Bachelorarbeit, 2015
48 Seiten, Note: 1,8
1) Einleitung: Biolebensmittel in der Alltags-Wahrnehmung
1.1 Biolebensmittel in der Alltags-Wahrnehmung
1.2 Methodische Grundlagen und Abgrenzung
2) Theoretische Grundlagen
2.1 Bourdieus „Die feinen Unterschiede“
2.1.1 Habitus
2.1.2 Distinktion
2.1.3 Soziales Feld und sozialer Raum
2.2 Lebensmittel unter Betrachtung von sozialen Aspekten
2.2.1 Bourdieus Analyse zu Lebensmitteln
2.2.2 Weiterführende Gedanken zu Biolebensmitteln
3) Analyse der Konsumenten: Wer kauft Bio-Lebensmittel und warum?
3.1 Analyse der Konsumenten
3.1.1 Ergebnisse aus Veröffentlichungen
3.1.2 Quervergleich der Veröffentlichungen
3.1.3 Milieus und Gruppen
3.1.3.1 Sinus-Milieus
3.1.3.2 LOHAS
4) Ergebnisse der Untersuchung
4.1 Bio-Lebensmittel als sozialer Habitus?
4.2 Bio-Lebensmittel als Mittel der Distinktion?
4.3 Ausblick und nächste Schritte
5) Epilog
6) Anhang
6.1 Literaturverzeichnis
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Forschungsfrage, ob Bio-Lebensmittel in Deutschland als Mittel der sozialen Distinktion fungieren. Basierend auf der Theorie Pierre Bourdieus wird analysiert, ob der Konsum dieser Produkte dazu dient, soziale Identität zu festigen und sich gegenüber anderen sozialen Schichten abzugrenzen.
2.1.2 Distinktion
Der Begriff der Distinktion bezeichnet im französischen grundsätzlich zwei Bedeutungen des deutschen Begriffs der Unterscheidung, nämlich a) das Erkennen eines Unterschieds und b) das positive Abheben von anderen. Bei Bourdieu ist vor allem die zweite Bedeutung zentral, wobei das Eigene als besser, höherwertig und bedeutsamer gesehen wird, und um sich positiv von etwas anderem abzuheben. Der Geschmack der Oberschicht gilt als der herrschende und normierender Geschmack, der den anderen Klassen teilweise als Vorbild gilt. Wie schon beim Habitus muss auch bei der Distinktion der Distinguierte keine Unterscheidung zu den anderen suchen, da die herrschende Klasse schon das besitzt, was an sozialen Eigenschaften knapp und damit wertvoll ist. Damit wird diese Norm und Vorstellung des legitimen Geschmacks durch die herrschende Klasse schon dadurch erfüllt, dass diese einfach sind wie sie sind, und sie sich benehmen, wie sie sich benehmen, während die Mittelklassen diesem Geschmack nacheifern, allerdings auf einem anderen Niveau und weniger exklusiv. In Anlehnung an Velben pflegt die Oberschicht seit jeher einen demonstrativen Konsum, um sich von den anderen Klassen abzuheben und ihre soziale Position zum Ausdruck zu bringen, wobei sich die anderen Schichten ihrerseits hieran orientieren. Das Streben nach Distinktion versteht Bourdieu allerdings nicht im Sinne eines aktiv betriebenen, demonstrativen Konsums, sondern als unbewusste Abgrenzung, die sich qua Habitus einstellt. So tragen als Beispiel die Art des Mobiliars oder die Größe, Höhe und Lage der Raumaufteilung die entsprechenden Tugenden, Traditionen und Werte der jeweiligen Klasse und vermitteln zutiefst unbewusste körperliche Empfindungen, wodurch eben jene Vorstellungen vom Richtigen weiter vermittelt werden. Als weitere Beispiele werden von Bourdieu die Art der Nahrungsaufnahme und jeweilige Sportarten als Ausdruck der klassenspezifischen Präferenz genannt. Dabei zeigt sich auch die quasi vorhandene Zweckfreiheit der oberen Klassen, dass diese über einen demonstrativen Konsum ihre soziale Position unbewusst kenntlich machen.
