Masterarbeit, 2015
115 Seiten, Note: 1,3
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
1. Einleitung
2. Das politische System und die Medien
2.1. Zum Verhältnis von Politik und Medien
2.1.1. Paradigmen
2.1.2. Mediatisierung und Politainment
2.2. Das Spährenmodell medialer Politikvermittlung
2.3. Inszenierung
2.3.1. Definition und Dimensionen
2.3.2. Politik als Theater
2.4. Personalisierung
2.5. Selbstdarstellungsstrategien politischer Akteure
3. Der Polit-Talk
3.1. Das Genre
3.1.1. Definition und Typologie
3.1.2. Historische Entwicklung
3.2. Zur Wahrnehmung von Polit-Talks
3.3. Gäste in Polit-Talks
3.3.1. Relevanz
3.3.2. Teilnehmerkategorien
3.3.3. Talkshow-Präsenz aus der Perspektive politischer Akteure
3.4. Der öffentlich-rechtliche Programmauftrag
3.5. Aktuell relevante Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen
3.5.1. Einschaltquoten
3.5.2. Geschichte und Moderation
4. Forschungsdesign und methodische Umsetzung
4.1. Zentrale Fragen der Studie
4.2. Methode
4.3. Datenmaterial
5. Darstellung der Ergebnisse
5.1. Polit-Talks im öffentlich-rechtlichen Fernsehen
5.2. Struktur und Funktionen von Gästen in Polit-Talks
5.2.1. Funktionen nicht-politischer Akteure
5.2.2. Zentrale Merkmale politischer Akteure
5.2.3. Vielfalt und Ausgewogenheit politischer Gäste
5.2.4. Die Häufung von Akteuren
5.2.5. Politische Akteure in Plenarwochen
5.3. Wie inszenieren sich politische Gäste?
5.3.1. Einführung und erste Erkenntnisse
5.3.2. Ergebnisse der untersuchten Variablen
6. Reflexion der Ergebnisse
7. Schlussbetrachtung und Ausblick
Die Arbeit untersucht, wie Gäste in öffentlich-rechtlichen Polit-Talks agieren, welche Funktionen sie erfüllen und inwiefern ihre Inszenierung als „Sozialrollendrama“ zur politischen Kommunikation in den Medien beiträgt, wobei insbesondere der Einfluss von Strukturmerkmalen (wie Plenarwochen) und das individuelle Verhalten der Akteure empirisch analysiert werden.
1. Einleitung
Als der Berliner Imam Abdul Adhim Kamouss am 28. September 2014 in der ARD-Talkshow Günther Jauch als Gast auftritt, nutzt er die Sendung, um intensiv Werbung für sich und seine Weltanschauung zu betreiben. In der Sendung zum Thema „Gewalt im Namen Allahs – wie denken unsere Muslime“ argumentiert Kamouss wortreich. Als Prediger sei es seine Aufgabe, Jugendliche zu „Friedensstiftern“ zu erziehen. So könnte er seinen Teil dazu beizutragen, die islamistische Radikalisierung in Deutschland zu stoppen. Er präsentiert zudem einen Brief des Berliner Innensenators, der ihm für verschiedene Initiativen gegen Gewalt in Berlin dankte. Kamouss stellt sich in der Talkshow durchweg als friedensliebender Prediger dar. Es ist allerdings derselbe Imam, der laut Bundeszentrale für politische Bildung (Jugendkultur, Islam und Demokratie…, 2012) einen „hochgradig radikalisierungsfördernden“ (ebd.) Islam vertritt. Der in der Berliner Al-Nur-Moschee predigt, die deutschen Sicherheitsbehörden zufolge als Sammelpunkt militanter Islamisten gilt (Bartsch, Popp & Scheuermann, 2012). Und der aufgrund seines maßgeblichen Einflusses auf die Berliner Islamistenszene seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet wird (Langer, 2014). Günther Jauch eröffnet Abdul Adhim Kamouss eine Bühne, auf der dieser sich einem breiten Fernsehpublikum nach seinen eigenen Vorstellungen präsentieren kann.
Der Auftritt des Imams sorgt im Nachgang für eine gewaltige Diskrepanz zwischen der Beschreibung durch Sicherheitsbehörden und der Wahrnehmung der Person Abdul Adhim Kamouss bei Betrachtung der Sendung. Das Echo der klassischen wie der sozialen Medien ist gewaltig. Alle führenden Printmedien greifen den Auftritt des Imams auf, die meisten kritisieren ihn scharf. Grundtenor der Qualitätsmedien ist, dass einer Person mit Werten, die klar „in einem Spannungsverhältnis zum Grundgesetz“ (Bittner, 2014) stehen, ein solch großes öffentliches Forum zur Verbreitung seiner Thesen gegeben wurde.
