Masterarbeit, 2015
114 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Stand und Problematiken der Flamencoforschung
3. Die Musikkultur Flamenco - Diskurse, Mythen und Geschlechterrollen
3.1 Zur Etymologie des Begriffs Flamenco
3.2 Flamencomythen und Ursprungslegenden
3.3 Zum soziohistorischen Entstehungskontext des Flamenco
3.4 Geschlechterrollen in der frühen Flamencokultur
3.5 Die Etablierung einer standardisierten Bühnenkleidung
3.6 Der Einzug des Flamenco auf europäischen Bühnen
3.7 Instrumentalisierung des Flamenco unter Franco
3.8 Nuevo und Fusion- Flamenco - Neue Wege in der Post-Franco Ära
4. Exkurs: Begriffsdefinitionen und Mechanismen zur Entstehung von Stereotypen
5. Romantische Fremdbilder, Autoexotismus und politische Doktrin - Die Genese des Flamenco-Stereotyps
5.1 Spanien als Sehnsuchtsort der europäischen Romantik
5.2 Bohémians und Bon-Sauvages - Die 'Gitanos' als Projektionsfläche von Exotik und Freiheit
5.3 Die schöne 'Zigeunerin' zwischen Faszination und Disjunktion
5.4 Die Flamencotänzerin in den Reiseberichten der europäischen Romantiker
5.5 Carmen als Trope der spanischen Flamencokultur
5.6 Der Flamenco im Kontext des Autoexotismus Spaniens
5.7 Die Aneignung von Fremdbildern zur Schaffung einer kollektiven Identität
5.8 Carmen überwinden - Zum Umgang mit Stereotypen in zeitgenössischen Flamencoperformances
6. Schlussbetrachtungen
Die Arbeit untersucht die Konstruktion und Reproduktion von Stereotypen im spanischen Flamenco, insbesondere im Hinblick auf die Weiblichkeitsimaginationen, die durch die europäische Romantik geprägt wurden. Ziel ist es, die soziohistorischen Hintergründe und die Instrumentalisierung des Flamenco als identitätsstiftendes, exotisierendes Symbol kritisch zu beleuchten und den künstlerischen Umgang mit diesen klischeebehafteten Fremdbildern in der Gegenwart zu analysieren.
1. Einleitung
„Wenn das Wort «Flamenco» fällt, schießen dem deutschen Spanientouristen vor allem solche Bilder in den Kopf: sich drehende Frauen mit weitaus-roten Röcken, streng zurückgekämmten Haaren und harten Lederschuhen, die im Takt dem Parkett klacken, als hämmerten sie Nägel in den Boden. Dazu lockende, kreisende Handbewegungen und Blicke, die von Liebe und Eifersucht, Besitz und Freiheit künden. (...) Mit einem Wort: Carmen.“
Diese Arbeit wird keinen empirischen Beweis für die Anschauungen der „deutschen Spanientouristen“ liefern; dennoch ist davon auszugehen, dass die stereotypen Attribute, die der Journalist Dirk Engelhardt hier andeutet, bis heute zum festen Repertoire der Weiblichkeitsimagination der flamencotanzenden Spanierin gehören.
Spätestens mit dem weltweiten Erfolg der Bizet'schen Oper Carmen, die 1875 in Paris uraufgeführt wurde, waren Flamencorhythmen, Kastagnetten, wallende rote Kleider, Fächer, dunkle Haare und überbordende Leidenschaft nicht mehr aus dem spanischen Fremdbild wegzudenken.
Bizets Protagonistin ist eine facettenreiche, äquivoke Gestalt. Sie ist Gaunerin, Liebhaberin, Herzensbrecherin, gleichzeitig Täterin wie Opfer. Eine unabhängige, willensstarke und sinnliche Frau, die ihrerzeit zukünftige Weiblichkeitsbilder vorweggenommen hat. Eines ist Carmen indes nicht – oder zumindest nicht explizit: Tänzerin. Wie kommt es also, dass ihre Gestalt heute untrennbar mit der 'rassigen' andalusischen Flamenca verbunden zu sein scheint?
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der stereotypen Wahrnehmung des Flamenco ein, skizziert die kulturelle Prägung durch den Carmen-Mythos und legt die zentrale Fragestellung der Arbeit dar.
