Bachelorarbeit, 2015
52 Seiten, Note: 1,3
1. Familie als soziohistorisches Konstrukt
1.1 Etymologische Herleitung des Begriffs „Familie“
1.2 Soziologische Definition von Familie nach Nave-Herz
1.3 Familie in der vorindustriellen traditionellen Gesellschaft
2. Entstehung des bürgerlichen Familienmodells als Normaltypus der Moderne
2.1 Funktionale Geschlechtsrollenspezialisierung
2.2 Generationenverhältnis zwischen Eltern und Kindern
2.3 Universalisierung des bürgerlichen Familienmodels
2.4 Institutionalisierung der bürgerlichen Kleinfamilie
2.5 Funktionen und Aufgaben der Familie für das Individuum und die Gesellschaft
3. Die Individualisierungsthese nach Ulrich Beck als theoretischer Erklärungsansatz für den Wandel familialer Lebensformen
4. Familie in der reflexiven Moderne
4.1 Deinstutionalisierung des bürgerlichen Familienmodells
4.1.1 Rückgang der Eheschließungen
4.1.2 Allgemeiner Geburtenrückgang
4.1.3 Zunahme nichtehelicher Geburten
4.1.4 Zunahme der Ehescheidungen
4.2 Pluralisierung familialer Lebensformen
4.2.1 Ein-Eltern-Familie
4.2.2 Stieffamilien
4.3 Wandel der Geschlechterrollen
1.1.1. Wandel der Vater- und Mutterrolle
1.1.2. Innerfamiliale Arbeitsteilung
4.4 Kindheit heute
4.4.1 Wandel kindlicher Freizeitkontexte
4.4.2 Wandel des Eltern-Kind-Verhältnisses
4.5 Funktionen der Familie in der reflexiven Moderne
Die Arbeit analysiert die Wandlungsprozesse der bürgerlichen Kleinfamilie beim Übergang in die reflexive Moderne. Unter Rückgriff auf die Individualisierungstheorie von Ulrich Beck wird untersucht, ob die gegenwärtigen Veränderungen tatsächlich als eine „Krise“ der Familie zu interpretieren sind oder ob es sich um einen strukturellen Wandel handelt.
4.1.1 Rückgang der Eheschließungen
Betrachtet man die demografischen Wandlungsprozesse sind zunächst Prozesse der Deinstitutionalisierung der Ehe zu nennen, welche sich seit Mitte der sechziger Jahre in der Bundesrepublik abzeichnen.
Laut Giddens (1993) veränderte sich die Institution Ehe im Verlauf der gesellschaftlichen Modernisierung von einer „auf Schutz und Unterdrückung basierenden Sozialform […] die sozial intensiv kontrolliert war und auf gesellschaftlich gesetzten starren Regeln beruhte, zu einer individuell gestaltbaren Partnerschaft, die mit bestimmten Verpflichtungen und Privilegien verbunden ist.“ (www.bpb.de). Damit verbunden ist eine Lockerung der ehemals engen Verknüpfung von Ehe und Familie, Elternschaft, Sexualität und dem Zusammenleben in einem gemeinsamen Haushalt. Was zu Beginn der sechziger Jahre noch mit erheblichen gesellschaftlichen Sanktion verbunden war, etwa außereheliche Sexualität, ledige Elternschaft oder unverheiratetes Zusammenwohnen, ist heutzutage überwiegend frei von sozialen Bewertungen und zur Normalität geworden (vgl. ebd.).
Die Deinstitutionalisierung der Institution Ehe zeigt sich an den Einstellungen der Bevölkerung: Hielten Anfang der sechziger Jahre noch neun von zehn Frauen und Männern die Ehe für eine essentielle Institution, geben heutzutage die überwiegende Mehrheit (86 Prozent) der Bevölkerung an, dass ein Zusammenleben auch ohne Heiratsabsicht in Ordnung sei. Des Weiteren hält jeder Vierte Befragte die Ehe für eine überholte Einrichtung (vgl. Peuckert 2012: 24).
