Bachelorarbeit, 2014
58 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmungen
2.1. Ästhetische Bildung und Erziehung in der Grundschule / exemplarisch am Land Brandenburg
2.2. Kunsttherapie
2.3. Zusammenfassung
3. Ein pädagogisch-therapeutischer Kunstunterricht für verhaltensauffällige Schüler in Anlehnung an Hans – Günther Richters „Pädagogische Kunsttherapie“ (im Folgenden: PK)
3.1. Die ästhetische Erziehung - eine Grundlegung
3.2. Die besonderen Merkmale des „ästhetischen Stoffes“
3.3. Chancen einer allgemeinen ästhetischen Erziehung für einen therapeutisch orientierten Kunstunterricht
3.4. Therapeutische Aspekte
3.4.1. Die Offenheit der ästhetischen Sache
3.4.2. Der Synkretismus der ästhetischen Erfahrung
3.4.3. Sublimierung (nach Kramer)
3.5. Didaktische Ansätze zur Umstrukturierung des Unterrichts bei verhaltensauffälligen Schülern in therapeutischer Absicht
3.5.1. Exkurs: Grundzüge einer lebensweltorientierten Fachdidaktik für den Bereich Verhaltensgestörtenpädagogik nach Joachim Bröcher
3.5.1.1. Lebensweltorientierung und Entwicklungsaufgaben
3.5.1.2. Zugang über Bilder und Alltagsästhetisches
3.5.1.3. Chancen und Probleme einer lebensweltlichen Didaktik
3.5.2. Zusammenfassung der didaktischen Überlegungen
4. Praktischer Teil am Beispiel der Arbeit mit Ton
4.1. Das Material
4.2. Grundlagen plastischen Gestaltens unter pädagogisch-therapeutischen Gesichtspunkten
4.2.1. Die Daumenschalentechnik
4.2.2. Das Modellieren
4.2.3. Die Aufbautechniken
4.2.4. Tonschlagen und –kneten
4.3. Unterrichtsbeispiele und Fördermaßnahmen
4.3.1. Entspannung & Lebensweltanalyse / Phantasiereise mit anschließendem freien Modellieren
4.3.2. Märchen als Verarbeitungshilfe / Gestalten von Märchenfiguren in Aufbautechnik
4.3.3. Ich – Identität / Das „Wunsch – Ich“ in Tierform
4.3.4. Exkurs: Arbeit am Tonfeld nach Heinz Deuser (2004)
5. Die Rolle des kunsttherapeutisch arbeitenden Sonderpädagogen
6. Diskussion
Die Arbeit untersucht, ob und wie das Unterrichtsfach Kunst bei verhaltensauffälligen Grundschülern in Richtung eines pädagogisch-kunsttherapeutischen Ansatzes modifiziert werden kann, um Lernprozesse und die Persönlichkeitsentwicklung positiv zu beeinflussen.
3.4.1. Die Offenheit der ästhetischen Sache
Dieser Begriff verweist auf die Besonderheit des künstlerischen Gegenstandsbereichs, dass obligatorische Erarbeitungs- und Ausdrucksformen nicht zwingend festgelegt sind, da es im künstlerischen Ausdruck kein falsch oder richtig gibt. Diese, die Kunst konstituierende Negation der absoluten Wahrheit kommt einem konstruktivistischen Denkansatz und damit einer am subjektiven Erleben interessierten, auf Differenzierung und zunehmende Selbstbestimmung ausgerichteten Verhaltensgestörtenpädagogik entgegen (vgl. Myschker 2009, 255).
Zur näheren Bestimmung der therapeutischen Qualität soll diese „Offenheit“ detaillierter erfasst werden.
Offenheit bezieht sich unter anderem auf das gesamte Spektrum bildnerischer Ausdruckmöglichkeiten zwischen Materialität und Immaterialität. Während im traditionellen Kunstwerk Idee und Materialisation meist in einem ausgewogenen Verhältnis stehen, lässt die therapeutisch orientierte ästhetische Erziehung mehr zu. Im Spektrum aller bekannter Ausdruckmöglichkeiten (bspw. Kritzeln, Modellieren, Collagieren etc.) und im Rahmen aller bekannter künstlerischer (historischer) Entwürfe steht somit ein immenses Arsenal an Schaffensmöglichkeiten zur Verfügung, „ohne dass eine historische Abfolge oder zwingende Problemlöseschritte beachtet werden müssten“ (Richter 1984, 84). Diese Vielfalt an Material und möglichen Verfahren bietet somit im Hinblick auf die Besonderheiten und Bedürfnisse der einzelnen Schüler sehr individuelle Zugänge und eröffnet und bedingt vielfältige grob- und feinmotorische Handlungen, Vorstellungen sowie die Aktivierung aller Sinne.
