Bachelorarbeit, 2015
63 Seiten, Note: 1,3
1. Rezeptionsgeschichtliche und biografische Einordnung
1.1 Patrick Süskind
1.2 Ingeborg Bachmann
2. Abwehrmechanismen – Darlegung des Analysekorpus
2.1 Psychoanalyse
2.2 Abwehrmechanismen
2.2.1 Theoretische Grundlage
2.2.2 Definitionskorpus
2.3 Einordnung und Problematisierung der literaturpsychologischen Methodik
3. Konstruktion in der Epik Bachmanns und Süskinds
3.1 Patrick Süskind
3.1.1 Die Taube
3.1.2 Das Parfum
3.1.3 Der Kontrabaß
3.2 Ingeborg Bachmann
3.2.1 Alles
3.2.2 Ein Schritt nach Gomorrha
3.2.3 Ihr glücklichen Augen
Das Streben nach Ausgleich – Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die epische Literatur von Ingeborg Bachmann und Patrick Süskind unter dem psychoanalytischen Paradigma der Abwehrmechanismen. Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit die Protagonisten der analysierten Werke psychologische Abwehrstrategien zur Kompensation innerer Konflikte und existenzieller Krisen einsetzen und welche Ursachen diesen Mustern zugrunde liegen.
Die Taube
Süskinds Novelle behandelt in einem Zeitraum von vierundzwanzig Stunden die Folgen einer Begegnung des dreiundfünfzigjährigen Wachmanns Jonathan Noel mit einer Taube. Nach den beiden analeptisch erzählten traumatischen Erlebnissen der Deportation seiner Eltern in ein Konzentrationslager und der Scheidung von seiner Frau Marie Baccouche entschließt Jonathan, in einem sieben Quadratmeter großen Zimmer in Paris den Rest seines ansonsten von Ereignislosigkeit durchzogenen Lebens zu verbringen. In seinem fast abbezahlten Zimmer findet er „eine sichere Bleibe, [...] die ihn vor den unangenehmen Überraschungen des Lebens“ (T, 9) schützt. Die „unerhörte Gegebenheit“ ereignet sich, als er auf dem Weg zu seinem morgendlichen Toilettengang im Flur auf eine Taube trifft, die ihn „zu Tode erstaunt“ (T, 15). In seinen Grundfesten erschüttert und mit dem festen Vorhaben, der Taube „kein zweites Mal begegnen“ (T, 23) zu wollen, packt Jonathan seinen Koffer, um auf unbestimmte Zeit in einem Hotel zu wohnen. Auch bei seiner Arbeit als Wachmann einer Bank äußern sich die Nachwirkungen seiner morgendlichen Begegnung. So verpasst er zum ersten Mal in seiner langen Arbeitszeit die Ankunft der Limousine seines Vorgesetzten (vgl. T, 49) und empfindet diese Unachtsamkeit als tief beschämend. Einen Riss in seiner Diensthose, den er sich in seiner Mittagspause an einer Parkbank zuzieht, treibt Jonathan, dessen Leben durch die vergangenen Vorfälle ohnehin nahezu unerträglich geworden ist, in die Verzweiflung. Die Hose mit einem Klebeband geflickt und durch Selbsthass zerfressen, beendet er die zweite Hälfte seines Arbeitstages, um schließlich in seinem sargförmigen Hotelzimmer (vgl. T, 88 f.) diesen unsäglichen Tag mit dem Entschluss zu beenden: „Morgen bringe ich mich um“ (T, 92). Als er am nächsten Morgen mit neuem Lebenswillen zu seiner Wohnung zurückkehrt, ist die Taube bereits verschwunden.
Rezeptionsgeschichtliche und biografische Einordnung: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über das Leben und Schaffen von Patrick Süskind und Ingeborg Bachmann sowie die zeitgenössische Rezeption ihrer Werke.
Abwehrmechanismen – Darlegung des Analysekorpus: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Psychoanalyse, das Freudsche Strukturmodell der Psyche und spezifische Abwehrmechanismen definiert, die als Basis für die Textanalyse dienen.
Konstruktion in der Epik Bachmanns und Süskinds: In diesem Hauptteil erfolgt die detaillierte psychoanalytische Untersuchung ausgewählter erzählerischer Werke beider Autoren hinsichtlich der Anwendung von Abwehrmechanismen durch ihre Protagonisten.
Das Streben nach Ausgleich – Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, differenziert die unterschiedlichen Abwehrstrategien der beiden Autoren und beleuchtet die psychische Entwicklung der untersuchten Figuren.
Psychoanalyse, Abwehrmechanismen, Literaturpsychologie, Ingeborg Bachmann, Patrick Süskind, Verdrängung, Regression, Projektion, Reaktionsbildung, Sublimierung, Figurenkonstruktion, Unbewusstes, Literaturanalyse, Existenzkrise, Kompensationsmuster.
Die Arbeit untersucht die epische Literatur von Ingeborg Bachmann und Patrick Süskind unter dem psychoanalytischen Aspekt unbewusster Abwehrmechanismen.
Die Themen umfassen psychoanalytische Theoriebildung, literarische Figurenkonstruktion, traumatische Erlebnisse und die Verwendung von Abwehrmechanismen zur Kompensation existenzieller Ängste.
Es soll analysiert werden, ob und wie die Protagonisten der untersuchten Werke unbewusste Strategien zur Bewältigung innerer und äußerer Konflikte nutzen, um ein psychisches Gleichgewicht zu wahren.
Die Arbeit nutzt einen literaturpsychologischen Ansatz, der psychoanalytische Kategorien – wie das Freudsche Strukturmodell – auf literarische Texte anwendet, um unbewusste Verhaltensweisen der Figuren zu deuten.
Der Hauptteil analysiert spezifische Erzählungen und Romane von Bachmann und Süskind (wie "Die Taube", "Das Parfum", "Alles" oder "Ihr glücklichen Augen") und belegt dort die Anwendung von Mechanismen wie Regression, Verschiebung oder Reaktionsbildung.
Wichtige Begriffe sind Psychoanalyse, Abwehrmechanismen, Literaturpsychologie, Kompensationsmuster, Verdrängung, Projektion und das Unbewusste.
Das Zimmer fungiert als "sichere Bleibe" und "uterusähnliche Höhlung", in der Jonathan Noel versucht, seine traumatische Vergangenheit zu verdrängen und eine regressive Ersatzwelt zu schaffen.
Bei Bachmann dient die Reaktionsbildung besonders dazu, die Abneigung gegenüber einer eigentlich empfundenen Liebe zu kompensieren, was eine spezifische Form der verfehlten Charakterentwicklung in ihren Werken markiert.
Die Weigerung Mirandas, ihre Brille zu tragen, ist eine bewusste Verdrängung der als grausam empfundenen Realität, was ihre Sehbehinderung zu einer funktionalen Stütze für ihre Abwehrmechanismen macht.
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