Lizentiatsarbeit, 2004
133 Seiten, Note: Sehr gut
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1. Soziale Bewegungen
2.2. Kurzer deskriptiver Exkurs des Begriffs „soziale Bewegung“
2.3. Neue soziale Bewegungen
2.4. Mobilisierung
2.5. Protestereignisse/Protestaktionen
2.6. Protestthemen
2.7. Aktionsformen
2.8. Identität und Kultur
3. Erkenntnisinteresse
4. Stand der Forschung zu Protestereignissen und Sozialen Bewegungen
4.1. Allgemeiner Überblick
4.2. Analyse von Protestereignissen im Überblick
4.3. Analyse von Protestereignissen in der Schweiz
5. Theorien der Bewegungsforschung
5.1 Historischer Überblick zur Entstehung und Entwicklung der Bewegungsforschung
5.2. Political Opportunity Structure (POS)
5.2.1. Politische Gelegenheitsstrukturen und soziale Bewegungen in der Schweiz
6. Untersuchte Komponenten der politischen Gelegenheitsstrukturen
6.1. Formelle institutionelle Strukturen
6.1.1. Zentralismus
6.1.2. Institutionalisierung direkt-demokratischer Verfahren
6.2. Informelle Strategien der Behörden
6.3. Machtkonstellation im Parteiensystem
7. Forschungsfragen
7.1. Unterschiede von Protestereignissen in den Kantonen
7.2. Kantonale Unterschiede bezüglich politischer Gelegenheitsstrukturen
8. Methodik
8.1. Methodik des ersten Datensatzes 1945-1978
8.2. Verzerrungen des Datenmaterials des ersten Datensatzes 1945-1978
8.3. Methodik des zweiten Datensatzes 1975-1989
8.4. Methodik des Datensatzes von Vatter
9. Befunde zu Protestereignissen und sozialen Bewegungen
9.1. Protesthäufigkeit in absoluten Zahlen
9.2. Protesthäufigkeit nach Deutsch- und Westschweiz
9.3. Protestindex der deutschen und welschen Schweiz
9.4. Aufteilung NSB & alte Protestformen
9.5. Zusammenhang Region und Protestthemen
9.5.1. Arbeiterproteste
9.5.2. Frauenproteste
9.5.3. Bauernproteste
9.5.4. Regionale Proteste
9.6. Neue soziale Bewegungen
9.6.1. Ökologieproteste
9.6.2. Friedensproteste
9.6.3. Solidaritätsproteste
9.6.4. Homosexuellen- und Autonomenproteste
9.7. Protestvolumen
9.8. Zusammenhang Region & Strategien
9.8.1. Konventionelle Strategien
9.8.2. Direkt-demokratische Strategien
9.8.3. Demonstrative Strategien
9.8.4. Konfrontative Strategien
9.9. Gewaltanwendung
9.10. Strategien und Themen
9.10.1. Zusammenhang Strategien und Themen (NSB) 1945-1978
9.10.2. Zusammenhang Strategien und Themen (NSB) 1975-1989
9.10.3. Zusammenhang Strategien und Themen (andere) 1945-1978
10. Überblick und Zusammenfassung der Befunde zu Protestereignissen und sozialen Bewegungen
10.1. Absolute Zahlen und Protestindices
10.2. Protestvolumen
10.3. Proteststrategie
10.4. Thema und Strategie
11. Befunde zu den politischen Opportunitätsstrukturen
11.1. Allgemeiner Überblick
11.1.1. Allgemeine Strukturdaten zu den Kantonen
11.1.2. Fünf Typologien kantonaler Demokratien
11.1.3. Demokratiekarte der Schweiz
11.2. Formelle Institutionelle Strukturen
11.2.1. Zentralismus
11.2.2. Institutionalisierung direkt-demokratischer Verfahren
11.3. Exkurs: Demokratieindex der Schweizer Kantone
11.3.1. Konstruktion der Demokratieindices
11.3.2. Befunde zu den Demokratieindices
11.4. Informelle Strategien der Behörden
11.5. Machkonstellationen in den Kantonen
12. Schlussbetrachtung der empirischen Befunde
13. Die Ursachen der politischen Institutionengefüge in den kantonalen Demokratien
14. Ausblick und weiterführende Fragestellung
15. Schlusswort
16. Literaturliste
17. Anhang / Codebuch
Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung und Erklärung der Unterschiede zwischen der Deutschschweiz und der Romandie hinsichtlich Form, Inhalt sowie Mobilisierungsgrad von sozialen Bewegungen und Protestereignissen für den Zeitraum von 1945 bis 1989. Dabei wird analysiert, inwieweit die Theorie der politischen Gelegenheitsstrukturen (POS) diese regionalen Unterschiede beeinflusst und erklären kann.
