Diplomarbeit, 2012
86 Seiten, Note: 2
1. Einleitung
1.1. Stand der Forschung
1.2. Methoden
2. Theoretische Grundlagen
2.1. Eine kurze Geschichte der Genossenschaftstheorie
2.2. Struktur und Funktion in „primitive Gesellschaften“
2.3. Der Strukturfunktionalismus nach Talcott Parsons
2.3.1. Die Struktur sozialen Handelns
2.3.2 DAS AGIL-Schema
2.3.3 Rollentheorie
3. Vom Protest zur Partizipation
3.1 Soziale Bewegungen in Lateinamerika seit Beginn des 20 Jahrhunderts
3.2 Zeitphasen lateinamerikanischer Geschichte
3.3 Soziale Bewegungen in Brasilien
3.4 Definitionsansätze und theoretische Überlegungen
2.4 Aktualität und Perspektiven sozialer Bewegungen
4. Solidarökonomie
4.1 Historischer Auszug
4.2 Was ist solidarische Ökonomie?
4.3 Die brasilianische Solidarökonomie
5. Wichtige Akteure im Sektor der Solidarökonomie
5.1 Die ANTEAG
5.2 Entstehung und Entwicklung der Landlosenbewegung in Brasilien (MST)
5.3 Die Rolle der Gewerkschaften
5.4 Die Rolle der Kirche und Caritas
5.5 Die Rolle des Staates (SENAES)
6. Statistik
7. Beispiele für selbstverwaltete Betriebe in Brasilien
7.1 Cooperminas
7.2 Catende Harmonia
7.2 Die Ziele
8. Schlussfolgerungen
9. Quellennachweis
9.1 Internetquellen
Diese Arbeit untersucht, ob solidarökonomische Genossenschaften in Brasilien als tragfähige Alternative oder lediglich als Nischenlösung für marktbedingtes Versagen innerhalb neoliberaler Wirtschaftssysteme fungieren können. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse von Prozessen der betrieblichen Selbstverwaltung und der Rolle verschiedener Akteure bei der Etablierung dieser Wirtschaftsform.
Die brasilianische Solidarökonomie
„Die Solidarische Wirtschaft besteht vorwiegend aus Unternehmungen, die wegen ihres Ursprunges wirklich demokratisch und egalitär sind und diese Eigenschaften in ihrer täglichen Praxis immer wieder bestätigten. Sie verkörpern eine Produktionsweise, die mit anderen Produktionsweisen zusammen – dem Kapitalismus, der kleinen Warenproduktion, der staatlichen Produktion von Gütern und Dienstleistungen, der privaten Produktion ohne Profitabsicht – die kapitalistische Gesellschaftsformation bilden, die kapitalistisch ist, weil der Kapitalismus nicht nur im Verhältnis zu den anderen Produktionsweisen ausschlaggebend ist, sondern weil er auch den legalen und institutionellen Überbau gemäß seinen Werten und Interessen gestaltet.
Die Solidarwirtschaft wächst in Funktion der sozialen Krisen, welche die blinde Konkurrenz der privaten Kapitale periodisch in jedem Land verursacht. Sie wird aber nur gangbar und zu einer wirklichen Alternative zum Kapitalismus, wenn die Mehrheit der Gesellschaft, die kein Eigentum an Kapital hat, ein Bewusstsein davon gewinnt, dass es in ihrem Interesse liegt, die Produktion auf eine Weise zu organisieren, bei der die Produktionsmittel all denen gehören, die sie zur Schaffung des Sozialprodukts nutzen.“ (vgl. Singer 2001:1ff).
Die Solidarische Ökonomie hat in Brasilien in den letzten zehn Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Heute gibt es rund 22.000 Solidarunternehmen im Land. (vgl. Dierkes 2011:1ff)
1. Einleitung: Beschreibt die Entstehung der Solidarökonomie als Antwort auf die neoliberale Politik und Krisen in Lateinamerika ab den 1980er Jahren.
