Magisterarbeit, 2004
88 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1. Einführung in das Thema
1.2. Begriffsbestimmung
1.3. Forschungsstand und Quellen
2. Entwicklungspolitische Wendepunkte
2.1. Entkolonialisierung und der Ost-West-Konflikt
2.2. Die 90er Jahre
2.3. Der 11. September 2001
3. Das PRSP-Konzept der Weltbank
3.1. Schuldenproblematik und Strukturanpassung
3.2. Entschuldungsinitiativen HIPC I und HIPC II
3.3. Entschuldungsansätze in Konfliktländern
4. Gewaltkonflikte
4.1. Konflikttheoretischer Diskurs
4.1.1. Das ‚Zivilisierungstheorem’ als Konflikttheorie nach Senghaas
4.1.2. Kritik am Theorem
4.2. Innerstaatliche Konflikte
4.3. Konfliktauswirkungen auf Armut
4.4. Die Politische Ökonomie von Bürgerkriegen
5. Der PRSP-Ansatz in Konfliktregionen des subsaharischen Afrikas
5.1. Die politische Entwicklung im subsaharischen Afrika
5.2. Konflikte im subsaharischen Afrika
5.2.1. Konfliktursachen
5.2.2. Konfliktfelder
5.3. Post-Konflikt-Situationen
5.4. Der PRSP-Ansatz in Konfliktregionen
5.4.1. ‘participation’
5.4.2. ‚ownership’
5.5. Die ‚Poverty Reduction Strategy’ Ruandas
5.5.1. Die Ursprünge des „ethnischen“ Konflikts
5.5.2. Entwicklungspolitische Ansätze in Ruanda
5.5.3. Darstellung des ruandischen PRSPs
6. Entwicklungspolitische Maßnahmen in Konfliktregionen
6.1. Krisenprävention, Konflikttransformation und Friedensaufbau (‚Peacebuilding’)
6.2. Der Stellenwert der Krisenprävention im Armutsbekämpfungskonzept der Weltbank
6.3. ‚Human Security’ nach der Definition von OECD und UNDP
6.4. Konfliktspezifische Maßnahmen in Krisenregionen
6.4.1. ‚Institution Building’
6.4.2. Die Möglichkeiten einer konfliktspezifischen Umsetzung des PRSP-Ansatzes
6.5. Der krisenpräventive Ansatz im PRSP-Konzept Ruandas
6.5.1. Die gerichtliche Aufarbeitung des Völkermords
6.5.2. ‚participation’ und ‚ownership’ in Ruanda
7. Fazit
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen des Poverty Reduction Strategy Paper (PRSP)-Ansatzes der Weltbank in Konfliktregionen des subsaharischen Afrikas. Ziel ist es zu analysieren, wie entwicklungspolitische Strategien zur Armutsbekämpfung unter den spezifischen Herausforderungen von Post-Konflikt-Situationen umgesetzt werden können, wobei Ruanda als Fallbeispiel dient.
4.4. Die Politische Ökonomie von Bürgerkriegen
Die Weltbank übernimmt den eher politisch-ökonomischen Erklärungsansatz, der Konflikte vorrangig mit den Möglichkeiten privater Bereicherung von Kriegsherren und vom Krieg profitierender Unternehmen in Verbindung setzt. So würden Kriege nach außen hin zwar ideologisch (ethnisch, religiös u.a.) legitimiert, kreisen im Kern aber um die Kontrolle von Ressourcen. Gerade die Dauerhaftigkeit solcher Konflikte in rohstoffreichen afrikanischen Ländern - wie Sierra Leone, Nigeria, Angola, Liberia und der ‚DR Kongo’ - ließe sich aufgrund der mit ihnen zusammenhängenden vielfältigen und verflochtenen wirtschaftlichen Interessen, erklären. Da allerdings Staaten wie Botswana über ertragreiche Diamantenvorkommen verfügen, diese aber ökonomisch und gesellschaftlich sinnvoll nutzen, trifft dieses – auf rein ökonomische Faktoren reduzierte – Erklärungsmuster wohl eher auf Länder zu, in denen Staatsverfall (Failed States) bereits vor Ausbruch der Gewaltkonflikte stattgefunden hat.
So genannte ‚Gewaltökonomien’ entstehen meist in einer Art Spannungsdreieck zwischen „außer Kontrolle geratenen Gruppen staatlicher Apparate, Gesellschaften im Zustand zunehmender Anarchie und dem internationalen Waffenhandel“. Immer größere Teile der Wirtschaft agieren tendenziell kriminell und gewaltorientiert, was eine Verfestigung von Milieus und Strukturen mit sich bringt, die ein Interesse an der Fortsetzung der Konfliktsituation haben. Das Weltbank-Diskussionspapier ‚Post-Conflict Recovery in Africa: A proposed agenda for the Africa Region’ spricht mit Blick auf die Staaten des subsaharischen Afrikas sogar von einer „stable situation of instability“.
