Doktorarbeit / Dissertation, 2011
159 Seiten, Note: 1
1. Vorwort und Danksagung
2. Einleitung
3. Bestandsaufnahme / Interpretationen
3.1. Bis der Tod sie zusammenführt: Sentimentale Geschichten von Liebe über den Tod hinaus
3.1.1 Konrad von Würzburg: Herzmäre
3.1.2 Die Frauentreue
3.1.3 Der Schüler von Paris A
3.1.4 Der Schüler von Paris B
3.1.5 Der Schüler von Paris C
3.1.6 Hero und Leander
3.1.7 Pyramus und Thisbe
3.2 Bis der Tod sie scheidet: exemplarische Geschichten vom ernsten Spaß des ehelichen Zusammenlebens
3.2.1 Das Schneekind (A/B)
3.2.2 Der Stricker: Die drei Wünsche
3.2.3 Der Stricker: Das erzwungene Gelübde
3.2.4 Der Stricker: Der Gevatterin Rat
3.2.5 Der Stricker: Der begrabene Ehemann
3.2.6 Drei listige Frauen (A)
3.2.7 Heinrich Kaufringer: Drei listige Frauen (B)
3.2.8 Hans Folz: Drei listige Frauen (C)
3.2.9 Heinrich Kaufringer: Die Rache des Ehemannes
3.2.10 Die böse Adelheid
3.2.11 Des Weingärtners Frau und der Pfaffe
3.3. Bekehrung oder Tod: Von den Wegen zur „Heilung“ widerspenstiger Frauen und der Rettung der Ehe
3.3.1 Der Stricker: Die eingemauerte Frau
3.3.2 Der Herr mit den vier Frauen
3.3.3 Heinrich Kaufringer: Die Suche nach dem glücklichen Ehepaar
3.4 Wernher der Gärtner: Meier Helmbrecht
3.5. Kurioses, Dreistes, Komisches: der Tod als unerhörte Begebenheit
3.5.1 Der Zwickauer: Des Mönches Not
3.5.2 Der Freudenleere: Der Wiener Meerfahrt
3.5.3 Heinrich Kaufringer: Die unschuldige Mörderin
3.5.4 Niemand: Drei Mönche zu Kolmar
3.5.5 Rosenplüt: Der fünfmal getötete Pfarrer
3.5.6 Hans Schneider: Dieb und Henker
3.6. Zwei Wiedergängergeschichten
3.6.1 Die undankbare Wiedererweckte
3.6.2 Rittertreue
4. Zusammenfassung / Schlussfolgerungen
Die Arbeit untersucht die literarische Thematisierung von Tod und Sterben in der mittelhochdeutschen Märendichtung und analysiert, wie diese in drei unterschiedlichen Märentypen (didaktisch-moralisch, schwankhaft-derb und höfisch-galant) funktionalisiert wird. Dabei wird hinterfragt, welche Rolle das Sterben als narrative Ausbeute einnimmt und inwiefern religiöse oder weltliche Weltbilder die Darstellung prägen.
3.1.1 Konrad von Würzburg: Herzmäre
Konrads Lebenszeit fällt in die Jahre 1230-1287. Er dichtete Minnelyrik, Legendenepen, genealogische Erzählungen, höfische Romane und Geschichtsepen wie auch das Märe vom gegessenen Herzen – das erste seiner Art in der deutschsprachigen Literatur.
Das vielleicht um 1260 entstandene Märe beginnt mit einer Zeitklage, reine Liebe sei der Welt fremd geworden (v. 1-3), und beruft sich auf das große Vorbild, den Dichter des Tristan-und-Isolde-Romans Gotfrid von Straßburg (v. 9). Es handelt von einem Ritter und einer verheirateten Dame, die an der Minnekrankheit leiden und schließlich beide zugrunde gehen. Ihre Liebe ist eine Urgewalt, vor der es kein Entrinnen gibt; eines Minnetranks bedarf es nicht. Als der Ehemann von der (platonischen) Beziehung erfährt, fasst er den Entschluss, mit seiner Frau über Meer als Pilger ins Heilige Land zu fahren, um so die Liebenden voneinander zu isolieren. Er hat nämlich gehört, dass Liebe nachlassen soll, wenn ihr Objekt lange außer Reich- und Sichtweite ist (v. 104-12); die Liebe indessen ist unzerstörbar (v. 113-17). Und da der Liebeskummer lebensbedrohliche Ausmaße annimmt, entscheidet sich der Ritter auf Anraten der Geliebten, statt ihrer über See zu fahren, bis sich die Lage beruhigt. Jedoch bedeutet gerade die „sichere“ Entfernung von ihr ein indirektes Todesurteil für den durch Minnenot geplagten Ritter. Die handlungslogisch gegebene zeitweise Unwissenheit vom Tod des Anderen erfordert ein konsekutives Sterben in größeren Zeitabständen. Dies führt freilich zu einer – wenn auch wenig störenden – Inkonsequenz in der bildlichen Zeichnung der Einheit der Liebenden.
