Diplomarbeit, 2003
118 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
1.1 Problembeschreibung
1.2 Zielsetzung und Definitionen
1.3 Zur Schwierigkeit der begrifflichen Abgrenzung von Partnerschaft und Familie
1.4 Orientierung an der Individualisierungsthese
1.5 Wegbeschreibung und Begründungen
2. Kulturgeschichtlicher Hintergrund
2.1 Von der Stände- zur Klassengesellschaft
2.2 Eheschließungsmotive vor der Industrialisierung
2.3 Die Entwicklung eines neuen Familien- und Ehemodells am Beispiel des Bürgertums
2.4 Die „Erfindung“ der Liebe als Motiv für die Eheschließung
2.5 Anspruch und Wirklichkeit von Liebe und Ehe im 19.Jh.
2.6 Liebe, Ehe und Kirche
2.7 Ehe und Liebe in den Nachkriegsjahren bis 1960
2.8 Das Leitbild wird brüchig
2.9 Zusammenfassung:
3. Merkmale und Kennzeichen des Wandels von Ehe/Partnerschaften
3.1 Sinkende Heiratsneigung
3.2 Zunahme der Ehescheidungen
3.3 Zunahme Neuer Lebensformen
3.3.1 Nichteheliche Lebensgemeinschaften
3.3.2 Die kinderlose Ehe
3.3.3 Die kindorientierte Ehegründung
3.3.4 Weitere Formen der Partnerschaft
3.4 Individualisierung und Pluralisierung
4. Ursachen des Wandels
4.1 Der Wertewandel
4.1.1 Entstehung des Wertewandels
4.1.2 Kennzeichen der Wertewandels
4.1.3 Wesen und Inhalt des Wertewandels
4.2 Wertewandel und Bindungen
5. Folgen des Wertewandels
5.1 Geschlechterrollenwandel
5.1.1 Frauen und ihre Rolle
5.1.2 Männer und ihre Rolle
5.2 Ein erstes Resümee
6. Liebes- und Paarbilder zwischen alten Leitbildern und neuen Idealen
6.1 „Versachlichung der Welt“
6.2 Sinn- und Identitätssuche als (neuer) Wert von Ehe/Partnerschaft
6.3 Das romantische Liebesideal im 21.Jahrhundert
6.4 Liebe zwischen Markt und Paarbeziehung
6.5 Liebesbeziehungen- Paarbeziehungen
7. Entwürfe neuer Lebensformen
7.1 Nichteheliche Lebensgemeinschaften
7.1.1 Definition und Ausbreitung
7.1.2 Nichteheliche Lebensgemeinschaften – eine Konkurrenz zur Ehe?
7.1.3 Charakteristika der nichtehelichen Lebensgemeinschaften
7.1.4 Probleme der nichtehelichen Lebensgemeinschaften
7.2 Fortsetzungsehen
7.2.1 Faktoren für und gegen die Wiederverheiratung
7.2.2 Chancen und Risiken
7.3 Commuter-Ehe
7.3.1 Begriff und Merkmale der Commuter-Ehe
7.3.2 Probleme in Commuter-Ehen
7.3.3 Chancen der Commuter-Ehe
7.3.4 Commuter-Ehe - eine Lösung zur Anpassung an den Wandel?
7.4 Ein zweites Resümee
8. Zur Frage der Instabilität bzw. der Stabilität von Ehe-Partnerschaften
8.1 Bedingungen, die die Scheidungswahrscheinlichkeit erhöhen
8.1.1 Die „Scheidungsspirale“
8.1.2 Die „Scheidungstransmission“
8.1.3 Soziodemographische Bedingungen der Scheidungswahrscheinlichkeit
8.2 Bedingungen für gelingende Partnerschaften
8.2.1 Definition des Begriffs „Lebensthema“
8.2.1.1 Wirkungen von Homogenität und Heterogenität der Lebensthemen in Paarbeziehungen
8.2.1.2 Paare und gleiche Lebensthemen
8.2.1.3 Sich ergänzende Lebensthemen
8.2.1.4 Differierende Lebensthemen
8.3 Kommunikation als Stabilitätsfaktor für Paarbeziehungen
8.3.1 Grundlagen der Kommunikation
8.3.2 Bedeutsamkeit von Kommunikation in Partnerschaften
8.3.3 Konstruktive Kommunikation als Möglichkeit zur Lösung von Konflikten in Paarbeziehungen
8.3.4 „Wir können einander nicht verstehen“
9. Schluss
9.1 Zusammenfassung
9.2 „Sind dauerhafte Partnerschaften noch möglich?“ - Eine Stellungnahme
9.3 Fazit
Die Arbeit analysiert, wie sich Paarbeziehungen heute zwischen den überkommenen Leitbildern der Nachkriegszeit und neuen, individualisierten Lebensformen gestalten, um abschließend die Frage zu erörtern, ob dauerhafte Partnerschaften unter modernen gesellschaftlichen Bedingungen noch möglich sind.
1.1 Problembeschreibung
Wenn die Werte und Normen, die zumindest die Sicherheit boten, dass man wusste, wie man sich zu verhalten hatte, zur Disposition stehen, gibt es keine Begründung mehr, warum man sich an einem alten Leitbild orientieren sollte. Darum muss heute alles beredet, begründet, verhandelt und vereinbart werden und ist deswegen auch jederzeit wieder aufkündbar (vgl. Beck, Beck-Gernsheim 1990, S.15). Dennoch ist das alte Leitbild von Ehe und Familie mitsamt seinen Normen und Werten weiterhin existent, welches ich noch aufzeigen werde. Es ist zwar nicht mehr existent als Zwang oder als Ideal, welches sich eine Gesellschaft selbst gegeben hat, sondern es steht weitestgehend in der „Wahlfreiheit“ des Einzelnen, sich so zu verhalten oder aber auch nicht. Diese „Wahl-freiheit ist das eigentliche Problem: Wenn nichts und niemand mehr sagt, was richtig, falsch, wertvoll oder sinngebend ist, ist man um so mehr auf sich selbst als Maßstab aller Dinge angewiesen. Genau damit scheinen viele Menschen überfordert zu sein, was sich nicht zuletzt daran zeigt, dass immer mehr Menschen über eine „existenzielle Sinnlosigkeit“ klagen.