Die politischen Gelegenheitsstrukturen
Kriesi stellt in seiner Arbeit zu den politischen Gelegenheitsstrukturen fest: “In my view, social and cultural change become relevant for the mobilization of social movements only to the extent that they are mediated by politics.” (Kriesi 1995: 167) Um wirkliche Veränderungen zu bewirken, ist es letztlich unumgänglich, politische Forderungen zu stellen. Während RM- und Framing-Theorien vor allem auf das Handeln der Protestierenden fokussieren, wird hier die Aufmerksamkeit auf den politisch-institutionellen Kontext, in dem Bewegungen agieren, sowie auf ihre Interaktionen mit Verbündeten, Gegnern, staatlichen Kontrollorganen und Entscheidungsträgern gerichtet (vgl. Koopmans 1998: 222). Der POS-Ansatz wendet sich den – mal mehr, mal weniger günstigen – Umweltbedingungen sozialer Bewegungen zu, die vor allem politisch bestimmt werden (vgl. Hellmann 1998: 23). Die Frage ist, inwiefern diese Gelegenheiten günstig oder ungünstig für Protest und Mobilisierung sind, und dies vor allem im internationalen, in der vorliegenden Arbeit aber auch im regionalen Vergleich.
Die Idee der politischen Gelegenheitsstrukturen hat ihren Ausgangspunkt in einer Studie Eisingers von 1973. Die zentrale These lautet, „that the incidence of protest..is related to the nature of opportunity structure“ (Eisinger 1973, zit. nach Rucht 1998: 110). Er nahm eine Unterscheidung von offenen und geschlossenen Gelegenheitsstrukturen vor und operationalisierte sie durch formelle und informelle Indikatoren.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der sozialen Bewegungen in der Schweiz und Zielsetzung der Untersuchung.
2. Definitionen: Erläuterung der zentralen Fachbegriffe wie soziale Bewegung, neue soziale Bewegungen und Mobilisierung.
3. Erkenntnisinteresse: Darlegung der Relevanz der Untersuchung kantonaler Unterschiede im politischen Handeln.
4. Stand der Forschung zu Protestereignissen und Sozialen Bewegungen: Überblick über theoretische Ansätze und bisherige empirische Studien.
5. Theorien der Bewegungsforschung: Historischer Abriss und Einführung in zentrale Paradigmen sowie das POS-Konzept.
6. Untersuchte Komponenten der politischen Gelegenheitsstrukturen: Auswahl und Operationalisierung der Indikatoren für die empirische Analyse.
7. Forschungsfragen: Formulierung der zentralen Fragen zu kantonalen Unterschieden im Protestverhalten.
8. Methodik: Beschreibung der verwendeten Datensätze von Kriesi et al. und Vatter sowie der methodischen Vorgehensweise.
9. Befunde zu Protestereignissen und sozialen Bewegungen: Auswertung der empirischen Ergebnisse zu Häufigkeit, Themen und Strategien.
10. Überblick und Zusammenfassung der Befunde zu Protestereignissen und sozialen Bewegungen: Synthese der wichtigsten empirischen Erkenntnisse.
11. Befunde zu den politischen Opportunitätsstrukturen: Analyse der institutionellen Bedingungen in den Schweizer Kantonen.
12. Schlussbetrachtung der empirischen Befunde: Abschließende Diskussion der Ergebnisse im Kontext der POS-Theorie.
Soziale Bewegungen, Protestereignisse, Politische Gelegenheitsstrukturen, Schweiz, Kantone, Mobilisierung, Demokratie, Partizipation, Politik, Westschweiz, Deutschschweiz, Institutionen, Proteststrategie, Machtkonstellation.
Die Arbeit untersucht das unterschiedliche Protestverhalten der Bevölkerung in der Deutschschweiz und der Westschweiz zwischen 1945 und 1989 unter Berücksichtigung politischer und institutioneller Rahmenbedingungen.
Zu den Schwerpunkten gehören der Vergleich der Mobilisierungsgrade, die Unterscheidung zwischen alten und neuen sozialen Bewegungen sowie die Analyse der verwendeten Proteststrategien und ihrer institutionellen Ursachen.
Das Hauptziel ist es, regionale Unterschiede im Protestverhalten zwischen den beiden Sprachregionen zu identifizieren und diese anhand der Theorie der politischen Gelegenheitsstrukturen zu erklären.
Die Arbeit stützt sich auf eine Sekundäranalyse quantitativer Datensätze zu Protestereignissen (Kriesi et al.) sowie Daten zu politischen Strukturen in den Kantonen (Vatter).
Der Hauptteil widmet sich der empirischen Analyse von Protestereignissen, der Operationalisierung von POS-Komponenten (formelle Strukturen, Strategien, Machtkonstellationen) und der Überprüfung, wie diese die Protestaktivitäten in den Kantonen beeinflussen.
Soziale Bewegungen, politische Gelegenheitsstrukturen, Kantonsvergleich, Protestindex, direkte Demokratie und institutionelle Rahmenbedingungen.
Die Unterschiede resultieren aus der verschiedenen historischen Entwicklung sowie der politischen Kultur der Kantone, die durch unterschiedliche Zugangshürden bei Initiativen und Referenden die Beteiligungsmöglichkeiten der Bürger prägen.
Politische Parteien, insbesondere linke Parteien, dienen als potenzielle Verbündete für soziale Bewegungen. Die Arbeit zeigt jedoch auf, dass deren Unterstützung je nach Machtkonstellation und Regierungsbeteiligung in den Kantonen variiert.
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