Bachelorarbeit, 2011
42 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitende Aspekte
2 Theoretische Annahmen der Konvergenzforschung
2.1 Methodischer Analyserahmen
2.2 Esping-Andersens drei konvergierende Welten des Wohlfahrtsstaates?
2.3 Bestimmung des Konvergenzbegriffes
2.4 Ursachen internationaler Politikkonvergenz
2.5 Hypothesenbildung
3 Empirische Untersuchung der Arbeitsmarktpolitiken
3.1 Deutschland
3.2 Schweden
3.3 Fazit
4 Convergence, but why? – Ursachen und Mechanismen der Konvergenz
4.1 Externer Problemdruck durch Globalisierung
4.1.1 Deutschland
4.1.2 Schweden
4.2 Mechanismen transnationaler Kommunikation
4.2.1 Verbreitung von Politikmodellen durch die EU
4.2.1.1 Deutschland
4.2.1.2 Schweden
4.2.2 Bilaterales Politiklernen
4.2.2.1 Deutschland
4.2.2.2 Schweden
4.3 Politisch-ideologische Ausrichtung der regierenden Parteien
4.3.1 Einfluss der Regierungszusammensetzung auf die Möglichkeit eines policy-transfer durch die EU
4.3.2 Die „Dritten Wege“ als gemeinsame Politikausrichtung
5 Schlussbemerkung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Konvergenz in der Arbeitsmarktpolitik zwischen Deutschland und Schweden seit Beginn der 1990er Jahre. Ziel ist es, zu analysieren, ob und warum sich die Arbeitsmarktpolitiken dieser beiden unterschiedlichen Wohlfahrtsstaatstypen einander angleichen, und welche Kausalmechanismen – wie Globalisierungsdruck, transnationale Kommunikation oder parteipolitische Ausrichtungen – diesen Prozess maßgeblich erklären können.
3.1 Deutschland
Erste Indizien für einen Wandel der bundesdeutschen Arbeitsmarktpolitik lassen sich bereits seit Mitte der 80er Jahre feststellen: Aufgrund steigender Massenarbeitslosigkeit und finanzieller Engpässe fanden die bereits seit 1962 im Bundessozialhilfegesetz implementieren workfare Elemente stärkere Anwendung (vgl. Mohr 2009: 52). Mit der 1993 vollzogenen Kürzung des Arbeitslosengeldes auf 12 Monate (vgl. Dingeldey 2007: 195) wurden erste Schritte eines Trends markiert, der die fortschreitende Residualisierung und Konditionalisierung von Transferleistungen in den 1990er Jahren symbolisiert. Setzte man in den 80er Jahren bei der Arbeitslosenbekämpfung vorzugsweise auf die „Strategie der Reduzierung des Arbeitskräfteangebotes“ (Mohr 2009: 52), beispielsweise durch Frühverrentungsmaßnahmen und die Ausgabensenkung für aktive Arbeitsmarktpolitiken, wurde in den 90er Jahren das Augenmerk auf die stärkere Aktivierung von SozialhilfeempfängerInnen gelegt. Mohr (2009: 299) beurteilt diese Entwicklung „kleinteiliger Reformaktivität“ dennoch als „inkrementellen Wandel“. „Eine radikale Umorientierung und -strukturierung der Arbeitsmarktpolitik fand jedoch erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts mit den rot-grünen Hartz-Reformen statt“ (ebd.: 53).
Mit der 2003 von der rot-grünen Regierungskoalition unter Führung von Bundeskanzler Schröder verabschiedeten Agenda 2010 wurden neben einer umfangreichen Neuorientierung der deutschen Arbeitsmarktpolitik gleichermaßen entscheidende Impulse zur Reformation der Wirtschafts- und Sozialpolitik gesetzt, um den Deutschland seit Jahrzehnten „lähmenden Reformstau“ konsequent entgegenzutreten.
1 Einleitende Aspekte: Einführung in die Forschungsfrage hinsichtlich einer möglichen Konvergenz der Arbeitsmarktpolitiken von Deutschland und Schweden sowie Darlegung des Untersuchungsinteresses.
2 Theoretische Annahmen der Konvergenzforschung: Definition des Konvergenzbegriffs, methodischer Rahmen sowie Diskussion potenzieller Kausalmechanismen für politikwissenschaftliche Angleichungsprozesse.
3 Empirische Untersuchung der Arbeitsmarktpolitiken: Detaillierte Darstellung der Reformverläufe in Deutschland und Schweden unter besonderer Berücksichtigung des Wandels hin zu "workfare"-Elementen.
4 Convergence, but why? – Ursachen und Mechanismen der Konvergenz: Analyse der Treiber hinter den Reformen, insbesondere Globalisierungsdruck, EU-Einflüsse und transnationale Lernprozesse.
5 Schlussbemerkung: Synthese der Ergebnisse, welche eine asymmetrische Konvergenz in Richtung eines liberalen Modells bestätigt, wobei parteipolitische Faktoren und bilaterales Politiklernen als stärkste Erklärungsfaktoren hervorgehoben werden.
Arbeitsmarktpolitik, Deutschland, Schweden, Konvergenzforschung, Workfare, Aktivierung, Europäische Beschäftigungsstrategie, Politiktransfer, Globalisierung, Wohlfahrtsstaat, Agenda 2010, Politiklernen, Policy-output, Sozialpolitik, Reformpolitik
Die Arbeit befasst sich mit dem Wandel der Arbeitsmarktpolitiken in Deutschland und Schweden seit den 1990er Jahren und prüft, ob sich diese nationalen Politiken im Sinne einer Konvergenz aneinander oder an ein liberales Modell annähern.
Zentral sind der Übergang vom „Welfare“- zum „Workfare“-Prinzip, die Rolle internationaler Organisationen wie der EU, der Einfluss der Globalisierung und die Bedeutung parteipolitischer Entscheidungen für nationale Strukturreformen.
Die Forschungsfrage lautet: In welchem Umfang und warum konvergieren die Arbeitsmarktpolitiken in Deutschland und Schweden?
Die Arbeit nutzt eine qualitative Analyse, bei der „policy-outputs“ (direkt implementierte politische Programme und Maßnahmen) beider Nationalregierungen operationalisiert und verglichen werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine empirische Bestandsaufnahme der Reformen in beiden Ländern sowie eine tiefgehende theoretische Untersuchung der Mechanismen (Globalisierung, EU-Leitlinien, bilaterales Lernen), die diese Reformen erklären können.
Die wichtigsten Schlagworte sind Arbeitsmarktpolitik, Konvergenz, Aktivierung, Workfare, Politiktransfer und Wohlfahrtsstaat.
Die EU fungiert primär über die „Offene Methode der Koordinierung“ als Impulsgeberin für Reformen, wobei sie vor allem als legitimatorisches Instrument zur Begründung nationaler Reformschritte und zur Verstärkung von Trends dient.
Schweden dient als Kontrastpunkt und "Vorzeigemodell" des sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaates, dessen Anpassung an globale Marktanforderungen besonders aufschlussreich für die Untersuchung von Konvergenzprozessen ist.
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