Der Imam tat bei Günther Jauch allerdings nur, was viele andere Akteure, die in Talkshows eingeladen werden, auch tun: Er inszenierte sich selbst. Akteure versuchen über Auftritte in Gesprächssendungen, die Öffentlichkeit von den eigenen Positionen zu überzeugen.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Selbstinszenierung politischer Akteure in Talkshows ein und erläutert die Forschungsfrage sowie das dreistufige Untersuchungsdesign der Arbeit.
2. Das politische System und die Medien: Dieses Kapitel theoretisiert das Spannungsfeld zwischen Politik und Medien, definiert Begriffe wie Inszenierung und Personalisierung und beleuchtet die Rolle von Politikern im medialen Raum.
3. Der Polit-Talk: Das Kapitel definiert das Genre Polit-Talk, erörtert dessen Entwicklung, die Gästestruktur sowie die Relevanz der Sendungen für den öffentlich-rechtlichen Programmauftrag und stellt die relevanten Sendeformate vor.
4. Forschungsdesign und methodische Umsetzung: Hier werden die Forschungsfragen spezifiziert und das methodische Vorgehen beschrieben, das eine Kombination aus quantitativer Gästestruktur-Analyse und qualitativer Inhaltsanalyse von Kommunikatorsequenzen umfasst.
5. Darstellung der Ergebnisse: Der Hauptteil präsentiert die empirischen Ergebnisse zur Gästestruktur in Polit-Talks, analysiert das Verhalten politischer Akteure und prüft den Einfluss von Rahmenbedingungen wie Plenarwochen.
6. Reflexion der Ergebnisse: Das Kapitel reflektiert die zentralen Befunde der Studie, diskutiert deren Implikationen für die Medienlandschaft und ordnet die Ergebnisse in den weiteren gesellschaftspolitischen Kontext ein.
7. Schlussbetrachtung und Ausblick: Die abschließende Betrachtung fasst die Bedeutung der Polit-Talks als „Sozialrollendramen“ zusammen und schlägt Ansätze für zukünftige wissenschaftliche Untersuchungen vor.
Polit-Talk, Talkshow, Inszenierung, Personalisierung, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Politainment, Politische Akteure, Gästestruktur, Sozialrollendrama, Medienkommunikation, Pluralismus, Inhaltsanalyse, Debattenshow, politische Kommunikation, Medienautonomie.
Die Arbeit untersucht, wie Politiker und andere Akteure in öffentlich-rechtlichen Polit-Talkshows auftreten und wie sie sich dort inszenieren, um ihre politischen Ziele zu verfolgen.
Zu den Schwerpunkten gehören das Verhältnis von Politik und Medien, die Struktur und Zusammensetzung von Gästegruppen in Polit-Talks sowie die Analyse von Selbstdarstellungsstrategien im Fernsehen.
Das Hauptziel ist es, auf einer empirischen Basis zu klären, ob sich politische Akteure durch ihre Inszenierung als Akteure im „Sozialrollendrama“ unterscheiden und ob die Redaktionen der Talkshows dem öffentlich-rechtlichen Vielfaltsgebot entsprechen.
Die Arbeit nutzt ein dreistufiges Trichterverfahren, das eine quantitative Analyse der Gästestruktur (Vollerhebung) mit einer qualitativen Inhaltsanalyse von Kommunikatorsequenzen (turns) verbindet.
Der Hauptteil präsentiert detaillierte Ergebnisse zur Gästestruktur, analysiert die Parteienverteilung, überprüft den Einfluss von Plenarwochen auf die Gästebesetzung und untersucht verbales Verhalten anhand spezifischer Variablen wie Argumentationsstil und Quellenbelegung.
Wichtige Begriffe sind Polit-Talk, Inszenierung, Personalisierung, Politainment, Sozialrollendrama und Ausgewogenheit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
Die Analyse zeigt einen leichten Effekt: In Plenarwochen steigt der Anteil an Bundespolitikern in den Sendungen, da diese durch ihre physische Präsenz in Berlin leichter für die Aufzeichnungen zu gewinnen sind.
Die weit verbreitete Annahme, dass stets dasselbe Personal auftritt, wird durch die empirischen Daten widerlegt. Die überwältigende Mehrheit der Gäste tritt im Untersuchungszeitraum nur einmal in Erscheinung; die Wahrnehmung einer Häufung beruht nur auf einer sehr kleinen Gruppe von „Dauergästen“.
Politiker agieren in Polit-Talks deutlich aktiver, unterbrechen häufiger, weichen bei unangenehmen Fragen öfter aus und nutzen die Sendezeit gezielter für offensive Selbstdarstellung und Eigenwerbung im Vergleich zu Experten oder Vertretern aus der Wirtschaft.
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