Ein weiterer Erklärungsansatz für die Entstehung von Gewaltökonomien geht über den o.g. Ansatz hinaus und lenkt den Blick auf Dynamiken und Folgewirkungen von Globalisierungsprozessen. Denn, wie bereits im ‚Zivilisierungstheorem’ von Senghaas, werden auch hier innerstaatliche Kriege „untrennbar in ihre internationale Umwelt“ eingebunden. Im Zuge dieses Prozesses haben sich international organisierte und im Kern kriminelle Handels- und Schmugglernetzwerke herausgebildet, die in den rechtsfreien Räumen von Konfliktgebieten eine Art Konzept der ‚Schattenwirtschaft’ benutzen. Eine Entwicklung, die mindestens die Hälfte der Weltbevölkerung aus der regulären Ökonomie - „in der Tausch in einem rechtsstaatlichen Rahmen erfolgt und der Staat das Monopol legitimer Gewaltausübung innehat“ - ausschließt.
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Entwicklungskrisen in Afrika und Darstellung der Forschungsfrage sowie der Relevanz der Armutsbekämpfung.
2. Entwicklungspolitische Wendepunkte: Analyse der historischen Zäsuren wie der Entkolonialisierung, dem Ende des Kalten Krieges und dem 11. September für die Entwicklungspolitik.
3. Das PRSP-Konzept der Weltbank: Erläuterung des PRSP-Ansatzes, der Entschuldungsinitiativen HIPC I und II sowie der spezifischen Anwendung bei Konfliktstaaten.
4. Gewaltkonflikte: Theoretische Auseinandersetzung mit Konfliktursachen, innerstaatlichen Kriegen, Armutsfolgen und der politischen Ökonomie von Bürgerkriegen.
5. Der PRSP-Ansatz in Konfliktregionen des subsaharischen Afrikas: Fokus auf die konkrete Anwendung des PRSP in Afrika und detaillierte Untersuchung des ruandischen Fallbeispiels.
6. Entwicklungspolitische Maßnahmen in Konfliktregionen: Diskussion von Krisenprävention, Friedensaufbau und konfliktspezifischen institutionellen Reformen.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Möglichkeiten und Grenzen, eine friedliche Transformation durch den PRSP-Ansatz in Konfliktländern zu unterstützen.
Armutsbekämpfung, PRSP, Weltbank, Subsahara-Afrika, Konfliktregionen, Ruanda, Krisenprävention, Peacebuilding, Strukturanpassung, HIPC-Initiative, Good Governance, politische Ökonomie, Bürgerkriege, Gewaltökonomien, Post-Konflikt-Situationen.
Die Arbeit untersucht, wie entwicklungspolitische Armutsbekämpfungsstrategien (speziell der PRSP-Ansatz der Weltbank) in Ländern des subsaharischen Afrikas angewendet werden, die durch gewaltsame Konflikte und Staatszerfall geprägt sind.
Die zentralen Themen sind Konfliktursachen, die Rolle von Ressourcen in Bürgerkriegen, die Konzepte der Krisenprävention und des Friedensaufbaus sowie die kritische Analyse der Weltbank-Politik in sogenannten 'Failed States'.
Es wird analysiert, inwieweit entwicklungspolitische Instrumente wie die HIPC-Initiative und PRSPs einen effektiven Beitrag zur Friedenssicherung und nachhaltigen Armutsminderung in kriegsgeprägten Gesellschaften leisten können und wo ihre Grenzen liegen.
Die Arbeit basiert auf einer interdisziplinären Literaturanalyse, einer kritischen Auswertung von Weltbank-Dokumenten und einer Fallstudienanalyse von Ruanda.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Konflikttheorien, Politische Ökonomie), eine Analyse der politischen Zäsuren der Entwicklungspolitik, sowie eine detaillierte Betrachtung der Praxis von PRSP-Strategien unter Einbeziehung von 'Participation' und 'Ownership' in Krisenregionen.
Die wichtigsten Schlagworte sind Armutsbekämpfung, PRSP, Konfliktregionen, Friedensaufbau, Good Governance und politische Ökonomie.
Ruanda dient als komplexes Fallbeispiel für eine Post-Konflikt-Gesellschaft mit tiefgreifender ethnischer Polarisierung, an dem die Schwierigkeiten bei der Umsetzung von PRSP-Prinzipien exemplarisch verdeutlicht werden.
Der Autor argumentiert, dass der PRSP-Ansatz oft auf stabilen staatlichen Institutionen aufbaut, die in Konfliktregionen gerade erst wieder aufgebaut werden müssen oder kaum existieren, wodurch zentrale Prinzipien wie echte Teilhabe und staatliche Eigenverantwortung erschwert werden.
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