Masterarbeit, 2015
89 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Schönheit und Hässlichkeit im philosophischen Diskurs des Mittelalters
3. Schönheit und Hässlichkeit im literarischen Diskurs des Mittelalters
3.1 Schönheit, Tugend und Adel
3.2 Hässlichkeit, Lasterhaftigkeit und „Unhöfischheit“
3.3 Hässliches Gutes – schönes Böses?
4. Zur Methodik: Erzählstimme und Fokalisierung
5. Parzival – Das schöne Böse?
5.1 Die ambige Konzeption der Figur
5.2 Schönheit, Genealogie und impliziertes Gut-Sein: Parzivals „art“
5.3 Kindheit und Erziehung in Soltane
5.3.1 Tägliche Routinen
5.3.2 Parzivals erster Kontakt mit der höfischen Sphäre
5.4 Parzivals Irrwege
5.4.1 Jeschutes Schändung
5.4.2 Erstes Treffen mit Sigune: Restauration der inneren Idealität
5.4.3 Ithers Ermordung
5.4.4 Höfische Erziehung
5.4.5 Vorläufige Harmonie von Innen und Außen in Pelrapeire
5.4.6 Zusammenbruch des Scheins: Parzivals Frageversäumnis
5.5 Nach dem Frageversäumnis – Klimax der Ambiguitäten
5.5.1 Der Gralsknappe
5.5.2 Sigune und Jeschute: Anklage, Rechtfertigung und Reue
5.5.3 Erzähler vs. Figur oder Absolute Ambiguität
5.5.4 Parzivals Gotteshass
5.6 Entkörperlichung
5.6.1 Dezimierte Schönheitslobe und Stilisierung von Tugenden
5.6.2 „ich bin ein man der sünde hât“ – Formelle Aufhebung der Ambiguität
5.6.3 Parzivals Erhebung zum Gralskönig als Zeichen innerer Wandlung?
6. Cundrie – Das hässliche Gute?
6.1 „Die unsüeze und doch diu fiere“
6.1.1 Eindimensionalität und Negativierung
6.1.2 Charakterliche Inszenierung
6.2 Exkurs: Malcreatiure, Adam und der Ursprung von Hässlichkeit
6.3 Abnehmende Ambiguität
6.4 Parzivals Patronin und Botschafterin
7. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die mehrdeutige Konzeption der Figuren Parzival und Cundrie in Wolframs von Eschenbach „Parzival“, um die klassische Dichotomie von „hässlich/böse“ und „schön/gut“ kritisch zu hinterfragen und das Zusammenspiel von narrativer Stimme und Wahrnehmungsperspektive zu beleuchten.
5.1 Die ambige Konzeption der Figur
Bereits die allererste Erwähnung Parzivals vor dem eigentlichen Beginn seiner Geschichte verweist auf die ambige Konstruktion der Figur.
„Er küene, traeclîche wîs (den helt ich alsus grüeze), er wîbes ougen süeze, unt dâ bî wîbes herzen suht, vor missewende ein wâriu fluht. den ich hie zuo hân erkorn, er ist maereshalp noch ungeborn, dem man dirre âventiure giht, und wunders vil des dran geschiht.“ (vv 4,18-26)
Stilistisch betrachtet, liegt an dieser Stelle eine Nullfokalisierung vor. Sprecher ist der extradiegetische-heterodiegetische Erzähler. Wie in vielen weiteren Stellen des Romans, bricht der Narrator kurzzeitig mit seiner Stimme und wendet sich in Ich-Form implizit an den Rezipienten. Intentionen der erzählenden Instanz sind hier also am greifbarsten. Der Erzähler baut eine besondere Nähe zur Figur auf und gewährt dem Leser respektive Zuhörer Einblicke in dessen Gestaltung. Die Formulierung „den ich hie zuo hân erkorn“ (v 4,23) zeigt unmissverständlich an, dass die Hauptgestalt einer bewussten Konzeption unterliegt.
1. Einleitung: Die Einleitung markiert das Verhältnis von Schönheit und Tugendhaftigkeit im Parzival-Prolog und führt in die Thematik der Ambiguität in der höfischen Figurendarstellung ein.
2. Schönheit und Hässlichkeit im philosophischen Diskurs des Mittelalters: Dieses Kapitel erläutert das mittelalterliche Verständnis von Schönheit als objektive, göttlich gegebene Eigenschaft und deren Verbindung zu ethischen Idealen.
3. Schönheit und Hässlichkeit im literarischen Diskurs des Mittelalters: Hier wird der literarische Diskurs untersucht, insbesondere die Verbindung von körperlicher Schönheit und adligem Tugendhabitus sowie das Kontrastprogramm der Hässlichkeitsdarstellungen.
4. Zur Methodik: Erzählstimme und Fokalisierung: Die methodische Grundlage bildet die Erzähltheorie von Gérard Genette, um Stimme und Perspektive zur Analyse der Figuren zu trennen.
5. Parzival – Das schöne Böse?: Eine Mikroanalyse der Figur Parzival, die dessen schillerndes Erscheinungsbild und moralische Ambiguität anhand narrativer Ebenen durchleuchtet.
6. Cundrie – Das hässliche Gute?: Die Untersuchung der ambivalenten Figur Cundrie, deren außergewöhnliches Äußeres und ihre Gelehrtheit die gängigen Normen höfischer Ideale herausfordert.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Parzivals Roman kein eindeutiges Urteil über Gut und Böse zulässt, sondern die Ambiguität als zentrales Element der Erzählung nutzt.
Wolfram von Eschenbach, Parzival, Cundrie, Mittelalter, Ambiguität, Erzähltheorie, Gérard Genette, Schönheit, Hässlichkeit, höfischer Roman, Außen-Innen-Diskurs, Tugend, Figurenbeschreibung, Literaturwissenschaft, Narratologie
Die Arbeit analysiert die mehrdeutige Darstellung der Figuren Parzival und Cundrie in Wolframs „Parzival“ hinsichtlich der klassischen Dichotomie von Schönheit und Güte.
Zentrale Themen sind die Korrelation zwischen äußerer Erscheinung und moralischem Charakter sowie die narrative Inszenierung von Mehrdeutigkeit.
Ziel ist es, die mehrdeutige Konzeption der Figuren aufzuzeigen, indem die verschiedenen narrativen Ebenen von Stimme und Fokalisierung herausgearbeitet werden.
Als methodische Grundlage dient die Erzähltheorie von Gérard Genette, insbesondere die Analyse von Erzählstimme und Fokalisierung.
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Mikroanalyse der Figuren Parzival und Cundrie, um ihr komplexes Spannungsfeld zwischen ästhetischer Darstellung und ethischer Bewertung zu explizieren.
Wolfram von Eschenbach, Parzival, Cundrie, Mittelalter, Ambiguität, Erzähltheorie und Außen-Innen-Diskurs sind entscheidende Begriffe.
Parzival wird als physisch idealer Held gezeichnet, dessen Verhalten jedoch an vielen Stellen moralisch fragwürdig ist, was eine einfache moralische Eindeutigkeit unterwandert.
Cundrie repräsentiert eine "hässliche, aber gute" Figur, deren Abstoßendes Äußeres ihre hohe Bildung und loyale Art kontrastiert, was die starren Mittelalter-Ideale wirksam bricht.
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