1. Vorwort und Danksagung: Erläutert die Motivation für die Arbeit als Gegenstück zur Diplomarbeit über Heidenbekehrung und Taufe sowie den Dank an Betreuer und Unterstützer.
2. Einleitung: Definiert die Gattung Märe und unterteilt sie in drei Subgruppen (moralisch-exemplarisch, schwankhaft-komisch, höfisch-galant), um deren unterschiedliche Todesdarstellungen einzuführen.
3. Bestandsaufnahme / Interpretationen: Bildet den Hauptteil der Arbeit, in dem zahlreiche Mären analysiert und mit Novellen Boccaccios sowie Fabliaux verglichen werden, gegliedert nach ihrer Haltung zum Tod.
4. Zusammenfassung / Schlussfolgerungen: Skizziert ein Gesamtbild des literarischen Umgangs mit dem Thema Tod und analysiert die Entwicklung der Erzählhaltung von der moralischen Didaxe zur humorvollen Bewältigung der Sterblichkeit.
5. Literaturverzeichnis: Listet die herangezogene Primär- und Sekundärliteratur zur Arbeit auf.
Märe, Liebestod, Sterbebrauchtum, Minnekrankheit, Mittelhochdeutsch, Dreiecksbeziehung, Boccaccio, Fabliaux, Minnetheologie, Thanatologie, Moral, Schwank, Jenseits, Todessymbolik, Literaturgeschichte.
Die Arbeit untersucht die Thematisierung von Tod und Sterben in der mittelhochdeutschen Märendichtung und analysiert, wie diese Erzählungen existenzielle Fragen des Sterbens in unterschiedliche literarische Kontexte einbetten.
Zentrale Themen sind die Darstellung des Liebestodes, die Funktion der Totenklage, die Auswirkungen gesellschaftlicher Normen (wie Eheversprechen) auf das Sterben sowie der humorvolle Umgang mit dem Tod in schwankhaften Mären.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie verschiedene Märentypen (didaktisch, schwankhaft, höfisch) das Thema Tod unterschiedlich nutzen, um moralische Lehren zu vermitteln, das Publikum zu unterhalten oder Melancholie zu erzeugen.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die komparatistische Ansätze nutzt, indem sie mittelhochdeutsche Mären sowohl untereinander als auch mit französischen Fabliaux und Boccaccios Decameron vergleicht.
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Bestandsaufnahme und Interpretation zahlreicher Texte, gruppiert nach ihrer inhaltlichen Ausrichtung, wie etwa Geschichten vom Liebestod oder dem „ernsten Spaß“ des ehelichen Zusammenlebens.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Minnetod, Sterbebrauchtum, Thanatologie, Schwank, didaktische Exempla und die literarische Auseinandersetzung mit dem Jenseits charakterisieren.
Während sentimentale Mären den Tod als tragischen Höhepunkt der Liebe ästhetisieren und Empathie beim Publikum erwecken, nutzen schwankhafte Mären den Tod oft als Ausgangspunkt für skurrile Situationen, schwarzen Humor oder zur Entlarvung von Dummheit.
Die Arbeit zeigt, dass die meisten Mären einem „empirischen Prinzip“ folgen und das Übernatürliche meiden. Wunder werden dort eingesetzt, wo die christliche Sinnstiftung oder die Unterstreichung legendenhafter Züge narrativ gefordert ist, meist jedoch ohne den Fokus auf die Diesseitigkeit zu verlieren.
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