Diplomarbeit, 2004
128 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
1.1 Aufbau der Arbeit
1.2 Das Religionssoziologische dieser Arbeit
2 Methode
2.1 Talcott Parsons Kausalitätskonzept und Robert Mertons Dysfunktionalität
2.2 Niklas Luhmann – Entwicklung der funktionalen Methode
2.3 Die Anwendung der funktionalen Methode zur Auswertung der teilnehmenden Beobachtungsprotokolle
2.4 Beobachtung
2.4.1 Beobachtung erster Ordnung
2.4.2 Beobachtung zweiter Ordnung
2.4.3 Untersuchung der teilnehmenden Beobachtungsprotokolle – eine Beobachtung zweiter Ordnung
2.4.4 Die wissenschaftliche Perspektive dieser Arbeit
3 Medizinsoziologische Entwicklungen
3.1 Die Medizin als Profession
3.1.1 Die klassische Rolle des Arztes
3.1.1.1 Universalismus
3.1.1.2 Funktionale Spezifität
3.1.1.3 Affektive Neutralität
3.1.1.4 Kollektivitätsorientierung
3.1.1.5 Leistungsorientierung
3.1.2 Arzt-Patienten-Beziehung
3.1.3 Pflege-Patienten-Beziehung
3.1.4 Arzt-Patienten-Beziehung versus Pflege-Patienten-Beziehung
3.1.5 Die Exklusion der menschlichen Seite des Patienten
3.2 Deprofessionalisierung der Medizin
3.2.1 Der Patient als Mensch
3.2.2 Auswirkungen der Deprofessionalisierung auf die Arzt-Patienten-Beziehung
3.2.3 Entstehung einer neuen Ethik in der Medizin
3.2.4 Die Auswirkungen der Legitimationskrise der Medizin auf die Organisation Krankenhaus
4 Paternalismus versus Patientenautonomie
4.1 Paternalismus
4.1.1 Starker Paternalismus
4.1.2 Neopaternalismus
4.1.3 Kriterien der ärztlichen Dominanz
4.1.3.1 Macht als Ausdrucksmedium der ärztlichen Dominanz
4.1.3.2 Autorität als positive Ausdrucksform der ärztlichen Dominanz
4.1.4 Individualisierung
4.2 Patientenautonomie
4.2.1 Verschiedene Arten der Patientenautonomie
4.2.1.1 Patientenverfügungen
4.2.1.2 Patientenbetreuer
4.2.2 Zusammenfassung der Funktion der Patientenautonomie
5 Klinisches Ethikkomitee
5.1 Zielsetzung eines Ethikkomitees
5.2 Zusammensetzung eines Ethikkomitees
5.3 Funktionsweise eines Ethikkomitees
5.4 Welche Ethik wird in einem Ethikkomitee vertreten?
5.5 Das Verfahren eines Ethikkomitees aus soziologischer Sicht
5.6 Erhaltung der sozialen Ordnung
6 Untersuchung der Beobachtungsprotokolle
6.1 Problem: Die falsche Entscheidung (Sachdimension)
6.2 Lösungsmöglichkeiten für die Umsetzung der falschen Entscheidung
6.2.1 Patientenverfügungen
6.2.1.1 Patientenverfügung – Transparenz des Patientenwillens
6.2.1.2 Patientenverfügung - Rechtfertigung vor den Angehörigen
6.2.2 Schriftliche Fixierung des Patientenwillens – rechtlicher Beweis
6.2.3 Aufklärung als Voraussetzung für die Entscheidungsfindung des Patienten
6.3 Problem: Die falsche Beziehung (Sozialdimension)
6.3.1 Das Fürsorgeprinzip der Pflege
6.3.2 Ärzte als Techniker
6.3.3 Lösungsmöglichkeiten für die sozialdimensionalen Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Patientenautonomie
6.3.3.1 Das gute Gespräch des Seelsorgers
6.3.3.2 Die Würde des Patienten als höchstes Gebot
6.4 Problem: Der falsche Zeitpunkt (Zeitdimension)
6.4.1 Die Notfallsituation als falscher Zeitpunkt
6.4.2 Die körperliche Stabilität als Lösung
6.4.3 Der falsche Zeitpunkt der Aufklärung über Patientenverfügungen
6.5 Die Beachtung der Person als Lösung für die Probleme der Umsetzung der Patientenautonomie
6.6 Die Funktion des klinischen Ethikkomitees in der ethischen Kommunikation
