Masterarbeit, 2015
76 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
1.1 Themenbegründung
1.2 Fragestellung, Aufbau und Methodik der Arbeit
1.3 Quellenlage und Forschungsstand
2 Die Kulturszene im Berlin des 19. Jahrhundert
2.1 Fontane und die Presselandschaft
2.1.1 Die Vossische Zeitung
2.1.2 Fontane und die Vossische Zeitung
2.2 Berlin als Theaterstadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert
2.2.1 Das Königliche Schauspielhaus am Gendarmenmarkt
2.2.2 Die Freie Bühne
3 „Der Herr hat heut’ Kritik.“
3.1 Fontane und sein Selbstverständnis als Kritiker
3.2 Eine Analyse zu Fontanes Lessing-Kritiken
3.2.1 Aufbau und Struktur
3.2.2 Fontanes Anforderungen an die Darsteller und seine Figureninterpretation
3.2.3 Kritik an Lessings Texten
3.3 Eine „heikle Frage“ – Fontanes Äußerungen zu Nathan der Weise
4 Zusammenfassung und Ausblick
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Tätigkeit Theodor Fontanes als Theaterkritiker, wobei der Schwerpunkt auf seiner Auseinandersetzung mit Lessing-Aufführungen am Königlichen Schauspielhaus in Berlin liegt. Die Arbeit verfolgt das Ziel, Fontanes Selbstverständnis als Kritiker zu analysieren, seine ästhetischen Anforderungen an Schauspielkunst und Dramaturgie aufzuzeigen sowie seine ambivalente Haltung gegenüber Lessings religiösen Toleranzideen im Kontext seiner Zeit zu beleuchten.
3.1 Fontane und sein Selbstverständnis als Kritiker
Ich komme nicht als kritischer Don Quixote herangeritten, mit eingelegter Lanze begierig auf den Moment passend, wo zugestoßen werden kann. O nein. Ich spiele viel, viel lieber, um im romantisch balladesken Vergleichen zu bleiben, den alten König Harald, der sich von heiteren Elfen überfallen und vom Sattel ziehen läßt. Aber die Elfen, die Elfen! Die müssen eben da sein, die kleinen graziösen, übermütigen Geschöpfchen, die jede Kritik entwaffnen.
Wie schon angedeutet, beschränkte sich Fontanes Kritikertätigkeit nicht nur auf das Theater, sondern reichte auch in die Kunst- und Literaturkritik hinein. So schrieb er eine seiner ersten Kritiken über die Londoner Kunstaustellung von 1852. Danach folgten Kunstberichte aus London und Manchester, welche 1856 und 1857 in deutschen Zeitungen erschienen. Auch in seiner Zeit bei der Kreuzzeitung schrieb er regelmäßig über Ausstellungen und war in seiner gesamten journalistischen Laufbahn als Literaturkritiker tätig. Seine Arbeit als Theaterkritiker war jedoch die intensivste, zumal er dieser zwanzig Jahre lang hauptberuflich als Theaterrezensent der Vossischen Zeitung nachging.
Erste Theatererfahrungen sammelte er schon als Schüler an der Gewerbeschule in Berlin. Bereits 1833 besuchte er Vorstellungen des Königlichen Schauspielhauses, das Theater am Berliner Gendarmenmarkt, in dem er später noch oft mit Notizbuch und gespitztem Bleistift sitzen sollte. Erste Kritiken schrieb er 1842 als Dresden-Korrespondent der Eisenbahn und auch in Berlin verfasste er um 1850 erste Rezensionen zu Theateraufführungen, die aber nie gedruckt wurden. Die erste entscheidende Station auf dem Weg zum Theaterrezensenten war England. Während seines zweiten London-Aufenthalts besuchte Fontane Gastspiel-Aufführungen der deutschen Truppe von Emil Devrient im St.-James-Theater, darunter Don Carlos, Hamlet und Emilia Galotti. Besprechungen dazu erschienen ab dem 10. Juni 1852 in der Preußischen (Adler-)Zeitung.
1 Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Themenwahl, die Forschungsfrage sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit im Kontext der theatergeschichtlichen Forschung.
2 Die Kulturszene im Berlin des 19. Jahrhundert: Das Kapitel skizziert die rasante Entwicklung der Berliner Presselandschaft und die Theaterkultur, wobei das Königliche Schauspielhaus und die Freie Bühne als zentrale Wirkungsstätten betrachtet werden.
3 „Der Herr hat heut’ Kritik.“: Der Hauptteil analysiert Fontanes Selbstbild als Kritiker, seine literaturwissenschaftliche Herangehensweise an Lessings Werke und sein ambivalentes Verhältnis zu religiösen Themen in Lessings Texten.
4 Zusammenfassung und Ausblick: Dieses Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf weiterführende Forschungsmöglichkeiten.
Theodor Fontane, Theaterkritik, Lessing, Vossische Zeitung, Königliches Schauspielhaus, Freie Bühne, schauspielerische Leistung, Berlin, 19. Jahrhundert, Dramaturgie, Literaturkritik, Ringparabel, Realismus, Journalismus, Schauspielkunst
Die Arbeit untersucht Theodor Fontane als Theaterkritiker und seinen spezifischen Blick auf die Inszenierungen von Lessings Stücken am Königlichen Schauspielhaus in Berlin.
Im Zentrum stehen die Berliner Theatergeschichte des 19. Jahrhunderts, die Entwicklung der Presse sowie Fontanes ästhetische und moralische Bewertung von Schauspielern und Dramentexten.
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie Fontane als Kritiker gearbeitet hat, welche Qualitätskriterien er ansetzte und wie sich sein privates Urteil zu Lessings gesellschaftskritischen Ideen in seiner öffentlichen Kritik niederschlug.
Die Arbeit basiert primär auf einer literaturwissenschaftlichen Textanalyse, die in eine kulturhistorische Untersuchung der Berliner Theater- und Zeitungslandschaft eingebettet ist.
Der Hauptteil beleuchtet Fontanes professionelles Selbstverständnis, seine spezifische Kritik an Lessing-Aufführungen und seine Forderungen an die darstellerische Qualität der Schauspieler.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Theaterkritik, Fontane, Lessing-Rezeption, Berliner Theaterleben und Schauspielkunst beschreiben.
Fontane forderte eine natürliche, aus „einem Guss“ wirkende Darstellung und lehnte sowohl ein reines „Sich-Selbst-Spielen“ als auch übertriebene Kunstfertigkeit ab, wobei er stets nach einem emotionalen „Zauber“ suchte.
Fontane verhielt sich gegenüber der Ringparabel öffentlich eher ausweichend und „heikel“, während er in privaten Briefen seine Ablehnung gegen Lessings religiöse Toleranzideen deutlich und scharf formulierte.
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