Dies spiegelt sich auch an den praktizierten Lebensweisen wider: Nach dem Heiratsboom, der hauptsächlich aus den nachgeholten Eheschließungen und den Folgeehen vieler Verwitweten nach Ende des Krieges resultierte, sinkt die Zahl der geschlossenen Ehen zwischen 1960 und 1985 kontinuierlich. Zwar kommt es zwischen 1985 und 1995 zu einem absoluten Anstieg der Eheschließungen, jedoch weist dies nicht auf eine veränderte Heiratsneigung, sondern resultiert aus dem Eintreten geburtenstarker Jahrgänge in das heiratsfähige Alter. Nachfolgend setzt sich der Trend zur Abkehr von Ehe fort.
1. Familie als soziohistorisches Konstrukt: Untersuchung der etymologischen und soziologischen Grundlagen des Familienbegriffs und der vorindustriellen Familienform.
2. Entstehung des bürgerlichen Familienmodells als Normaltypus der Moderne: Analyse der Faktoren, die zur Etablierung der bürgerlichen Kleinfamilie als gesellschaftlichem Leitbild führten.
3. Die Individualisierungsthese nach Ulrich Beck als theoretischer Erklärungsansatz für den Wandel familialer Lebensformen: Darstellung des theoretischen Rahmens, der den Übergang von traditionellen Bindungen zur reflexiven Moderne erklärt.
4. Familie in der reflexiven Moderne: Empirische Betrachtung der Deinstitutionalisierung von Ehe und Familie sowie der Pluralisierung familialer Lebensformen und veränderter Kindheitsbedingungen.
Familie, Kleinfamilie, Individualisierung, reflexive Moderne, Deinstitutionalisierung, Ehescheidung, Geburtenrückgang, Normalbiografie, Wahlbiografie, Rollenwandel, Erziehungsstile, Kindheit, Pluralisierung, Lebensformen, Sozialisation.
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob sich die bürgerliche Kleinfamilie im aktuellen gesellschaftlichen Wandel tatsächlich in einer Krise befindet oder ob ein struktureller Erneuerungsprozess stattfindet.
Zentrale Themen sind der historische Wandel des Familienverständnisses, der Einfluss der Individualisierung auf das Familienleben sowie empirische Trends wie der Rückgang von Eheschließungen und die Pluralisierung von Lebensformen.
Ziel ist es, die familiären Wandlungstendenzen beim Übergang in die zweite Moderne anhand von Analysedimensionen der Individualisierungstheorie von Ulrich Beck zu prüfen und die Krisen-These kritisch zu hinterfragen.
Es handelt sich um eine theoretisch fundierte Analyse, die soziologische Theorien (vor allem von Ulrich Beck) mit empirischen Daten aus der Sozialforschung und Familienstatistik verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung des Individualisierungsschubs sowie die praktische Analyse der Deinstitutionalisierung von Ehe und Familie (Scheidungsraten, Geburtenzahlen) und der veränderten Binnenstrukturen wie Erziehung und Geschlechterrollen.
Die wichtigsten Begriffe sind Individualisierung, Deinstitutionalisierung, Normalbiografie, Pluralisierung und reflexive Moderne.
Die Arbeit erläutert, dass das Bild der Dreigenerationenfamilie als Normalform empirisch widerlegt ist; die Haushaltsgröße war damals primär durch das Miteinbezug von Gesinde bedingt, nicht durch eine hohe Zahl an Verwandten.
Die Hypothese besagt, dass die Übernahme von Hausarbeit durch den Umfang der außerfamilialen Erwerbsarbeit bestimmt wird; die Arbeit zeigt jedoch, dass dieser Zusammenhang in der Realität oft nicht bestätigt werden kann, da traditionelle Muster weiterhin stark wirken.
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass trotz der zweifelsfreien Veränderungen weder von einer Auflösung der Familienstruktur noch von einem totalen Funktionsverlust gesprochen werden kann, weshalb Krisenszenarien nicht haltbar sind.
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