6.6.1 Die „helle Seite“ des Ethikkomitees
6.6.1.1 Ethikkomitee als Raum zur Kommunikation und Entscheidungsfindung
6.6.1.1.1 Ganzheitliche Kommunikation
6.6.1.1.2 Interdisziplinarität
6.6.1.1.3 Gute Entscheidungsfindung qua Verfahren
6.6.1.2 Das Ethikkomitee als Instanz zur Feststellung von Krisensymptomen im Krankenhaus
6.6.1.2.1 Die Zeit ist das Problem
6.6.1.2.2 Kommunikations- und Hierarchisierungsprobleme unter dem Klinikpersonal
6.6.1.2.3 Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Arzt und Patient
6.6.1.2.4 Probleme im Umgang mit dem Patienten
6.6.2 Die „dunkle Seite“ des Ethikkomitees
6.6.2.1 Das Nicht-Bezeichnete
6.6.2.2 Dysfunktionen des Ethikkomitees
6.6.2.2.1 Einschränkung der Kommunikation durch Erhalt der krankenhausinternen Hierarchie
6.6.2.2.2 Zu wenig Ethik
6.6.2.2.3 Häufige Absenzen
6.6.3 Das Ethikkomitee als Förderer der Patientenautonomie
6.7 wissenschaftliches Arbeiten: Entdecken von Strukturen, die den Praktikern verborgen bleiben
7 Auswirkungen der Wissenskluft zwischen Arzt und Patient aus soziologischer Sicht
8 Literaturverzeichnis
Die Arbeit untersucht die Funktion der Patientenautonomie innerhalb der ethischen Kommunikation in klinischen Ethikkomitees. Ziel ist es zu analysieren, wie der autonome Patient im Krankenhauskontext thematisiert wird, welche Problemlösungspotenziale die Patientenautonomie bietet und wie Ethikkomitees als Instanz zur Bewältigung von Konflikten und zur Erhaltung der sozialen Ordnung fungieren.
Die Exklusion der menschlichen Seite des Patienten
Nachdem die „pattern variables“ des Arztes und die Arzt-Patienten-Beziehung beschrieben wurde, fällt auf, dass in der Medizin als Profession für jemanden kein Platz ist. Denn obwohl die Pflichten, die Parsons einem guten Arzt zuschreibt, alle plausibel erscheinen, lässt sich keine dem Umgang mit dem Patient als Menschen zuordnen. So schreibt Vogd: „Professionalisierung heißt in diesem Sinne auch, dass für die Medizin nun gerade nicht der ganze Mensch im Zentrum des Handelns steht, sondern der spezifische Leistungsvollzug überwiegend organbezogener Diagnosen und Therapien“ (Vogd, 2002: 289).
Dem Arzt wird also keine Handlungsalternative für die Situation geboten, dass der Patient menschlich wird und nicht nur ein Fall bleibt, der sich dem Arzt völlig ausliefert und alles über sich ergehen lässt, weil der Arzt ihm sagt, dass es so am besten ist. Welche Verhaltensalternative bietet sich dem Arzt, wenn der Patient seine Meinungen und seine Ängste zu Therapievorschlägen äußert und sich dem Arzt nicht meinungslos unterwirft? Was passiert, wenn sich der Patient autonom verhält und sein Recht auf Selbstbestimmung geltend macht? Worauf kann der Arzt zurückgreifen, wenn sein Expertenwissen nicht mehr ausreicht, um den Patienten von einer Therapie zu überzeugen? Dies lässt sich anhand Parsons Darstellung des klassischen Arztes nicht beantworten. Die Frage, die sich hier stellt, ist, welche Entwicklung die Medizin vollzogen hat, dass eine Erweiterung der Fähigkeiten des Arztes notwendig sind. Warum kann ein Arzt nicht mehr nur die „pattern variables“ erfüllen, um im System Medizin bestehen zu können? Da diese Variablen in der Medizin als Profession funktionierten, könnte die Notwendigkeit der Erweiterungen der Fähigkeiten des Arztes auf eine Deprofessionalisierung der Medizin hinweisen.
