Masterarbeit, 2012
100 Seiten, Note: 6,0 (1,0 in D)
1. Einführung
1.1 Das Alter – ein aktuelles Thema
1.2 Das Ziel der Arbeit
1.3 Alttestamentliche Altersvorstellungen als Gegenstand der alttestamentlichen Anthropologie
1.4 Das methodische Vorgehen und die Gliederung
2. Das Alter und die Lebenserwartung im Alten Israel
2.1 Die Begrifflichkeit
2.2 Der Lebensabschnitt Alter
2.3 Die Lebenserwartung
3. „Ehe die Tage des Übels kommen…“ Zum Verständnis von Alter in Kohelet 11,7-12,8
3.1 Abgrenzung, Aufbau und Übersetzung
3.2 Das Alter in Kohelet 11,7-12,8 als „Tage des Übels“?
3.2.1 Zwei Aufrufe zur Freude (11,7-10)
3.2.1.1 „Denn wenn der Mensch viele Jahre lebt, soll er sich in allen von ihnen freuen.“ (11,7f.)
3.2.1.2 „Freue dich, junger Mann, in deiner Jugend…“ (11,9f.)
3.2.2 Alter und Tod (12,1-7)
3.2.2.1 „Und denke an deine(n) Schöpfer in den Tagen deiner Jugend…“ (12,1a)
3.2.2.2 „Tage des Übels“ (12,1b)
3.2.2.3 Verfinsterung und wiederkehrende Wolken (12,2)
3.2.2.4 Das Alter und der Weg ins Grab (12,3-5)
3.2.2.5 Die Kostbarkeit des Lebens angesichts des Todes (12,6)
3.2.2.6 Zurück zum Ursprung (12,7)
3.2.2.7 „Windhauch…“ (12,8)
3.3 Fazit
4. Altersvorstellungen im Koheletbuch
4.1 Altersvorstellungen in Koh 4,13 und Koh 6,3
4.2 Die Freude als zentrales Gut auch im Alter
4.3 Fazit
5. Altersvorstellungen im Alten Testament vor dem Hintergrund von Altersvorstellungen im Koheletbuch
5.1 Der alte Mensch im Pentateuch und in den Geschichtsbüchern
5.1.1 Physische und kognitive Veränderungen im Alter
5.1.2 Das hohe Alter als Segen
5.1.3 Die soziale Rolle und die Versorgung der alten Menschen
5.2 Der alte Mensch in den Prophetenbüchern
5.3 Der alte Mensch in den Weisheitsbüchern
5.3.1 Die Weisheit und das Alter
5.3.2 Die Verehrung der alten Menschen
5.3.3 Die Unabhängigkeit von Weisheit und Alter
5.4 Der alte Mensch in den Psalmen
5.5 Fazit
6. Schlussfolgerungen
6.1 Zusammenfassung
6.2 Ausblick
Die vorliegende Masterarbeit untersucht das Phänomen des Alters im Alten Testament, wobei ein besonderer Fokus auf dem Buch Kohelet (insbesondere Kohelet 11,7-12,8) liegt, um ein fundiertes Verständnis der alttestamentlichen Altersvorstellungen zu gewinnen und diese für den gegenwärtigen Diskurs über das Altern in der Gesellschaft fruchtbar zu machen.
3.2.2.3 Verfinsterung und wiederkehrende Wolken (12,2)
Die „Tage des Übels“ werden gemäss PABST in 12,2 zunächst einmal mit Hilfe von Naturphänomenen geschildert: Die Sonne, der Mond und die Sterne verfinstern sich, was auf einen Verlust des Lichts bei Tag und bei Nacht hindeutet. Auch die nach dem Regen wiederkehrenden Wolken beschreiben einen Verlust von Licht.290 Über die Bedeutung dieser Bilder herrscht jedoch in der Forschung Uneinigkeit: KRÜGER erkennt in V. 2 mehrere Bedeutungsebenen: (1) Kosmologie bzw. Meteorologie: Winter – Unwetter; (2) Anthropologie: Unglück, Alter, Tod; Theologie: Gericht Gottes: (a) individuell: Untergang eines Frevlers, (b) kollektiv bzw. universal: Weltgericht – Weltuntergang.291
Diese unterschiedlichen Interpretationen werden im Folgenden entsprechend der Bedeutungsebenen nach FOX betrachtet:
PABST äussert in Bezug auf eine wortgetreue Interpretation, dass bei der Beschreibung in 12,2 nicht von einem punktuellen Ereignis, wie zum Beispiel einem Gewitter, ausgegangen werden kann, sondern von einer längeren Periode. Sie erkennt deshalb hier, ebenso wie LAUHA, die meterologischen Schilderung eines Winters in Palästina, in welchem die Sonne fortwährend von Wolken verdeckt ist und ein Regenschauer dem anderen folgt. LAUHA stellt sogleich eine Verbindung zum Thema Alter her:292
„Wie die heitere Frühlings- und Sommerzeit von der rauhen Herbst- und Winterperiode abgelöst wird, so die süße Jugendzeit vom finsteren Alter.“293
Sogar bei einer wörtlichen Interpretation des Textes, so FOX, muss 12,2 metaphorisch verstanden werden. In 12,2 wird das Licht des Lebens von 11,7 ausgelöscht:294
„The day the lights go out is ‚the day when’ all that is described in 12:3-7 happens, and that is the time of death and the funeral.“295
1. Einführung: Diese Einleitung führt in die demographische Relevanz des Themas Alter ein und formuliert das Ziel, durch die Analyse alttestamentlicher Texte eine Grundlage für einen theologischen Diskurs über das Alter zu schaffen.
