Bachelorarbeit, 2015
62 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Die erste Schwelle
2.1. Das duale System
2.2. Das Übergangssystem
2.2.1. Die „Ausbildungsreife“
3. Benachteiligte Jugendliche
3.1. Ursachen der Benachteiligung
3.1.1. Soziale Faktoren
3.1.2. Schule als erste Selektionsinstanz
3.1.3. Ausbildungsmarktbezogene Faktoren
3.1.4. Individuelle Faktoren
3.2. Psychosoziale Auswirkungen der Benachteiligungen
4. Die Kooperative Ausbildung
4.1. Die außerbetriebliche Ausbildung BaE: ein Überblick
4.2. Die Entstehung der Kooperativen Ausbildung
4.3. Rechtliche Grundlagen
4.4. Gestaltungsmöglichkeiten von Ausbildung für benachteiligte Jugendliche
4.4.1. Pädagogisches Konzept
4.4.2. Beruf und Betrieb
4.4.3. Kooperation
4.4.4. Wertschätzung und Selbstkonzept
5. Chancen und Grenzen der Kooperativen Ausbildung zur Überwindung der Chancenungleichheiten an der ersten Schwelle
6. Fazit
Diese Bachelorarbeit untersucht, inwieweit die Kooperative Ausbildung als Instrument geeignet ist, Chancenungleichheiten für benachteiligte Jugendliche beim Übergang von der Schule in das Berufsbildungssystem ("erste Schwelle") abzubauen, und hinterfragt dabei das Selbstverständnis der Sozialen Arbeit zwischen gesellschaftspolitischem Auftrag und institutionellen Zwängen.
3.2 Psychosoziale Auswirkungen der Benachteiligungen
„Wenn man in Deutschland bis Mitte Zwanzig keine Ausbildung durchlaufen hat, bleibt man vom ersten Arbeitsmarkt in aller Regel dauerhaft ausgeschlossen. Mit dieser Exklusion geht der weitere Verlust an sozialer Teilhabe einher.“ (Clement 2012: 49). Den benachteiligten Jugendlichen ist außerdem klar: der erfolgreiche Abschluss einer Ausbildung, bedeutet, „es geschafft zu haben“ (dies.: 49).
Wenn ein Jugendlicher es nun nicht schafft, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, und es schon in der Schule nicht geschafft hat, und vielleicht sogar all die Barrieren sieht oder spürt, die Vorurteile von Lehrern und anderen Erwachsenen spürt, dann kann es passieren, dass die von Erwachsenen getroffene Urteile gravierende Auswirkungen auf das Selbstbild und das Verhalten eines Jugendlichen haben: „So wird wahr, was wir schon annahmen und bestätigt sich dann immer wieder“ (dies.: 46). Man könnte auch sagen: die Jugendlichen finden sich mit ihrem Status in der Gesellschaft ab. Das Scheitern in der Schule bedeutet dann auch die Beschädigung der sozialen Identität. Als Resultat der ausschließenden Prozesse können „Schulangst, Anomie (Gefühl der Machtlosigkeit), sowie Entfremdung und Distanzierung leistungsschwacher Schüler und Schülerinnen vom Lernprozess sein“ (Solga in Becker 2011: 426).
Schulverweigernde Verhaltensweisen wie Resignation oder Rückzug können hier als von den betroffenen Kindern und Jugendlichen gewählte Bewältigungsstrategie gedeutet werden, die oft das Endprodukt eines „Auskühlungsprozesses“ sind. Auch Clement (2012) erklärt die Resignation von benachteiligten Jugendlichen als ein Ergebnis des „Auskühlens“. Ihren Ursprung hat die Theorie in dem Aufsatz „On cooling the Mark out“ von Goffman (1972), der sich mit dem Auskühlen von Menschen beschäftigt und damit, wie verhindert wird, dass sie gegen die ungerechte Situation aufbegehren oder wütend werden auf die Verursacher ihrer Situation.
1. Einleitung: Problemstellung der Ausbildungslosigkeit als gesellschaftliches Phänomen und Einführung in das Konzept der "ersten Schwelle" sowie der Kooperativen Ausbildung.
2. Die erste Schwelle: Erläuterung des dualen Ausbildungssystems und des Übergangssystems, das als Auffangbecken für vermeintlich "ausbildungsunreife" Jugendliche fungiert.
3. Benachteiligte Jugendliche: Tiefgehende Analyse der sozialen, schulischen und individuellen Ursachen von Benachteiligung sowie deren psychosoziale Konsequenzen für die Betroffenen.
4. Die Kooperative Ausbildung: Darstellung der außerbetrieblichen Ausbildung als Fördermaßnahme, einschließlich ihrer rechtlichen Grundlagen, pädagogischen Konzepte und der Kooperationsstrukturen mit Betrieben.
5. Chancen und Grenzen der Kooperativen Ausbildung zur Überwindung der Chancenungleichheiten an der ersten Schwelle: Kritische Diskussion der Wirksamkeit dieses Modells unter Berücksichtigung von Systemzwängen und dem professionellen Selbstverständnis der Sozialen Arbeit.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse mit einem Plädoyer für eine systemkritische Haltung der Sozialen Arbeit zur Förderung echter Bildungschancen.
Kooperative Ausbildung, erste Schwelle, benachteiligte Jugendliche, Übergangssystem, Ausbildungsreife, soziale Ungleichheit, Soziale Arbeit, duales System, Bildungsbenachteiligung, Jugendberufshilfe, Selektionsmechanismen, Gatekeeper, Ausbildungsmarkt, Chancengleichheit, Selbstkonzept.
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen der Kooperativen Ausbildung, um benachteiligte Jugendliche erfolgreich in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Zu den Kernbereichen gehören das deutsche duale Ausbildungssystem, das Übergangssystem, die Ursachen für Benachteiligungen im Bildungsverlauf und die Rolle der Sozialen Arbeit.
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, ob die Kooperative Ausbildung tatsächlich Chancenungleichheiten an der ersten Schwelle abbauen kann oder lediglich Symptome eines exkludierenden Systems behandelt.
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Bachelorarbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung von Statistiken und Modellen zur Bildungsungleichheit basiert.
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der Ausgrenzung, das Profil der Kooperativen Ausbildung und die professionellen Anforderungen an MitarbeiterInnen bei der Begleitung benachteiligter junger Menschen.
Die Arbeit lässt sich am besten über Begriffe wie Chancengleichheit, Ausbildungsreife, Kooperative Ausbildung und soziale Exklusion definieren.
Betriebe kontrollieren den Zugang zum Ausbildungssystem durch strenge Selektionspraktiken, wodurch sie maßgeblich über Lebenschancen und den Ausschluss benachteiligter Jugendlicher entscheiden.
Dieser Begriff nach Goffman beschreibt, wie Jugendliche dazu gebracht werden, ihre ursprünglichen Erwartungen an eine Ausbildung schrittweise aufzugeben und ihr Scheitern als persönliches Versagen zu akzeptieren, statt die systemischen Defizite zu erkennen.
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