Längst entstehen (dem Trend unterworfene) immer neue Leitbilder für alle Bereiche des Lebens, und es besteht die Möglichkeit, jede Form des Familien- bzw. Paarlebens auszuprobieren oder für sich als Alternative zu erklären. Dass diese gewonnene Freiheit nicht unproblematisch ist, zeigt sich zum Einen an den steigenden Scheidungen und deren Folgen für alle Beteiligten, insbesondere für die Kinder. Zum Anderen lassen sich die neuen Lebensformen terminologisch zwar erzwingen, sie werden aber häufig gefühlsmäßig von den Betroffenen nicht mitvollzogen (vgl. Hettlage 1998, S.181), was zur verstärkten Verunsicherung sowohl im Einzelnen als auch in der Paarbeziehung führt.
1. Einleitung: Beschreibt die Problemstellung des Wandels von klassischen Familienleitbildern hin zu einer individualisierten Paargestaltung und definiert die Zielsetzung der Analyse.
2. Kulturgeschichtlicher Hintergrund: Skizziert die Entwicklung des bürgerlichen Eheideals vom 19. Jahrhundert bis in die Nachkriegszeit und dessen zunehmende Erosion ab den 1960er Jahren.
3. Merkmale und Kennzeichen des Wandels von Ehe/Partnerschaften: Dokumentiert empirisch den Rückgang der Heiratsneigung, die Zunahme von Scheidungen sowie die Entstehung vielfältiger neuer Lebensformen.
4. Ursachen des Wandels: Analysiert den gesellschaftlichen Wertewandel, insbesondere seit 1963, und dessen Einfluss auf die Bindungsfähigkeit der Bevölkerung.
5. Folgen des Wertewandels: Untersucht, wie sich der Wertewandel auf die Geschlechterrollen auswirkt und welche neuen Herausforderungen für Männer und Frauen in Partnerschaften entstehen.
6. Liebes- und Paarbilder zwischen alten Leitbildern und neuen Idealen: Beleuchtet die moderne Suche nach Sinn und Identität innerhalb der Paarbeziehung im Kontext einer versachlichten Welt.
7. Entwürfe neuer Lebensformen: Stellt spezifische alternative Lebensformen wie nichteheliche Lebensgemeinschaften, Fortsetzungsehen und Commuter-Ehen detailliert vor.
8. Zur Frage der Instabilität bzw. der Stabilität von Ehe-Partnerschaften: Erörtert Bedingungen, die Scheidungen begünstigen, sowie Faktoren wie Kommunikation und geteilte Lebensthemen, die gelingende Partnerschaften fördern.
9. Schluss: Fasst die Ergebnisse zusammen und nimmt Stellung zur zentralen Forschungsfrage, ob eine dauerhafte Partnerschaft in der heutigen Zeit noch realisierbar ist.
Wertewandel, Individualisierung, Paarbeziehung, Scheidungsrate, Geschlechterrollenwandel, Nichteheliche Lebensgemeinschaft, Commuter-Ehe, Stabilität, Kommunikation, Lebensthemen, Liebesideal, Partnerschaftsfähigkeit, Sinnsuche, Identität, Soziologie der Familie.
Die Arbeit untersucht den Wandel von Partnerschaften in der Bundesrepublik Deutschland, ausgehend vom traditionellen Familienleitbild bis hin zu modernen, individualisierten Lebensformen.
Die zentralen Themen umfassen kulturhistorische Grundlagen, soziologische Individualisierungstheorien, den Wertewandel, neue Formen des Zusammenlebens sowie Faktoren, die die Stabilität oder Instabilität von Paarbeziehungen beeinflussen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich Paarbeziehungen zwischen alten Leitbildern und neuen Lebensformen gestalten, um abschließend die Forschungsfrage zu beantworten: „Ist Dauerhaftigkeit in einer Partnerschaft heute noch möglich?“
Es handelt sich um eine soziologische Analyse, insbesondere im Bereich der Familiensoziologie, die durch Erkenntnisse aus der Psychologie, insbesondere der humanistischen Psychologie, ergänzt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des kulturgeschichtlichen Wandels, die Analyse der Ursachen (Wertewandel) und Folgen (Geschlechterrollen) für Partnerschaften sowie eine detaillierte Untersuchung neuer Lebensformen und der Bedingungen für eine gelingende Partnerschaft.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Wertewandel, Individualisierung, Paarbeziehung, Geschlechterrollen, Stabilität und Partnerschaftsfähigkeit charakterisieren.
Die Commuter-Ehe ist durch einen freiwilligen Entschluss und zwei räumlich getrennte, selbstständige Haushalte gekennzeichnet, um zwei berufliche Karrieren innerhalb einer festen Ehebeziehung zu ermöglichen, was sie von ungeplanten Distanzbeziehungen abgrenzt.
Das Konzept hilft zu erklären, ob Partner in ihren grundlegenden biographischen Sinnhorizonten übereinstimmen. Eine Homogenität der Lebensthemen wirkt nach Keddi als ein wesentlicher Stabilitätsfaktor, der auch bei Krisen ein gemeinsames Fundament für die Beziehung bietet.
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