Bachelorarbeit, 2013
49 Seiten
I. Einleitung
II: Die schöne Kriemhild: Wie sie die Statussymbole Ansehen, Macht und Besitz nutzt
III: Die soziale Kriemhild: Wie Treue und Leid ihre engsten Bindungen beeinflussen
3.1 Bindung zu Siegfried
3.2 Bindung zu Mutter Ute
3.3 Bindung zu den Söhnen:
3.3.1 Der Erstgeborene
3.3.1 Der Zweitgeborene
3.4 Bindung zu Bruder Gunther
3.5 Bindung zu Bruder Gernot
3.6 Bindung zu Bruder Giselher
3.7 Bindung zu Brünhild
3.8 Bindung zu Hagen
3.9 Bindung zu Rüdiger
IV. Die mystische Kriemhild: Wie Traum und Glaube ihre Handlungsweisen bestimmen
V. Die grausame Kriemhild: Wie aus gekränktem Leid unerbittliche Rache wird
5.1 Erste Stufe
5.2 Zweite Stufe
5.3 Dritte Stufe
5.4 Vierte Stufe
5.5 Fünfte Stufe
VI. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologische und soziale Wandlung der Figur Kriemhild im Nibelungenlied – von der höfischen, unterwürfigen Frau hin zur grausamen, rachegetriebenen Rächerin. Dabei wird analysiert, wie äußere Einflüsse, familiäre Bindungen und gesellschaftliche Machtstrukturen Kriemhilds Handeln maßgeblich bestimmen.
Die schöne Kriemhild: Wie sie die Statussymbole Ansehen, Macht und Besitz nutzt
Kriemhilds schœnde ist oftmals Thema im Nibelungenlied und muss deshalb einer genaueren Betrachtung unterzogen werden. Anfang der dritten Âventiure wird Siegfried erstmals mit Kriemhilds schœnde konfrontiert: Sein Beweggrund, sie als zukünftige Gemahlin auszuwählen, ist von Anfang an ir unmâzen schœne (47,2). Ihm wird, geprägt durch sein Standesbewusstsein, klar, dass Kriemhild eine Bereicherung für sein Ansehen wäre: daz ist mir wol bekannt, nie keiser wart sô rîche, der wolde haben wîp, im zæme wol ze minnen der rîchen kuneginne lîp (47,2 ‒4).
Wie muss sich der Leser die unbeschreibliche schœnde Kriemhilds vorstellen? Zunächst ist zu erwähnen, dass Kriemhild eine natürliche schœnde besitzt (589) und allem Anschein nach ungeschminkt auftritt. Den Gebrauch von trügerischen Schönheitsmaßnahmen lehnt der Dichter des Nibelungenliedes wiederholt ab: Gevelschet froun varwe vil lützel man dâ vant (1651,1). Somit ist Kriemhilds makelloses Äußeres keine Täuschung des menschlichen Auges. Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt ist: Warum? War Schminke einem bestimmten Frauentyp vorbehalten? Ziemte sich das Schminken für adelige Damen nicht? Handelt es sich um den seinerzeit herrschenden Zeitgeist bei Hofe? Offenbar ist die Tatsache, dass Kriemhild nicht geschminkt ist, ein Zeichen ihrer Unschuld, und zwar im doppeldeutigen Sinne: Sie ist nicht nur jungfräulich, sondern auch gänzlich ohne jeden Makel, hat demnach also nichts zu verbergen.
I. Einleitung: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein und erläutert die Bedeutung der Figur Kriemhild als Bindeglied zwischen den zwei Teilen des Nibelungenliedes sowie ihre Wandlung vom höfischen Ideal zur Rächerin.
II: Die schöne Kriemhild: Wie sie die Statussymbole Ansehen, Macht und Besitz nutzt: Dieses Kapitel analysiert Kriemhilds äußere Erscheinung, insbesondere ihre natürliche Schönheit und Kleidung, als Machtinstrumente zur Repräsentation ihres Standes am Hofe.
III: Die soziale Kriemhild: Wie Treue und Leid ihre engsten Bindungen beeinflussen: Es wird untersucht, wie Kriemhilds Bindungen zu Familienmitgliedern und Vertrauten – von Siegfried bis Hagen – im Verlauf der Handlung durch Treue und Verrat zerbrechen.
IV. Die mystische Kriemhild: Wie Traum und Glaube ihre Handlungsweisen bestimmen: Dieses Kapitel beleuchtet, wie Kriemhild ihre Träume als Vorahnungen nutzt und ihren christlichen Glauben in ihren Rachegedanken instrumentalisierte.
V. Die grausame Kriemhild: Wie aus gekränktem Leid unerbittliche Rache wird: Hier wird der Racheprozess in fünf Phasen unterteilt, die zeigen, wie Kriemhild systematisch Rache an den Mördern Siegfrieds nimmt und dabei ihre eigene Identität verliert.
VI. Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst zusammen, dass Kriemhilds Rache als Konsequenz einer durch patriarchalische Strukturen erzwungenen Identitätskrise und als Ausdruck ihrer persönlichen, emotionalen Bindung zu Siegfried zu verstehen ist.
Kriemhild, Nibelungenlied, Rache, Siegfried, höfische Welt, Triuwe, Leit, Macht, Identität, Mittelalter, Geschlechterrollen, Sozialstatus, Heldenepos, Brünhild, Hagen.
Die Arbeit analysiert die literarische Figur der Kriemhild im Nibelungenlied und untersucht die Ursachen und den Verlauf ihrer Wandlung von einer höfischen Frau zu einer rachesüchtigen Figur.
Die Arbeit behandelt Themen wie Macht, Ansehen, soziale Bindungen, Verrat, Rache, Trauer sowie die Bedeutung von Schönheit und christlichem Glauben im Kontext der mittelalterlichen Gesellschaftsstruktur.
Das Ziel ist es, die Beweggründe der Kriemhild-Figur zu ergründen und aufzuzeigen, wie sie unter dem Einfluss von Leid und Verrat ihr eigenes Schicksal aktiv gestaltet.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Plot des Nibelungenliedes voraussetzt und die Figur Kriemhild themen- und motivationsorientiert statt rein chronologisch untersucht.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Kriemhilds Statussymbolen, ihrer familiären Bindungen, der Rolle ihrer Träume und ihres Glaubens sowie der detaillierten Beschreibung der fünf Stufen ihrer Rache.
Kriemhild, Nibelungenlied, Rache, Triuwe (Treue), Leit (Leid), Machtanspruch und die Figur der grausamen Rächerin.
Ihre natürliche Schönheit fungiert als Statussymbol und Zeichen ihrer Unschuld, wird jedoch durch ihre Kleidung und Machtausübung zu einem Mittel der höfischen Repräsentation und späteren Racheplanung.
Das Handmotiv zieht sich als Symbol durch das Epos: Erst steht es für Schutz und Zuneigung zu Siegfried, später wird es zum Instrument des persönlichen, eigenhändigen Racheakts.
Der Hort dient als Machtbasis und symbolische Repräsentanz für den verstorbenen Siegfried; seine Rückforderung oder Nutzung dient Kriemhild primär zur Durchsetzung ihrer Racheziele.
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