Examensarbeit, 2002
52 Seiten, Note: 2
1. Einleitung
2. Die Sozialität von Sprache und Identität
2.1. Die Welt als Bühne – Erwing Goffman
2.2. Die Sozialität der Identität - George Herbert Mead
2.3. Die Sozialität der Sprache - Ludwig Wittgenstein
2.4. Sprache und Sozialität als Grundbausteine einer stabilen Identität; Goffman, Mead und Wittgenstein im Vergleich
3. Paul Austers City of Glass
3.1. Peter Stillman Senior
3.2. Peter Stillman Junior
3.3. Daniel Quinn
4. Fazit
5. Bibliographie
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Wechselverhältnis von Sprache und Identitätsbildung im Roman „City of Glass“ von Paul Auster. Ausgehend von sozialpsychologischen Modellen, die menschliche Identität als konstruiertes, soziales Produkt begreifen, hinterfragt die Autorin die Autonomie des Individuums und zeigt auf, wie soziale Strukturen und sprachliche Systeme Identität erst ermöglichen, diese jedoch gleichzeitig einschränken oder sogar zerstören können.
3.2. Peter Stillman Junior
Peter Stillman ist eine Art urbaner Kaspar Hauser, der von seinem Vater Peter Stillman Senior in seiner Kindheit neun Jahre lang eingesperrt gehalten wurde, ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt. Dies war Teil eines Experiments, in dem sein Vater versuchte eine `language of God´ wiederzuentdecken, in der Bezeichnetes und Bezeichnendes eine Einheit sind, wie es vor dem „Fall“ (der Vertreibung aus dem Paradies) war. Durch ein Feuer wurde das Experiment beendet und Stillman Junior im Alter von dreizehn Jahren befreit und in therapeutische Behandlung genommen . Der Vater wird zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Zu Beginn der City of Glass steht die Haftentlassung Stillman Seniors bevor, und der Sohn und seine Frau befürchten eine Bedrohung des Lebens von Peter Stillman jr. Der Vater hatte bereits zu einem früheren Zeitpunkt in einem Brief Morddrohungen ausgesprochen. Aus diesem Grund beauftragen sie einen Detektiven den Vater zu beobachten und Stillman jr gegebenenfalls zu warnen.
Peter Stillman jr. gelangte während seiner Isolation zu keinem Selbst-Bewusstsein. Er hatte nie die Möglichkeit, den Prozess einer Identitätsbildung zu durchlaufen. Hier gibt Meads Theorie der Identitätsbildung eine Erklärung. Da ihm jegliche Kommunikation untersagt war, hat er keine Sprache erlernt, die kommunikationsfähig ist. Selbst heute kann er nur Sprachfetzen hervorbringen. Da Sprache Grundvoraussetzung zur Ausbildung eines Selbst-Bewusstseins ist, wurde er dieser Entwicklung beraubt.
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Bedingtheit von Sprache, Identität und Freiheit im Roman vor und skizziert das theoretische Modell.
2. Die Sozialität von Sprache und Identität: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen durch die Sozialpsychologie von Goffman und Mead sowie die Sprachphilosophie Wittgensteins.
2.1. Die Welt als Bühne – Erwing Goffman: Eine Darstellung von Goffmans Theorie, die das soziale Leben als Rollenspiel innerhalb definierter Rahmen beschreibt.
2.2. Die Sozialität der Identität - George Herbert Mead: Fokus auf Meads Konzept des „Self“, das sich durch Kommunikation und die Übernahme der Rolle des Anderen konstituiert.
2.3. Die Sozialität der Sprache - Ludwig Wittgenstein: Analyse von Wittgensteins „Sprachspielen“, die verdeutlicht, dass Bedeutung sozial vermittelt und in Lebensformen eingebettet ist.
2.4. Sprache und Sozialität als Grundbausteine einer stabilen Identität; Goffman, Mead und Wittgenstein im Vergleich: Eine Synthese der drei Theorien, die die absolute Sozialität des Menschen als gemeinsamen Kern herausarbeitet.
3. Paul Austers City of Glass: Übertragung der theoretischen Modelle auf den Roman und Analyse der Figuren unter diesen Gesichtspunkten.
3.1. Peter Stillman Senior: Untersuchung des Versuchs der Figur, durch die Rekonstruktion einer „natürlichen“ Ursprache die Welt zu heilen und ihre Folgen.
3.2. Peter Stillman Junior: Analyse der Sprach- und Identitätslosigkeit der Figur als direkte Folge der isolationistischen Erziehung des Vaters.
3.3. Daniel Quinn: Betrachtung des Protagonisten und seiner schrittweisen Identitätsdemaskierung im Verlauf der Handlung.
4. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse, in der Austers Darstellung der menschlichen Abhängigkeit von sozialen Systemen und der Freiheit des Individuums gewürdigt wird.
5. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Paul Auster, City of Glass, Identitätsbildung, Sozialität, Sprache, Rollenspiel, Erving Goffman, George Herbert Mead, Ludwig Wittgenstein, Sprachspiel, Privatsprache, Daniel Quinn, Identitätsverlust, Postmoderne, Soziale Rahmen.
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Sprache und Identität in Paul Austers Roman „City of Glass“ und analysiert, inwieweit das Individuum durch soziale und sprachliche Rahmenstrukturen geprägt oder fremdbestimmt wird.
Die Themen umfassen sozialpsychologische Identitätsmodelle, sprachphilosophische Konzepte, das Verhältnis von Individuum zu gesellschaftlichen Systemen sowie die literarische Umsetzung dieser Konzepte im Roman.
Das primäre Ziel ist es, zu klären, inwiefern Identität nicht isoliert, sondern nur innerhalb eines sozialen und sprachlichen Systems entstehen und existieren kann, und wie der Roman diese Abhängigkeit kritisch reflektiert.
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die durch die Anwendung theoretischer sozialwissenschaftlicher Modelle (Goffman, Mead) und sprachtheoretischer Ansätze (Wittgenstein) fundiert wird.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Identitätsbildung und Sprachsozialität sowie einen interpretativen Teil, der die Charaktere Peter Stillman Senior, Peter Stillman Junior und Daniel Quinn anhand der theoretischen Modelle analysiert.
Identitätsbildung, Sozialität, Sprache, Rollenspiel, Sprachspiel, Privatsprache, Identitätsverlust und soziale Rahmenbedingungen sind zentral für das Verständnis der Arbeit.
Er scheitert, da er die soziale Bedingtheit der Sprache ablehnt und eine private „natürliche“ Sprache erzwingen möchte, die in der gemeinschaftlichen Realität nicht anschlussfähig ist.
Quinn ist die einzige Figur, die sich schließlich von den gesellschaftlich zugeschriebenen Rollen befreien kann und eine Form von autonomer Identität findet, indem er die Einheit von Wort und Ding akzeptiert und sein „Self“ außerhalb der herkömmlichen Erzählrahmen etabliert.
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