1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich der Auswirkungen und Konfliktpotenziale des autonomen Patienten auf die Organisation Krankenhaus.
2 Methode: Erläuterung der funktionalen Analyse als Forschungsansatz sowie der Bedeutung der Beobachtung zweiter Ordnung für die Auswertung empirischer Protokolle.
3 Medizinsoziologische Entwicklungen: Analyse der Transformation der Arztrolle und der medizinischen Profession sowie die daraus resultierende Notwendigkeit für neue ethische Kommunikationsformen.
4 Paternalismus versus Patientenautonomie: Konträre Gegenüberstellung der beiden Therapieansätze und Klärung der Begriffe im Kontext sich wandelnder gesellschaftlicher Anforderungen.
5 Klinisches Ethikkomitee: Skizzierung der Funktionsweise, Zusammensetzung und Zielsetzung von Ethikkomitees als beratende Instanzen in medizinischen Grenzsituationen.
6 Untersuchung der Beobachtungsprotokolle: Detaillierte Analyse der ethischen Kommunikation in Ethikkomitees anhand von Problem- und Lösungsdimensionen wie Sach-, Sozial- und Zeitdimension.
7 Auswirkungen der Wissenskluft zwischen Arzt und Patient aus soziologischer Sicht: Reflektion über das Experten-Laien-Wissensverhältnis und dessen Rolle als Motor für gesellschaftliche Veränderungsprozesse im Gesundheitswesen.
8 Literaturverzeichnis: Umfassende Auflistung der verwendeten theoretischen und empirischen Quellen.
Patientenautonomie, Paternalismus, Medizinsoziologie, Ethikkomitee, Krankenhaus, Systemtheorie, Arzt-Patienten-Beziehung, Entscheidungsfindung, professionelle Autonomie, Beobachtung zweiter Ordnung, Patientenverfügung, Krisenmanagement, klinische Ethik, Kommunikation, Sozialordnung.
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Untersuchung der Rolle und Funktion des autonomen Patienten in der modernen Medizin, insbesondere im Kontext der ethischen Kommunikation innerhalb von Krankenhaus-Ethikkomitees.
Zu den zentralen Themen gehören der Wandel von paternalistischen zu autonomieorientierten Behandlungsansätzen, die professionelle Identität des Arztes, die Analyse von Kommunikationsstrukturen im Krankenhaus sowie die Funktion von Ethikkomitees.
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Patientenautonomie in der ethischen Kommunikation klinischer Ethikkomitees thematisiert wird und welchen Beitrag diese Gremien zur Entlastung der Klinikorganisation und zur Bewältigung von Entscheidungsdilemmata leisten.
Die Arbeit nutzt schwerpunktmäßig die funktionale Analyse nach Niklas Luhmann, kombiniert mit einer Perspektive der Beobachtung zweiter Ordnung, um die Dynamiken in klinischen Ethikkomitees zu untersuchen.
Der Hauptteil analysiert medizinsoziologische Entwicklungen, vergleicht Paternalismus und Patientenautonomie, beleuchtet die Funktionsweise von Ethikkomitees und wertet 25 Beobachtungsprotokolle aus, um Problemkonstellationen und Lösungsstrategien der Kommunikation im Klinikalltag zu identifizieren.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Patientenautonomie, Paternalismus, Medizinsoziologie, klinisches Ethikkomitee und systemtheoretische Analyse charakterisieren.
Es wird als Asymmetrie zwischen Experten- und Laienwissen beschrieben, die durch institutionelle Zwänge und Zeitmangel im Klinikalltag verstärkt wird, wobei die Patientenautonomie als Faktor auftritt, der diese gewohnten Strukturen herausfordert.
Das Ethikkomitee fungiert als Raum zur Kommunikation für ethische Grenzsituationen und als Legitimationsinstanz für schwierige Behandlungsentscheidungen, um die stabile Ordnung im Krankenhaus trotz aufkommender Konflikte zu erhalten.
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