Magisterarbeit, 2004
120 Seiten, Note: 2,0
Einleitung
Die vergleichende Wohlfahrtsstaatsforschung, Veränderung und Transformation
Das Konzept der sozialen Pflege
Pflege und Wohlfahrtsstaatsregime
Schlüsselelemente des Wandels des sozialen Pflegeangebots
Methodik
1. Von der Armenpflege zu sozialen Rechten
1.1 Soziale Rechte und deren Entwicklung
1.2 Das Primat der Familie – Die Familienideologie der sozialen Pflegepolitik
2. Der lange Weg zur Pflegeversicherung – Altenpflegepolitik in Deutschland
2.1 Pflegerische Dienste für Ältere im Siegel der politischen Entwicklung
2.1.1 Die Sozialstaatstradition und das Erbe der Wohlfahrtsverbände
2.1.2 Altenpflege vor der Pflegeversicherung
2.1.3 Die Reformpolitik
2.2 Die Pflegeversicherung - Prinzipien, Bestimmungen, Daten
2.2.1 Stationäre Pflege für Ältere
2.2.2 Häusliche Pflege für Ältere
2.2.3 Nebeneffekte des Angebots
2.2.3.1 Transformation des freigemeinnützigen Sektors
2.2.3.2 Die Beschäftigungssituation im Pflegebereich
2.3 Resümee
3. Soziale Dienstleistungen – Der Schlüssel zum schwedischen Wohlfahrtsstaatsmodell
3.1 Das Konzept der sozialen Dienstleistungen in der schwedischen Sozialpolitik
3.1.1 Die frühen Ideen der sozialen Pflegedienstleistungen
3.1.2 Die Periode des Aufbaus der sozialen Pflegedienstleistungen
3.1.3 Die Stufe der Erosion: soziale Pflegedienstleistungen während der Restrukturierung des Wohlfahrtsstaates
3.2 Soziale Pflegedienstleistungen
3.2.1 Stationäre Pflege für Ältere
3.2.2 Dienstleistungen der Haushaltshilfe für Ältere
3.2.3 Nebeneffekte des Angebots
3.2.3.1 Mehr Pflege durch Familie, Markt und freigemeinnützigen Sektor?
3.2.3.2 Veränderungen der Lebens- und Arbeitsbedingungen im Pflegebereich
3.3 Resümee
4. Deutschland und Schweden im Vergleich
4.1 Staatsausgaben und private Kosten – Unterschiede und Trends
4.2 Erwerbsbeteiligung der Frauen
4.3 Die Variationsbreite der Dienstleistungsanbieter
4.4 Das recht der Älteren auf pflegerische Dienstleistungen
4.5 Die Rolle der Politik
4.6 Resümee
5. Resümee: Wohlfahrtsstaatliche Regime sozialer Pflegedienstleistungen
Die Arbeit vergleicht die Altenpflegepolitik in Deutschland und Schweden, um zu analysieren, wie sich unterschiedliche Wohlfahrtsstaatsregime auf das Angebot von Pflegedienstleistungen auswirken und welche Rolle diese für die Erwerbsbeteiligung von Frauen sowie die soziale Absicherung Älterer spielen.
2.1.1 Die Sozialstaatstradition und das Erbe der Wohlfahrtsverbände
Das deutsche staatlich organisierte System hat eine kategoriale Orientierung: verschiedene Institutionen dienen verschiedenen Gruppen der Bevölkerung (Döring 1997). Den Kern des auf der Bismarckschen sozialen Sicherung basierenden Wohlfahrtsstaates bildet die Sozialversicherung, welche den größten Teil der abhängig Beschäftigten auf Basis einer Pflichtversicherung organisiert. Nicht erwerbstätige Personen erhalten abgeleitete Ansprüche, sofern sie zur Familie des/r Versicherten gehören. Das System der sozialen Sicherung ist in die Bereiche Prävention, Kompensation, Unterstützung und Hilfe unterteilt, wobei der Hauptfokus auf dem Bereich der Prävention liegt, also auf der sozialen Absicherung durch Renten-, Kranken-, Unfall-, Arbeitslosigkeits- und Pflegeversicherung (Ziegelmayer 2001). Der deutsche Wohlfahrtsstaat ist dem Grundsatz nach demzufolge ein Sozialversicherungsstaat und basiert nicht vorrangig auf dem Versorgungsprinzip - wie dies in Schweden der Fall ist.
