Forschungsarbeit, 2003
39 Seiten, Note: sehr gut
Einleitung
TheoretischerBezugsrahmen
Identitätskonstruktionen – Ein Überblick zur Identitätsforschung
Akkulturation – Assimilation und ethnische Kolonienbildung
Zur Funktion der Bildung von ethnischen Kolonien
Zur Funktion der Religion für die Identitätsbildung
Stand der Forschung
Methoden und Durchführung der Feldforschung
Empirischer Ergebnisteil
Lebenswelt von Türken der ersten Generation in Graz
Lebenssituation und Sozialkontakte von türkischen Muslimen in Graz
Muslimische Türken und die Familie
Religiöse Pflichten von türkischen Muslimen
Das Gebet
Das Almosengeben
Das Fasten
Die Pilgerfahrt
Die Bedeutung des Islam – ein Resümee
Fragebogenuntersuchung
Durchführung der Fragebogenuntersuchung
Probleme der Validität des Fragebogens
Ergebnisse der Befragung
Religiosität der Jugendlichen
Freizeitverhalten der türkischen Jugendlichen
Wollen die türkischen Jugendlichen wieder in die Türkei zurückkehren
Zusammenfassende Darstellung der Fragebogenuntersuchung
Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Lebenswelt muslimischer Türken in Graz mit einem Fokus auf deren religiöse Praktiken und die damit verbundene Identitätskonstruktion in einer westlich geprägten Gesellschaft. Ziel ist es, zu analysieren, wie Religion als identitätsstiftendes Merkmal in einem fremden kulturellen Umfeld wirkt und welche sozialen Strategien sowie Spannungsfelder sich hierbei für die Migranten der ersten Generation ergeben.
a. Identitätskonstruktionen – Ein Überblick zur Identitätsforschung
Im Hinblick auf die folgenden Kapitel, die sich konkreter mit ethnischen Identitäten beschäftigen, soll hier nun kurz auf die allgemeine Thematik der Identitätsforschung eingegangen werden.
Der Begriff Identität und dessen Nutzung, welche heute schon fast inflationäre Züge angenommen hat, ist in der Moderne gerade durch seine vielschichtige Bedeutung relevant. So wird die Suche nach Identität als krisenhafte Herausforderung an das Subjekt verstanden und die Frage nach dem „Wer bin ich?“ hat sich in einer individualisierten, pluralisierten und globalisierten Welt dramatisch verändert. Wenn nun weiters von Identität die Rede ist, soll bedacht werden, das es sich bei deren Bildung um eine subjektiven Konstruktionsprozess handelt, der auf wechselseitige soziale Anerkennung angewiesen ist. Von Hegel über Erikson bis Mead wird mit dem Konzept der Identitätskonstruktion auf das menschliche Grundbedürfnis nach Anerkennung und Zugehörigkeit verwiesen. Menschen oder Gruppen können „wirklich Schaden nehmen, eine wirkliche Deformation erleiden, wenn die Umgebung oder die Gesellschaft ein einschränkendes, herabwürdigendes oder verächtliches Bild ihrer selbst zurück spiegelt. Nichtanerkennung oder Verkennung kann Leiden verursachen, kann eine Form von Unterdrückung sein, kann den anderen in ein falsches, deformiertes Dasein einschließen“ (Taylor 1993, 13f, zitiert nach Keupp). Gruppen oder Individuen, die von Anerkennungskonflikten besonders betroffen sind, weil sie auf Grund bestimmter Eigenschaften von der definierten Dominanzkultur als minderwertig stigmatisiert werden (z.B. wegen ethnischer Zugehörigkeit, religiöser oder ideologischer Bekenntnisse), haben es besonders schwer, eine gelungene Identität zu bilden.
Einleitung: Die Autoren führen in das Thema der multikulturellen Lebenswelten in Graz ein und definieren zentrale Forschungsfragen zur Bedeutung von Religion und Identität für türkische Migranten.
TheoretischerBezugsrahmen: Dieses Kapitel erläutert Konzepte der Identitätskonstruktion, Akkulturation sowie die Funktion von ethnischen Kolonien und Religion bei der Identitätsbildung von Emigranten.
Stand der Forschung: Es erfolgt eine Übersicht relevanter Studien aus dem deutschsprachigen Raum zur Religiosität und Lebenswelt islamischer Migranten.
Methoden und Durchführung der Feldforschung: Die Autoren beschreiben ihre methodische Vorgehensweise, bestehend aus teilnehmender Beobachtung, Experteninterviews und einer quantitativen Fragebogenuntersuchung.
Lebenswelt von Türken der ersten Generation in Graz: Dieser Abschnitt analysiert anhand qualitativer Interviews die Lebenspraxis, Sozialkontakte und religiöse Pflichten der Zielgruppe sowie den familiären Kontext.
Fragebogenuntersuchung: Hier werden die Ergebnisse der Befragung von Jugendlichen im Polytechnischen Lehrgang ausgewertet, insbesondere hinsichtlich Religiosität, Freizeitverhalten und Rückkehrwunsch.
Schlussbetrachtung: Das Fazit resümiert, dass Religion für die erste Generation identitätsstabilisierend wirkt und kein Hindernis für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben darstellt.
Islam, Migration, Identitätsforschung, Akkulturation, ethnische Kolonien, Religiosität, Lebenswelt, soziale Integration, muslimische Türken, Diaspora, Familienstruktur, Rollenverteilung, Identitätsbildung, Migrationsforschung, Graz.
Die Arbeit befasst sich mit der Lebenswelt und den religiösen Praktiken türkischer Muslime der ersten Generation in Graz und untersucht deren Identitätsfindung in einem säkularen, westlichen Umfeld.
Die zentralen Felder sind die Identitätskonstruktion von Migranten, die Funktion religiöser Pflichten (wie das Gebet oder das Fasten), der Einfluss familiärer Strukturen sowie die Herausforderungen der Akkulturation.
Das Ziel ist es zu ergründen, wie muslimische Migranten ihre Identität zwischen den Werten ihrer Herkunftskultur und denen des Gastlandes aushandeln und welche Rolle der Islam dabei als stabilisierender Faktor einnimmt.
Es handelt sich um einen methodischen Mix aus qualitativer Forschung (leitfadengestützte Interviews mit Männern und Experten) sowie einer quantitativen Fragebogenuntersuchung unter türkischen Berufsschülern.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Identität und Akkulturation sowie einen umfangreichen empirischen Ergebnisteil, der sowohl Fallbeispiele einzelner Migranten als auch statistische Daten zur Lebenssituation präsentiert.
Wesentliche Begriffe sind Migration, Islam, Diaspora, Akkulturation, Identitätskonstruktion und soziale Kontrolle innerhalb ethnischer Netzwerke.
Die Moschee wird als zentraler Anlaufpunkt identifiziert, der neben der religiösen Ausübung als Ort der sozialen Vernetzung, der gegenseitigen Unterstützung und der Identitätsbestätigung für die türkische Gemeinschaft fungiert.
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass ein Festhalten an religiösen Werten und Traditionen nicht zwangsläufig mit einer mangelnden Integration gleichzusetzen ist, sondern vielmehr als eine hilfreiche Strategie für den Umgang mit den Herausforderungen der Diaspora verstanden werden kann.
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