Bachelorarbeit, 2015
21 Seiten, Note: A
1. Einleitung
2. Anna Seghers im Exil
3. Der Ausflug der toten Mädchen
3.1. Handlung
3.2. Die Erzählerin vor dem Ausflug
4. Freunde und Feinde
4.1 Leni und Marianne
4.2 Die Mädchen und die jüdische Lehrerin
4.3 Misstrauen
4.4 Krieg
5. Heimat
5.1 Die Landschaft
5.2 Verbundenheit
5.3 Mainz
5.4 Die Toten bleiben jung
6. Die Erzählung im Kontext anderer Texte Anna Seghers
7. Zusammenfassung
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht Anna Seghers' Erzählung "Der Ausflug der toten Mädchen" vor dem Hintergrund der persönlichen Krise der Autorin im Exil und ihrer Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus sowie dem Zweiten Weltkrieg. Im Zentrum steht die Analyse, wie Seghers durch autobiographische Elemente und die Verknüpfung von Zeitebenen zentrale Fragen nach Schuld, Erinnerung und der Möglichkeit eines Neuanfangs stellt.
4.1 Leni und Marianne
Wie es möglich war, dass frühere Vertraute zu Verrätern, Freunde zu Feinden werden konnten, beleuchtet die Ich-Erzählerin exemplarisch an ihren „zwei besten Schulfreundinnen“ (S. 10). Diese erkennt sie zuerst auf einer Schaukel sitzend, später teilen sich die beiden Stuhl und Kaffeetasse (S. 15). Sie bereitet die Leser auf die fatale Entwicklung vor, indem sie andeutet, dass „grimmige[n] Vorfälle“ Lenis „Leben verdorben hatten“ (S. 10) und dass Marianne keinerlei „ […] Zeichen von Herzlosigkeit […], von Verschulden oder Gewissenskälte“ (S. 12) anzusehen waren.
Sie kann es nicht fassen:
Mir kam jetzt alles unmöglich vor, was man mir über die beiden erzählt und geschrieben hatte. Wenn Marianne so vorsichtig die Schaukel für Leni festhielt und ihr mit soviel Freundschaft und soviel Behutsamkeit die Halme aus dem Haar zupfte und sogar ihren Arm um Lenis Hals schlang, dann konnte sie sich unmöglich mit kalten Worten später schroff weigern, Leni einen Freundschaftsdienst zu tun. Sie konnte unmöglich die Antwort über die Lippen bringen, sie kümmere sich nicht um ein Mädchen, das irgendwann, irgendwo einmal zufällig in ihre Klasse gegangen sei. Ein jeder Pfennig, an Leni und ihre Familie gewandt, sei herausgeworfen, ein Betrug am Staat (S. 12).
1. Einleitung: Die Einleitung bettet die Erzählung in den literaturwissenschaftlichen Kontext ein und erläutert die autobiographische Relevanz sowie die zentrale Forschungsfrage.
2. Anna Seghers im Exil: Dieses Kapitel beleuchtet die schwierige Lebenssituation der Autorin während ihres Exils, geprägt von Flucht, persönlichen Verlusten und gesundheitlichen Rückschlägen.
3. Der Ausflug der toten Mädchen: Das Kapitel beschreibt die Struktur der Erzählung mit ihrer Rahmen- und Binnenhandlung sowie die symbolische Bedeutung des Beginns.
4. Freunde und Feinde: Hier wird die zentrale Problematik des Wandels von Vertrauten zu Verrätern anhand konkreter Figuren und der moralischen Schuld analysiert.
5. Heimat: Dieses Kapitel widmet sich dem ambivalenten Begriff der Heimat, der Sehnsucht der Erzählerin und der symbolischen Aufladung der Landschaft und Stadt Mainz.
6. Die Erzählung im Kontext anderer Texte Anna Seghers: Ein Vergleich mit anderen Werken der Autorin zeigt die Beständigkeit ihrer zentralen Themen und ihre Auffassung vom Schreiben auf.
7. Zusammenfassung: Das Kapitel resümiert die Erkenntnisse zur bewältigten Krise der Autorin und die Bedeutung des Erinnerns für eine zukünftige Gesellschaft.
Anna Seghers, Der Ausflug der toten Mädchen, Exilliteratur, Zweiter Weltkrieg, Nationalsozialismus, Erinnerung, Schuld, Heimat, Identität, Autobiographik, Antifaschismus, Freundschaft, Frauenfiguren, moralische Verantwortung, Bewältigung
Die Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der Erzählung "Der Ausflug der toten Mädchen" von Anna Seghers und analysiert deren inhaltliche und formale Gestaltung im Kontext der Exilerfahrung der Autorin.
Zu den Schwerpunkten zählen der Umgang mit der NS-Herrschaft und dem Krieg, das Spannungsfeld zwischen persönlicher Vergangenheit und politischer Gegenwart sowie Fragen von Schuld, Freundschaft und Heimat.
Ziel ist es, nachzuzeichnen, mit welchen Fragen sich Seghers in der Erzählung auseinandersetzt und wie diese Auseinandersetzung in Verhältnis zu ihrer persönlichen Entscheidung zum Weiterleben steht.
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Textanalyse, die sowohl den inhaltlichen Gehalt als auch die erzähltechnischen Mittel (wie die Verschachtelung von Zeitebenen) unter Einbeziehung biographischer und historischer Kontexte untersucht.
Im Hauptteil werden die Handlungsstruktur, zentrale Figurenbeziehungen wie die zwischen Leni und Marianne, die Problematik des Antisemitismus und die Bedeutung von Heimat und Landschaft detailliert analysiert.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Anna Seghers, Exilliteratur, Schuld, Erinnerung, Heimat, Antifaschismus und die moralische Verantwortung des Individuums.
"Das Nichts" symbolisiert für die Autorin die Fassungslosigkeit angesichts der totalen Zerstörung durch Krieg und Nationalsozialismus und fungiert als Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Mädchen.
Die wiederholte Nennung der Nelke im Mund von Marianne wird als Widerstandssymbol gedeutet, durch das Seghers ihren Glauben an das menschliche Potenzial und an die Möglichkeit unverbrüchlicher Freundschaft aufrechterhalten möchte.
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