1. Einleitung: Beleuchtet die Relevanz der pädagogisch-therapeutischen Arbeit für verhaltensauffällige Schüler und stellt die zentrale Forschungsfrage zur Modifikation des Kunstunterrichts.
2. Begriffsbestimmungen: Definiert die Grundlagen der ästhetischen Erziehung in der Grundschule und stellt diese der Disziplin Kunsttherapie gegenüber.
3. Ein pädagogisch-therapeutischer Kunstunterricht für verhaltensauffällige Schüler in Anlehnung an Hans – Günther Richters „Pädagogische Kunsttherapie“ (im Folgenden: PK): Erörtert das pädagogische Rahmenkonzept von Richter und dessen Eignung für den sonderpädagogischen Kontext.
4. Praktischer Teil am Beispiel der Arbeit mit Ton: Präsentiert konkrete Einsatzmöglichkeiten und technische Grundlagen des Werkstoffs Ton für die schulische Praxis.
5. Die Rolle des kunsttherapeutisch arbeitenden Sonderpädagogen: Analysiert die professionelle Haltung der Pädagogen und die Abgrenzung zur reinen Psychotherapie.
6. Diskussion: Reflektiert die gewonnenen Erkenntnisse und bewertet die Möglichkeiten einer subjektorientierten Didaktik im Förderschwerpunkt.
Kunsttherapie, Sonderpädagogik, Verhaltensauffälligkeit, Ästhetische Erziehung, Tonarbeit, Lebensweltorientierung, Inklusion, Ich-Stärkung, Diagnostik, Ressourcenorientierung, Primarstufe, Didaktik, Kreativität, Selbstwirksamkeit, Psychodynamik.
Die Arbeit untersucht Möglichkeiten, den Kunstunterricht für verhaltensauffällige Grundschüler so zu modifizieren, dass er als pädagogisch-kunsttherapeutisches Instrument zur Unterstützung der kindlichen Entwicklung und emotionalen Stabilität genutzt werden kann.
Die Schwerpunkte liegen auf den theoretischen Grundlagen der Pädagogischen Kunsttherapie, der Anwendung von Gestaltungsverfahren mit Ton sowie der fachdidaktischen Ausrichtung für Sonderpädagogen.
Das Ziel ist zu klären, wie Kunstunterricht unter institutionellen Rahmenbedingungen so angepasst werden kann, dass er gezielt Chancen und Grenzen für die therapeutische Begleitung verhaltensauffälliger Schüler bietet.
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die existierende kunsttherapeutische und pädagogische Konzepte (insb. von Richter, Bröcher und Kramer) zusammenführt und durch praktische Anwendungsbeispiele illustriert.
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition des "ästhetischen Stoffes", didaktischen Ansätzen zur Umstrukturierung des Unterrichts und der Vermittlung von praktischem Wissen zum Werkstoff Ton, inklusive der Rolle des Sonderpädagogen.
Die zentralen Begriffe umfassen unter anderem Kunsttherapie, Sonderpädagogik, Verhaltensauffälligkeit, Lebensweltorientierung, Tonarbeit und Ich-Stärkung.
Der entscheidende Unterschied liegt nach Richter in der bewussten Verknüpfung von bildnerischen Schaffensformen mit therapeutischen Zielen, um spezifisch auf die Bedürfnisse der Zielgruppe einzugehen.
Es dient als Handlungsalternative für Kinder, die durch Aggressivität auffallen, um destruktive Impulse im Sinne einer Sublimierung kontrolliert am widerstandsfähigen Material abzuleiten.
Der Pädagoge fungiert als wohlwollender Begleiter, der Struktur bietet, Hilfs-Ich-Funktionen übernimmt und den Prozess so moderiert, dass Überforderungen oder Beziehungsabbrüche vermieden werden.
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