Masterarbeit, 2014
71 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Henrik Ibsen: Nora (Ein Puppenheim)
2.1. Ibsens Stück, der historische Kontext und die Rezeption
2.2. Ibsens ästhetisches Verfahren
2.3. Männlichkeit und Weiblichkeit bei Ibsen
2.3.1. Die Konstruktion von Geschlecht
2.3.2. Figurenkonzeption
3. Elfriede Jelinek: „Was geschah nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte oder Stützen der Gesellschaften“
3.1. Jelineks gesellschaftskritische Position
3.2. Jelineks ästhetisches Verfahren
3.2.1. Intertextualität und Struktur
3.2.2. Sprache und Körper
3.2.3. Die Dekonstruktion von Alltagsmythen
3.3. Männlichkeit und Weiblichkeit bei Jelinek
4. Warum Nora in ihr Puppenheim zurückkehren musste
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht das emanzipatorische Potenzial in Henrik Ibsens "Nora (Ein Puppenheim)" und dessen Dekonstruktion durch Elfriede Jelineks Stück "Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte oder Stützen der Gesellschaften". Dabei wird analysiert, inwiefern Ibsens Stück als Emanzipationsmythos fungiert und wie Jelinek diesen durch eine marxistisch-feministische Perspektive sowie intertextuelle Montagetechniken entlarvt.
2.3.2. Figurenkonzeption
Zu Anfang des Stückes wird Nora als vergnügte und unbeschwerte junge Frau dargestellt, die sich auf die bevorstehende Gehaltserhöhung ihres Mannes freut, weil sie und Helmer sich dann etwas mehr „amüsieren“ können und nicht mehr „zu sparen brauchen“ (NP 6). Außerdem impliziert die Beförderung Helmers von einem durchschnittlichen Anwalt zum Direktor der Aktienbank nicht nur einen Aufstieg im finanziellen Bereich, sondern auch in Helmers männlicher Selbstachtung und der sozialen Stellung. Nora glaubt glücklich zu sein und in einer erfüllten Ehe zu leben: „Oh, die letzten acht Jahre sind wirklich eine glückliche Zeit für mich gewesen.“ (NP 11) Sie freut sich wie ein kleines Kind auf das bevorstehende Weihnachtsfest und ihre gute Laune scheint unerschütterlich. Diese freudvolle Stimmung wird noch nicht einmal durch ihren bevormundenden Gatten getrübt, sondern kippt erst, als ihre Jugendfreundin, die verwitwete Christine Linde, auftaucht.
Diese führte bis dahin ein mühevolles Leben in einer freud- und lieblosen Ehe an der Seite eines Mannes, dessen Antrag sie aus Pflichtbewusstsein annahm. Frau Linde, die mittlerweile unabhängig von einem Mann lebt, ist auf ihre eigene Versorgung angewiesen und deshalb auf der Suche nach Arbeit; eine Seltenheit zu Ibsens Zeit, in der alleinstehende Frauen entweder in ihrer eigenen oder als Hausmädchen in einer fremden Familie lebten, um ihre Versorgung zu sichern. Frau Linde ist eine alte Bekannte aus Noras Vergangenheit und wird zu Noras Vertrauten, da sie durch ihre eigene, schwere Lebensgeschichte, also als Gegenentwurf zu Nora, in Nora das Bedürfnis auslöst, von ihren eigenen Schwierigkeiten zu erzählen und klarzustellen, dass auch sie es nicht immer leicht hatte. So vertraut Nora ihr das Geheimnis ihres Schuldscheins und ihrer Opferbereitschaft für ihren Mann an.
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die beiden Theaterstücke vor und formuliert das Ziel, Ibsens Emanzipationsmythos im Kontrast zu Jelineks pessimistischer Dekonstruktion zu untersuchen.
2. Henrik Ibsen: Nora (Ein Puppenheim): Dieses Kapitel analysiert Ibsens Werk im historischen Kontext, sein ästhetisches Verfahren sowie die Konstruktion von Männlichkeit und Weiblichkeit.
3. Elfriede Jelinek: „Was geschah nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte oder Stützen der Gesellschaften“: Hier wird Jelineks marxistisch-feministische Perspektive, ihr Einsatz von Intertextualität und ihre Kritik am patriarchalen Kapitalismus detailliert untersucht.
4. Warum Nora in ihr Puppenheim zurückkehren musste: Dieses Kapitel führt die Ergebnisse zusammen und begründet Jelineks pessimistisches Ende, in dem Nora trotz Emanzipationsversuch in bestehende Strukturen zurückfällt.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Untersuchung zusammen und resümiert, dass Nora bei Jelinek aufgrund des kapitalistischen Systems und mangelnder politischer Weitsicht scheitern muss.
Henrik Ibsen, Elfriede Jelinek, Nora, Emanzipation, Feminismus, Patriarchat, Kapitalismus, Geschlechterrolle, Dekonstruktion, Alltagsmythen, Intertextualität, Montage, Identität, Sprache, Männlichkeit
Die Arbeit analysiert den Kontrast zwischen Henrik Ibsens Theaterstück "Nora (Ein Puppenheim)" und der Fortsetzung von Elfriede Jelinek, um die Mechanismen der Emanzipation und deren Scheitern im kapitalistischen System aufzuzeigen.
Zentral sind die kritische Auseinandersetzung mit bürgerlichen Rollenbildern, der Einfluss von ökonomischen Strukturen auf das Individuum und die Dekonstruktion von gesellschaftlich etablierten Mythen.
Das Ziel ist es, zu hinterfragen, warum Ibsens Nora als emanzipatorisches Vorbild diente, während Jelineks Nora diesen Mythos in einem unbedingten Pessimismus auflöst und entlarvt.
Die Arbeit nutzt eine detaillierte Inhalts- und Formanalyse, ergänzt durch Ansätze der Geschlechterforschung sowie marxistische und zeichentheoretische Analysen, insbesondere nach Roland Barthes.
Der Hauptteil beleuchtet detailliert Ibsens Ästhetik und die Figurenkonzeption seines Stückes sowie Jelineks intertextuelles Verfahren, ihre Montagetechnik und die politische Intention ihrer Adaption.
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Emanzipation, Kapitalismus, Patriarchat, Gender Studies, Mythen dekonstruktion und Sprachkritik.
Bei Jelinek dient Nora nicht als psychologisch motivierte Figur, sondern als "Sprachfläche" und Zitat, um aufzuzeigen, dass eine Frau innerhalb eines patriarchalen, kapitalistischen Gefüges kaum echte Autonomie gewinnen kann.
Bei Ibsen symbolisiert es die eingeengte, bürgerliche Welt Noras; bei Jelinek wird diese Welt durch das ökonomische System erweitert, in dem Nora auch nach ihrem Verlassen des Zuhauses gefangen bleibt.
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