Bachelorarbeit, 2015
40 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Nietzsches Auffassung von Stil und Sprache
2.1. „Der Stil muss leben“
2.2. Wir „besitzen doch nichts als Metaphern der Dinge“
3. Nietzsches literarische Mittel in ihrer Wirkung auf den Leser
3.1. Der Aphorismus als Nietzsches philosophische Form
3.2. Aphorismus 307: Zu Gunsten der Kritik
3.3. Aphorismus 343: Was es mit unserer Heiterkeit auf sich hat
Exkurs zur Metapher nach Hans Blumenberg
4. Der Charakter des freien Geistes und die Herausforderungen des Lesers
4.1. Schaffend im Angesicht des radikalen Nichts
4.2. Das Bild des Tanzes als Notwendigkeit der Bewegung
4.3. Die wenigen freien Geister
4.4. Die Übung des freien Geistes und die Kunst des Lesens
4.5. Die Tugenden des freien Geistes
5. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht die enge Verschränkung von Form und Inhalt in Friedrich Nietzsches Werk, insbesondere in den Aphorismenbüchern wie der Fröhlichen Wissenschaft. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Nietzsche durch seine spezifische Schreibweise und literarische Mittel den Leser dazu auffordert und befähigt, sich in eine philosophische Haltung des sogenannten "freien Geistes" einzuüben.
3.2. Aphorismus 307: Zu Gunsten der Kritik
Der Aphorismus 307 in der Mitte des vierten Buches der Fröhlichen Wissenschaft beschreibt die Erfahrung, Wahrheiten, die man einst glaubte, mit Blick auf sein bisheriges Leben aber als Irrtümer „erkennt“. Hierfür wird nicht die Vernunft gelobt, die uns Dank ihrer Kraft aus diesem Irrtum befreit hat, sondern es wird die jeweilige Lebenssituation zum Maßstab von wahr und falsch (vgl.: FW, 343) herangezogen.
Zu Beginn des Aphorismus wird eins direkt deutlich: Nietzsche spricht seinen Leser mit „Du“ an, was dem Aphorismus einen dialogischen Charakter verleiht. Ob Nietzsche einen Dialog mit seinem Leser im Sinn hat, oder einen inneren Dialog, oder ein anderes „Du“ anspricht, sei dahingestellt. Zumindest ist festzustellen, dass das Identifikationspotential der direkten Anrede höher ist, als das eines allgemeinen „man“, von dem sich der Leser durchaus distanzieren kann. Doch hier sieht sich der Leser zurückgeworfen auf sein individuelles Leben und seine persönliche Erfahrungen. Er begibt sich mit Nietzsche in ein persönliches Gespräch. „Jetzt erscheint dir Etwas als Irrthum, das du ehedem als Wahrheit oder Wahrscheinlichkeit geliebt hast.“ (FW, 307) lautet der erst Satz.
1. Einleitung: Die Einleitung begründet das Vorhaben, Nietzsches Werk durch den Fokus auf die Wechselwirkung von Form und Leser zu untersuchen, und stellt die These auf, dass seine Aphorismen als Einübung in die Haltung des freien Geistes dienen.
2. Nietzsches Auffassung von Stil und Sprache: Dieses Kapitel erläutert Nietzsches Verständnis von Sprache als metaphorisches Begriffsgebäude und die Forderung nach einem "lebendigen" Stil, der den Leser persönlich affiziert.
3. Nietzsches literarische Mittel in ihrer Wirkung auf den Leser: Hier wird der Aphorismus als philosophische Form analysiert, die durch das Wechselspiel von Behauptung und Frage den Leser zur aktiven Interpretation herausfordert, beispielhaft demonstriert an den Aphorismen 307 und 343.
4. Der Charakter des freien Geistes und die Herausforderungen des Lesers: Das Kapitel verknüpft die methodischen Irritationen des Lesers mit dem Ideal des "freien Geistes", der sich im Angesicht des radikalen Nichts durch Selbstbestimmung und Tanz auszeichnet.
5. Schluss: Der Schlussteil resümiert, dass die Lektüre Nietzsches als pragmatische Einübung in eine tapfere Wahrhaftigkeit verstanden werden kann, die den Leser dazu befähigt, Sinn in einer ungewissen Welt selbst zu schaffen.
Friedrich Nietzsche, Fröhliche Wissenschaft, Aphorismus, Freier Geist, Stil, Sprache, Metapher, Leser, Wahrheit, Irrtum, Perspektivismus, Selbstüberwindung, Nihilismus, Redlichkeit, Experiment.
Die Arbeit untersucht, wie Friedrich Nietzsche durch die literarische Gestaltung seiner Aphorismen den Leser dazu bringt, eine bestimmte philosophische Grundhaltung einzunehmen.
Im Zentrum stehen Nietzsches Verständnis von Stil und Sprache, die Funktion des Aphorismus als philosophische Form sowie die Charakterisierung der Haltung des sogenannten "freien Geistes".
Die Forschungsfrage lautet, durch welche literarischen Mittel Nietzsche den Leser beeinflusst und welche Konsequenzen seine spezifische Art des Schreibens für die Denkhaltung des Lesers hat.
Es handelt sich um eine philosophische Text- und Stilinterpretation, die Nietzsches Schriften kontextuell analysiert und durch Bezugnahmen auf Interpreten wie Stegmaier, Krüger und Blumenberg untermauert wird.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Sprachauffassung Nietzsches, eine detaillierte Analyse der Aphorismen 307 und 343 sowie die Herleitung des Ideals des "freien Geistes" aus diesen Analysen.
Die wichtigsten Begriffe sind Aphorismus, Freier Geist, Perspektivismus, Wahrhaftigkeit, Metaphorik und das Experiment als Lebensform.
Damit ist gemeint, dass Nietzsche keine systematische logische Argumentation anstrebt, sondern den Leser durch die bildliche Kraft und den Rhythmus seiner Sprache direkt in die besprochenen Stimmungen (wie Angst oder Heiterkeit) versetzt.
Der Widerspruch dient dazu, den Leser davon abzubringen, den Aphorismus als starre Lehre oder Dogma zu missverstehen; er fungiert als offene Denkform, die zum ständigen Neudenken und Interpretieren zwingt.
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