Bachelorarbeit, 2013
65 Seiten, Note: 1,7
I Einleitung
II Die Großtheorien der Internationalen Beziehungen
1. Der Realismus
2. Der Liberalismus
3. Der Konstruktivismus
III Das völkerrechtliche Prinzip der Responsibility to Protect
1. Die Humanitäre Intervention
2. Die Positivierung der hI in der Responsibility to Protect
3. Zusammenfassend: Womit haben wir es mit der R2P zu tun?
IV Die Erklärungsreichweite der IB Großtheorien zur R2P
1. Erklärungsreichweite und -schwächen des Realismus
2. Erklärungsreichweite und -schwächen des Liberalismus
3. Erklärungsreichweite und -schwächen des Konstruktivismus
V Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht die Erklärungskraft der drei großen IB-Großtheorien (Realismus, Liberalismus, Konstruktivismus) im Hinblick auf das Phänomen der Responsibility to Protect (R2P). Ziel ist es, auf Basis der jeweiligen Weltbilder und eines Indikatorenkatalogs zu bestimmen, welche Theorie das Entstehen und die Ausgestaltung der R2P am plausibelsten erklären kann.
3. Zusammenfassend: Womit haben wir es mit der R2P zu tun?
In einem ersten Schritt während der 90er Jahre haben sich durch eine veränderte Staatenpraxis und einer dementsprechenden Uminterpretation der VN-Charta völkerrechtliche Fundamentalnormen des Individualschutzes gegen das Prinzip des absoluten Gewaltverbotes durchgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich die hI im Widerstreit mit dem interventionshemmenden Prinzip der Nichteinmischung. Dieser Konflikt wurde unter anderem auch für die Fehlschläge der Interventionen der frühen 90er verantwortlich gemacht. Um den voliegenden Normenkonflikt zu beseitigen wurde in einem zweiten Schritt die innerstaatliche Souveränität funktionalisiert, in dem diese von dem Schutz fundamentaler Menschenrechte abhängig gemacht wurde. Der Schutz vor massenhaften schweren Menschenrechtsverletzungen wurde damit zu einer echten ius cogens Verpflichtung, vielleicht die erste ihrer Art. Sollte der Staat dieser Verpflichtung nicht nachkommen, so wird aus der Schutzverantwortung eine erga omnes Verpflichtung der gesamten Staatengemeinschaft, welcher notfalls auch militärisch nachgegangen werden kann. Die hI wurde so in der R2P konzeptualisiert und schließlich zum VR Prinzip erhoben. Allgemein ist hierdurch die Hemmschwelle für die Ausübung von militärischer Gewalt mit humanitärer Begründung in den iB gesunken und das Prinzip der staatlichen Souveränität wurde entscheidend relativiert.
I Einleitung: Einführung in die Thematik der R2P, deren erste Implementierung im Rahmen des Arabischen Frühlings und die Darlegung der Forschungsfragen sowie methodischen Vorgehensweise.
II Die Großtheorien der Internationalen Beziehungen: Idealtypische Darstellung des Realismus, Liberalismus und Konstruktivismus anhand der Kategorien Akteur, Struktur, Disposition, Krieg sowie Kooperation und Frieden.
III Das völkerrechtliche Prinzip der Responsibility to Protect: Historische und rechtliche Herleitung der R2P, von den Anfängen der humanitären Intervention über die Konzeptualisierung durch die ICISS bis zur Integration in das Outcome-Dokument des Weltgipfels 2005.
IV Die Erklärungsreichweite der IB Großtheorien zur R2P: Detaillierte Prüfung und kritische Gegenüberstellung der drei Theorien anhand von neun definierten Indikatoren zur Erklärungskraft bezüglich des Phänomens R2P.
V Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Quantifizierung der Erklärungspotenziale und abschließende Bewertung, welche Theorie das Phänomen R2P am besten in ihr Weltbild integrieren kann.
Responsibility to Protect, R2P, Internationale Beziehungen, Realismus, Liberalismus, Konstruktivismus, humanitäre Intervention, VN-Charta, Souveränität, Menschenrechtsschutz, Weltpolitik, internationale Regime, Normen, Kooperation, Sicherheitsrat
Die Publikation analysiert, wie die drei maßgeblichen Denkschulen der Internationalen Beziehungen (Realismus, Liberalismus, Konstruktivismus) das völkerrechtliche Prinzip der Schutzverantwortung (Responsibility to Protect) theoretisch einordnen und erklären.
Zentrale Themen sind die Entwicklung der humanitären Intervention, die Transformation des Völkerrechts, die Rolle der Vereinten Nationen und die kritische Analyse der Erklärungskraft außenpolitischer Theorien.
Das primäre Ziel ist es, die Erklärungskraft der IB-Großtheorien für das Entstehen und die Ausgestaltung der R2P kritisch zu prüfen, um herauszufinden, welche Theorie das Phänomen am plausibelsten begründet.
Die Untersuchung erfolgt durch die idealtypische Darstellung der Theorien und deren kritische Überprüfung anhand eines auf acht (bzw. neun) qualitativen Indikatoren basierenden Kriterienkatalogs.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die völkerrechtliche Genese der R2P und die anschließende analytische Prüfung der Theorien an verschiedenen Fällen und Indikatoren.
Die zentralen Schlagworte sind R2P, internationale Beziehungen, Souveränität, Menschenrechtsschutz, konstruktivistische Sozialisation und realistisches Machtkalkül.
Während der Realismus die R2P als Instrument opportunistischer Machtausübung durch Großmächte sieht, interpretiert der Konstruktivismus sie als Ausdruck einer sich wandelnden intersubjektiven Weltordnung und als Resultat kommunikativen Handelns zur Normierung von Werten.
Der Liberalismus erklärt die R2P primär als Resultat eines sich verdichtenden Menschenrechtsregimes und durch das Interesse einer wachsenden Anzahl liberaler Staaten an der Kooperation zur Sicherung universeller Werte.
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