus: Hier wird Brechts theoretische Auseinandersetzung mit dem Faschismus als Spätform des Kapitalismus und seine ablehnende Haltung zum Hitler-Regime erörtert.
4 Die literarische Verarbeitung des Nationalsozialismus seit der Machtergreifung Hitlers 1933: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die lyrischen und dramatischen Strategien Brechts, insbesondere das Konzept des epischen Theaters und die Verfremdungseffekte.
5 Gleicher Leitgedanke – leicht nuancierte Unterschiede in der Umsetzung: Dieses Kapitel vergleicht die ästhetischen und politischen Ansätze von Brechts Lyrik und Dramatik hinsichtlich ihrer unterschiedlichen Wirkungskraft im antifaschistischen Kampf.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Brecht trotz unterschiedlicher Gattungen stets den sozialen Gedanken in den Vordergrund stellte, um den Leser als mündigen Rezipienten zur Reflexion anzuregen.
Bertolt Brecht, Exilliteratur, Nationalsozialismus, Faschismus, Episches Theater, V-Effekt, Svendborger Gedichte, Arturo Ui, Marxismus, Antifaschismus, Parabel, Dialektik, Politische Lyrik, Literaturtheorie, Zeitgeschichte
Die Arbeit untersucht, wie Bertolt Brecht zwischen 1933 und 1941 auf die nationalsozialistische Diktatur in seinen Texten reagierte, wobei er sowohl lyrische als auch dramatische Formen zur politischen Kritik nutzte.
Im Zentrum stehen die politische Exilsituation, die marxistische Faschismustheorie, das Konzept des epischen Theaters sowie die ästhetische Gestaltung von Widerstand in Lyrik und Drama.
Das Ziel ist es, die vergleichende Untersuchung zwischen Brechts Exillyrik und seinem Drama „Der Aufstieg des Arturo Ui“ zu nutzen, um aufzuzeigen, wie Brecht politische Botschaften durch spezifische ästhetische Mittel verfremdet und dadurch für den Leser oder Zuschauer zugänglich macht.
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse und stützt sich dabei maßgeblich auf die Forschung von Jan Knopf und anderen Brecht-Spezialisten, um sowohl immanente Textanalysen als auch transzendente kulturhistorische Kontextualisierungen vorzunehmen.
Der Hauptteil widmet sich intensiv der Interpretation ausgewählter „Svendborger Gedichte“ (z.B. „An die Nachgeborenen“) sowie der strukturellen Untersuchung des Dramas „Der Aufstieg des Arturo Ui“ inklusive der Analyse der Verfremdungstechniken.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie „Episches Theater“, „Verfremdungseffekt“, „Exillyrik“, „Marxismus“ und „Antifaschismus“ beschreiben.
Brecht nutzt diese „Basisverfremdung“, um durch die Projektion der realen historischen Ereignisse in Deutschland auf das amerikanische Gangstermilieu die Absurdität und kriminelle Natur des Faschismus durch Lächerlichkeit und Distanzierung für das Publikum offenzulegen.
Die Doppelverfremdung dient dazu, groß scheinende historische Persönlichkeiten wie Hitler in einen trivialen Kontext zu rücken, während sie gleichzeitig durch Verweise auf elisabethanische Klassik-Formen eine Reflexion über moralische und ethische Werte beim Zuschauer erzwingt.
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