2. Stand und Problematiken der Flamencoforschung: Das Kapitel reflektiert den wissenschaftlichen Forschungsstand zur "Flamencologie", benennt die Problematik der Subjektivität in frühen Studien und unterstreicht die Notwendigkeit interdisziplinärer Ansätze.
3. Die Musikkultur Flamenco - Diskurse, Mythen und Geschlechterrollen: Hier werden die historischen Ursprünge, die Etymologie des Begriffs sowie die soziale Strukturierung des Flamenco, inklusive der Entwicklung von Geschlechterrollen und Bühnenkonventionen, analysiert.
4. Exkurs: Begriffsdefinitionen und Mechanismen zur Entstehung von Stereotypen: Dieser theoretische Exkurs erläutert die Entstehung von Stereotypen und Klischees als notwendige kognitive Orientierungshilfen und deren machtpolitische Funktion bei der Konstruktion von Differenz.
5. Romantische Fremdbilder, Autoexotismus und politische Doktrin - Die Genese des Flamenco-Stereotyps: Das Hauptkapitel untersucht die romantische Wahrnehmung Spaniens als "Ersatz-Orient", die Rolle der 'Gitanos' als Projektionsfläche und die Instrumentalisierung dieser Identitätskonzepte bis hin zum kritischen Umgang in heutigen Performances.
6. Schlussbetrachtungen: Die Schlussbetrachtungen fassen die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und resümieren, wie sich der Flamenco von einer touristisch instrumentalisierten Folklore zu einer globalen, politisch reflektierten Kunstform entwickelt hat.
Flamenco, Carmen-Mythos, Gitanos, Orientalismus, Autoexotismus, Geschlechterrollen, Identität, Körperbilder, Weiblichkeitsimagination, Stereotype, Romantik, Performativität, Andalusien, Kulturgeschichte, Subalterne
Die Arbeit analysiert, wie sich ein klischeebehaftetes Bild des spanischen Flamenco, insbesondere der „tanzenden Spanierin“ oder „Carmen“, im Laufe der europäischen Kulturgeschichte geformt hat und welche soziohistorischen Mythen diesem Fremdbild zugrunde liegen.
Die Themenfelder umfassen die Flamenco-Forschung, historische Geschlechterrollen, die Konstruktion von Identität durch Romantik und Orient-Diskurs, die Rolle der 'Gitanos' sowie die moderne künstlerische Auseinandersetzung mit diesen Stereotypen.
Ziel ist es, die Mechanismen aufzudecken, durch die der Flamenco als Projektionsfläche für exotisierende Sehnsüchte missbraucht wurde, und aufzuzeigen, wie zeitgenössische Künstler diese Fremdbilder dekonstruieren oder ironisch unterwandern.
Es handelt sich um eine kulturwissenschaftliche Analyse, die historische Quellen, Reiseberichte, literarische Vorlagen (insbesondere Carmen) und moderne Tanz-Performances unter dem Blickwinkel postkolonialer Theorien und Gender Studies betrachtet.
Der Hauptteil beleuchtet die historische Genese des Flamenco, die Rolle der französischen Romantik in der Mythenbildung sowie die bewusste Nutzung dieser Exotik-Klischees durch das Franco-Regime und deren Reflexion in der heutigen Flamenco-Kunst.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Flamenco, Carmen, Gitanos, Orientalismus, Autoexotismus, Gender, Identitätskonstruktion, Performativität und Dekonstruktion charakterisieren.
Carmen fungiert als dominante kulturelle Trope, die eine Verbindung zwischen andalusischer Identität, sinnlicher Weiblichkeit und Exotik herstellt, obwohl die literarische Figur Bizets ursprünglich gar nicht als Flamencotänzerin konzipiert war.
Der Tourismus trug maßgeblich dazu bei, den Flamenco zu standardisieren, um den (exotischen) Erwartungen eines internationalen Publikums gerecht zu werden, was oft zulasten einer authentischen Alltags- oder sozialen Praxis ging.
Zeitgenössische Flamencokünstler wie Belén Maya oder Rocío Molina nutzen die Klischees ironisch, dekonstruieren die traditionellen Rollenbilder durch Minimalismus oder experimentelle Kostüme und thematisieren die Künstlichkeit der "authentischen" Flamenco-Inszenierung.
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