Masterarbeit, 2015
83 Seiten, Note: 1,0
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
1. Phänomenologische Wissenschafts- und Kulturkritik
1.1. „Die Krisis der europäischen Wissenschaften“ von Husserl
1.1.1. Wandel der Wissenschaften
1.1.2. Mathematisierung der Füllen
1.1.3. Vergessen der Lebenswelt
1.1.4. Das Dogma der Naturwissenschaften und die Philosophie
1.2. Das Individuum in der Rolle des Mitmenschen von Löwith
1.2.1. Umwelt als „ent-objektivierte“ Mitwelt
1.2.2. Nicht-Objektivität von Objekten
1.3. Die Henrysche Barbarei – eine phänomenologische Kulturkritik
1.4. Zwischenfazit I
2. Einfluss der Naturwissenschaft auf unser Welt- und Menschenverständnis im 21. Jahrhundert
2.1. Thesen
2.2. Das Verhältnis der Geistes- und Naturwissenschaften
2.3. Die Debatte um Gehirn und Geist
2.4. Mathematisierung unseres Weltverständnisses
2.5. Zwischenfazit II
3. Der vermessene Mensch
3.1. Der Mensch als Zahlenkolonne
3.2. Die gesellschaftlichen Folgen und ein neu entstehendes Menschenbild
3.3. Ökonomisierung durch Mathematisierung
3.4. Zwischenfazit III
Die Arbeit untersucht kritisch den zunehmenden Einfluss naturwissenschaftlicher, reduktionistischer Methoden auf das Verständnis des Menschen und seiner Lebenswelt. Ziel ist es, die philosophischen Ursachen und gesellschaftlichen Folgen dieses Mathematisierungsprozesses aufzuzeigen und die Aktualität phänomenologischer Kulturkritik im 21. Jahrhundert zu belegen.
3.1. Der Mensch als Zahlenkolonne
Für die deutsche Juristin und Schriftstellerin, stellen jedoch nicht nur die potenziell falsch gedeuteten Ergebnisse der Selbstvermessungstechniken ein Problem dar. Für sie stellt Quantified Self eine Art „männliche Magersucht“ dar („männlich“, weil hauptsächlich Männer im Bereich Sport zum Messen ihrer Fortschritte neigen). Sie beschreibt das Streben nach Selbstkontrolle als „Selbstermächtigung durch Selbstversklavung“. Ähnlich wie Menschen mit Magersucht sieht sie in diesem Ehrgeiz einen Kampf gegen den eigenen Körper.
„Letztlich wirkt da die religiöse Vorstellung fort, der Weg zur Freiheit des Geistes führe über die Kasteiung des Fleisches. Nur dass die Sünde des 21. Jahrhunderts nicht mehr in sexueller Aktivität, sondern in zu fettem Essen und zu wenig Bewegung besteht. Als frommer Gläubiger nimmt sich der Selbstvermesser jede Möglichkeit zum Selbstbetrug. Die Datenbank ist der Beichtstuhl, der Dienst an der Technik sein tägliches Gebet. ‚Selbst, selbst, selbst’, lautet das Credo einer Religion ohne Gott, die den Einzelnen zum Schöpfer, zum Designer der eigenen Person erhebt. ‚Vermessen’ ist nicht nur der Körper des Selbstquantfizierers, sondern auch der Anspruch die totale Konzentration auf sich selbst müsse eines Tages zu Wohlbefinden führen. Egozentrik als Biozentrik.“
Natürlich gilt es hier zu relativieren; nicht jeder, der beim Joggen sein Handy nutzt, um zu kalkulieren, wie weit er gelaufen ist und wie viel Kalorien er dabei verbrannt hat, ist gleich ein chronischer Selbstvermesser. Jedoch stellt Juli Zeh kritisch eine extreme Ausweitung der Idee des Selbstvermessens in unserer Gesellschaft fest, wie vor allem Ideale der Selbstoptimierung und Egozentrik. Vor allem der Gedanke, physische Perfektion sei das höchste Gut, werde immer stärker vermittelt und nicht zuletzt durch unsere Pharma-, Kosmetik- und Ernährungsindustrie genährt.
1. Phänomenologische Wissenschafts- und Kulturkritik: Diese Einleitung in die phänomenologische Perspektive zeigt auf, wie Husserl, Löwith und Henry eine Kritik an der Objektivierung der Lebenswelt begründeten.
2. Einfluss der Naturwissenschaft auf unser Welt- und Menschenverständnis im 21. Jahrhundert: Hier werden aktuelle naturwissenschaftliche Trends kritisch hinterfragt und mit den phänomenologischen Thesen verknüpft.
3. Der vermessene Mensch: Das abschließende Kapitel analysiert die konkrete Manifestation der Mathematisierung im digitalen Alltag und durch die Ökonomisierung von Daten.
Mathematisierung, Phänomenologie, Lebenswelt, Edmund Husserl, Reduktionismus, Naturalismus, Selbstvermessung, Quantified Self, Geist-Gehirn-Debatte, Sinnkrise, Digitalisierung, Ökonomisierung, Juli Zeh, Objektivierung, Selbstoptimierung
Die Arbeit analysiert kritisch, wie moderne naturwissenschaftliche Methoden zunehmend alle Lebensbereiche erfassen, den Menschen auf messbare Daten reduzieren und somit eine philosophische "Sinnkrise" sowie eine Veränderung unseres Selbstbildes verursachen.
Die zentralen Themen umfassen die phänomenologische Wissenschaftskritik, das Verhältnis von Geistes- und Naturwissenschaften, die Hirnforschung im Kontext des Determinismus sowie die digitale Vermessung des Menschen.
Die Autorin geht der Frage nach, inwiefern die moderne Mathematisierung von Mensch und Lebenswelt real existierende gesellschaftliche Probleme widerspiegelt und welche Konsequenzen dies für die menschliche Freiheit und Identität hat.
Die methodische Grundlage bildet die phänomenologische Analyse, die durch eine philosophisch-reflektierte Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen ergänzt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung durch klassische Philosophen (Husserl, Löwith, Henry) und eine aktuelle Analyse anhand moderner Kritiker und Phänomene wie "Quantified Self" und "Big Data".
Charakteristisch ist die Verbindung von tiefgründiger phänomenologischer Theorie mit lebensnahen, modernen Beispielen, um die philosophische Relevanz aktueller technologischer Trends aufzuzeigen.
Dieser Begriff nach Husserl beschreibt den Vorgang, in dem qualitative Sinneserfahrungen (wie Wärme oder Farbe) in quantitative, mathematisch erfassbare Modelle übersetzt werden, wodurch ihre ursprüngliche subjektive Bedeutung verloren geht.
Die Autorin sieht darin ein "totalitäres Potenzial" und eine "egozentrische Selbstversklavung", da das Streben nach Perfektion und die Reduzierung des Menschen auf Daten das Verständnis für geistige Werte und zwischenmenschliche Solidarität gefährdet.
Der Roman dient als plakatives, dystopisches Fallbeispiel, das drastisch vorführt, wohin eine Gesellschaft steuert, die den Menschen rein als ein durch Daten und Gesundheitskontrollen optimierbares Objekt betrachtet.
In Anlehnung an Freud wird die Digitalisierung als "digitale Kränkung" bezeichnet, da sie den Glauben des Menschen an seine Freiheit und Mündigkeit durch die Vorhersagbarkeit und Manipulierbarkeit seines Verhaltens infrage stellt.
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