2. Theoretische Grundlagen: Erläutert den Strukturfunktionalismus nach Talcott Parsons und dessen Anwendung auf die komplexe Organisation von Genossenschaften.
3. Vom Protest zur Partizipation: Analysiert die Entwicklung sozialer Bewegungen in Lateinamerika und deren Wandel von spontanem Protest zu politisch institutionalisierter Partizipation.
4. Solidarökonomie: Definiert den Begriff der Solidarökonomie, beleuchtet ihre historischen Wurzeln und charakterisiert die spezifische brasilianische Ausprägung.
5. Wichtige Akteure im Sektor der Solidarökonomie: Untersucht die zentralen Organisationen wie ANTEAG, MST, Gewerkschaften sowie die Rolle der Kirche und des Staates (SENAES) bei der Förderung solidarischer Unternehmen.
6. Statistik: Liefert empirische Daten über die selbstverwalteten Betriebe und identifiziert deren heterogene Natur sowie die Herausforderungen seit Ende der 1990er Jahre.
7. Beispiele für selbstverwaltete Betriebe in Brasilien: Präsentiert die Fallbeispiele Cooperminas und Catende Harmonia, um den Prozess und Erfolg der Betriebsübernahmen durch Arbeiterinnen und Arbeiter zu illustrieren.
8. Schlussfolgerungen: Zieht eine Bilanz über das Potenzial der Solidarökonomie als Alternative zum Kapitalismus und diskutiert deren Nischencharakter sowie die erworbenen Chancen für Betroffene.
Solidarökonomie, Brasilien, Selbstverwaltung, Genossenschaften, soziale Bewegungen, Neoliberalismus, Arbeitslosigkeit, Betriebsbesetzungen, ANTEAG, MST, SENAES, Partizipation, Strukturfunktionalismus, Transformation, soziale Gerechtigkeit.
Die Diplomarbeit befasst sich mit dem Phänomen der solidarökonomischen Genossenschaften in Brasilien und untersucht, wie Arbeiterinnen und Arbeiter in insolvente Betriebe eingreifen, diese übernehmen und in Form von betrieblicher Selbstverwaltung weiterführen.
Die zentralen Themen sind die theoretischen Grundlagen des Strukturfunktionalismus, die Geschichte und Entwicklung sozialer Bewegungen in Lateinamerika sowie die praktische Umsetzung solidarischer Wirtschaftsformen durch verschiedene Akteure wie Gewerkschaften, NGOs und den brasilianischen Staat.
Das Hauptziel ist es, kritisch zu hinterfragen, ob solidarökonomische Genossenschaften eine echte Alternative zum kapitalistischen System darstellen oder ob sie auf Nischen innerhalb des Neoliberalismus beschränkt bleiben.
Die Arbeit stützt sich primär auf eine strukturierte Literaturrecherche sowie die Auswertung von Daten aus Forschungspraktika, Seminararbeiten und Dokumentarfilmen, die im Rahmen eines Studiums intensiv bearbeitet wurden.
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen die Rollen wichtiger Akteure analysiert, die den Sektor der Solidarökonomie in Brasilien prägen, sowie zwei konkrete Fallstudien zu wiedergewonnenen Betrieben vorgestellt.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Solidarökonomie, Selbstverwaltung, Betriebsbesetzungen, soziale Bewegungen und die spezifisch brasilianischen Akteure wie ANTEAG, MST und SENAES.
SENAES ist das nationale Sekretariat für solidarische Ökonomie und fungiert als wichtige Instanz der brasilianischen Bundesregierung, um diese Wirtschaftsform politisch zu stützen, Kooperationen zu koordinieren und finanzielle sowie rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen.
Catende Harmonia gilt als eines der erfolgreichsten und bekanntesten Beispiele für die Selbstverwaltung einer ehemaligen Zuckerfabrik. Es zeigt, wie durch die Zusammenarbeit verschiedener Akteure Arbeitsplätze gesichert und soziale Standards verbessert werden können.
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