1) Einleitung: Biolebensmittel in der Alltags-Wahrnehmung: Einführung in die gesellschaftliche Präsenz von Bio-Produkten und Vorstellung der zentralen Fragestellung zur Distinktion.
2) Theoretische Grundlagen: Erläuterung des soziologischen Rahmens nach Pierre Bourdieu mit Fokus auf Habitus, Distinktion und dem sozialen Raum.
3) Analyse der Konsumenten: Wer kauft Bio-Lebensmittel und warum?: Auswertung und Clustern diverser Studien und Marktanalysen zur Identifizierung der Bio-Konsumenten in verschiedenen Milieus.
4) Ergebnisse der Untersuchung: Zusammenführung der theoretischen Grundlagen mit den Analyseergebnissen zur Beantwortung der Forschungsfrage.
5) Epilog: Abschließende Reflexion über die Bedeutung von Bio-Lebensmitteln als soziale Marker und Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.
6) Anhang: Auflistung der im Rahmen der Arbeit verwendeten Literatur und Quellen.
Bio-Lebensmittel, Distinktion, Pierre Bourdieu, Habitus, Soziale Milieus, Sinus-Milieus, LOHAS, Konsumsoziologie, Sozialer Raum, Lebensstil, Ernährung, Soziale Ungleichheit, Metaanalyse, Konsumforschung, Kapitalausstattung.
Die Arbeit untersucht, ob der Konsum von Bio-Lebensmitteln in Deutschland als ein Instrument zur sozialen Distinktion dient, also ob Konsumenten ihre Zugehörigkeit zu bestimmten sozialen Schichten durch diesen Konsum ausdrücken.
Die Arbeit verknüpft soziologische Theoriebildung (insbesondere Bourdieus Habitus-Konzept) mit praktischer Konsumforschung und Marktanalysen zu Bio-Produkten.
Das Ziel ist zu klären, ob Bio-Lebensmittel in der deutschen Gesellschaft nach dem Jahr 2000 als Mittel der Distinktion genutzt werden und ob sich Käufergruppen soziographisch identifizieren lassen.
Es handelt sich um eine Metaanalyse öffentlich zugänglicher Studien, Veröffentlichungen und statistischer Daten aus dem Bereich der Konsumforschung und Soziologie.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Distinktionsmechanismen und eine anschließende detaillierte Analyse der Käuferschaft, wobei insbesondere Sinus-Milieus und die LOHAS-Gruppe betrachtet werden.
Die zentralen Begriffe sind Distinktion, Bio-Lebensmittel, Bourdieu, Habitus, soziale Milieus, LOHAS und Konsumsoziologie.
Die Sinus-Milieus dienen als analytisches Instrument, um Konsumenten aufgrund ihrer Werteorientierung und sozialen Lage zu clustern und so herauszufinden, welche Gruppen überproportional häufig Bio-Produkte kaufen.
LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) werden als eine soziokulturelle Strömung beschrieben, die Bio-Produkte nicht nur aus ökologischen Motiven konsumieren, sondern als Teil eines modernen Lebensstils, der Gesundheit, Design und sozialen Status verbindet.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Bio-Konsum in Deutschland als ein durch den Habitus gesteuerter Mechanismus fungiert, der bei den Akteuren oft mit moralischen Überzeugungen legitimiert wird, auch wenn ihnen die distinktive Funktion nicht immer vollständig bewusst ist.
Die Arbeit bestätigt die These, dass Bio-Lebensmittel als Mittel der Distinktion dienen, da sie mit einem hohen moralischen und sozialen Wert aufgeladen sind, der über den reinen Nährwert der Produkte weit hinausgeht.
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