Mit dem Eintritt ins Arbeitsleben tritt die verpflichtende Mitgliedschaft in der Sozialversicherung in Kraft, deren Beiträge und Leistungen durch den Staat festgesetzt werden. Die Beiträge werden teils über den Arbeitgeber und teils über den Arbeitnehmer finanziert. Dieses Modell ist stark vom Äquivalenzprinzip gezeichnet, was bedeutet, dass die Leistungen vom Ausmaß der eingezahlten Beiträge abhängen, die wiederum das Einkommen spiegeln. Dieses charakteristische Merkmal des deutschen Wohlfahrtsstaates wurde aus feministischer Perspektive heraus kritisiert: im Ernährermodell der sozialen Sicherung sind Transferzahlungen darauf ausgerichtet, entsprechend dem Äquivalenzprinzip das Einkommen und den Status des (männlichen) Lohnempfängers zu wahren (vgl.: Anttonen/Sipilä 2002; Ziegelmayer 2001). So reflektieren bspw. Rentenansprüche, Arbeitslosen- und Krankengelder die frühere Einkommensstärke des Arbeitnehmers. Das soziale Sicherungssystem basiert auf lebenslanger, vertraglich garantierter Vollzeiterwerbsarbeit oder einer vermittelten Sicherung über die Institutionen Heirat und Familie. Dieses System wurde auch in der weitaus schwierigeren ökonomischen Situation der 90er Jahre trotz der steigenden fiskalischen Belastung beibehalten.
Einleitung: Einführung in das Thema der Altenpflege im Kontext des demographischen Wandels und der vergleichenden Sozialforschung.
1. Von der Armenpflege zu sozialen Rechten: Historische Herleitung sozialer Rechte und deren Entwicklung von der Armenfürsorge bis hin zu modernen Bürgerrechten.
2. Der lange Weg zur Pflegeversicherung – Altenpflegepolitik in Deutschland: Analyse des deutschen Sozialversicherungssystems, der Reformpolitik und der Einführung der Pflegeversicherung als neue Säule.
3. Soziale Dienstleistungen – Der Schlüssel zum schwedischen Wohlfahrtsstaatsmodell: Untersuchung des schwedischen Modells, das auf universellen Dienstleistungen basiert und Frauen die Erwerbstätigkeit erleichtert.
4. Deutschland und Schweden im Vergleich: Direkte Gegenüberstellung der beiden Länder hinsichtlich Finanzierung, privater Kosten, Erwerbsbeteiligung der Frauen und Dienstleistungsanbieter.
5. Resümee: Wohlfahrtsstaatliche Regime sozialer Pflegedienstleistungen: Zusammenfassende Bewertung der Regimekonsistenz und der Übertragbarkeit von Typologien auf den Bereich der Altenpflege.
Altenpflegepolitik, Deutschland, Schweden, Wohlfahrtsstaat, Pflegeversicherung, Soziale Dienstleistungen, Sozialversicherung, Geschlechterrollen, Erwerbsbeteiligung, Subsidiarität, Universalismus, Wohlfahrtsmischform, Pflegearrangements, Sozialpolitik, Pflegedienstleistungen
Die Arbeit befasst sich mit einem vergleichenden Analyseansatz der Altenpflegepolitik in Deutschland und Schweden und untersucht, wie Wohlfahrtsstaaten auf den demographischen Wandel reagieren.
Zentral sind das Verhältnis zwischen Staat, Markt und Familie, die Finanzierung von Pflegesystemen, das Konzept der sozialen Pflege und der Einfluss dieser Politik auf Frauen.
Das Ziel ist herauszufinden, ob die Integration sozialer Pflegedienstleistungen bestehende Wohlfahrtsregime-Typologien (wie die von Esping-Andersen) modifiziert oder ob die Länder eigenständige Pfade verfolgen.
Die Arbeit nutzt den Ansatz der länderspezifischen Fallstudie, um nationale Muster und die Komplexität von Variationen in der Pflegeorganisation detailliert zu analysieren.
Es werden die historische Entwicklung, die spezifischen politischen Rahmenbedingungen und die Pflegesysteme beider Länder (bismarcksch-konservativ vs. sozialdemokratisch-universell) im Vergleich gegenübergestellt.
Schlüsselbegriffe sind Altenpflegepolitik, Sozialversicherung, Geschlechtergerechtigkeit, Subsidiarität, Universalismus und wohlfahrtsstaatliche Transformation.
Deutschland basiert primär auf einem beitragsfinanzierten Versicherungssystem mit konservativen Wurzeln und Subsidiarität, während Schweden ein steuerfinanziertes, kommunal organisiertes System mit universellem Zugang anbietet.
In Deutschland spielt die Familie aufgrund der Subsidiarität und des Pflegegeldes eine zentrale Rolle, während das schwedische Modell eher auf staatliche Dienstleistungen setzt, um die Familie zu entlasten und Frauen die Erwerbstätigkeit zu ermöglichen.
Die Erwerbsbeteiligung von Frauen ist in Schweden deutlich höher, was durch das staatliche Angebot an Pflegedienstleistungen direkt unterstützt wird, wohingegen das deutsche System durch Anreize für Pflegegeld eher zur Teilzeitbeschäftigung oder zum Rückzug vom Arbeitsmarkt tendiert.
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