2. Das Alter und die Lebenserwartung im Alten Israel: Dieses Kapitel klärt die hebräischen Begrifflichkeiten für das Alter sowie die Bestimmung des Lebensabschnitts „Alter“ und setzt sich kritisch mit der Lebenserwartung im Alten Israel auseinander.
3. „Ehe die Tage des Übels kommen…“ Zum Verständnis von Alter in Kohelet 11,7-12,8: Die zentrale Perikope wird strukturiert, übersetzt und detailliert analysiert, um die Kohelet’sche Sicht auf das Alter in ihrem Spannungsfeld zwischen Freude und Vergänglichkeit zu erschließen.
4. Altersvorstellungen im Koheletbuch: Das Kapitel erweitert die Untersuchung auf das gesamte Buch Kohelet und prüft anhand spezifischer Textstellen die Relativierung traditioneller Weisheitsvorstellungen bezüglich des Alters.
5. Altersvorstellungen im Alten Testament vor dem Hintergrund von Altersvorstellungen im Koheletbuch: Eine breite Analyse der verschiedenen alttestamentlichen Schichten (Pentateuch, Propheten, Weisheit, Psalmen) gibt Einblicke in die vielfältigen, teils widersprüchlichen Konzepte vom Altern im Alten Israel.
6. Schlussfolgerungen: Dieses abschließende Kapitel fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und wagt einen Ausblick auf die Relevanz dieser biblischen Perspektiven für aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen.
Alter, Altern, Kohelet, Altes Testament, Lebensabschnitte, Historische Anthropologie, Lebensfreude, Vergänglichkeit, Weisheit, Tun-Ergehens-Zusammenhang, soziale Fürsorge, Generationen, Tod, Eschatologie, Lebensqualität.
Die Arbeit untersucht die Altersvorstellungen im Alten Testament. Sie analysiert, wie biblische Texte, insbesondere das Buch Kohelet, das Altern, die damit verbundenen Lebensphasen und die Stellung alter Menschen in der damaligen Gesellschaft bewerten.
Zentral sind die Begrifflichkeiten für Alter, die reale Lebenserwartung im antiken Israel, die Verbindung von Alter mit Segen oder Weisheit sowie der soziale Umgang mit dem Altern.
Ziel ist es, Einblicke in das alttestamentliche Menschenbild hinsichtlich des Alterns zu gewinnen, um eine Grundlage für den aktuellen Diskurs über die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft zu schaffen.
Die Arbeit bewegt sich im Feld der Historischen Anthropologie innerhalb der Theologie. Sie analysiert biblische Texte in ihrem historischen Kontext und reflektiert diese im Spannungsfeld zwischen der damaligen Lebenswelt und heutigen anthropologischen Fragestellungen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine exegetische Analyse der Perikope Kohelet 11,7-12,8 sowie eine umfassende Untersuchung der Altersvorstellungen im gesamten Alten Testament, inklusive des Pentateuchs, der Prophetenbücher, der Weisheitsliteratur und der Psalmen.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Alter, Kohelet, Lebensfreude, Vergänglichkeit, Tun-Ergehens-Zusammenhang, soziale Fürsorge und historische Anthropologie geprägt.
Kohelet 11,7-12,8 stellt die einzige Stelle im Alten Testament dar, an der das Alter über einen längeren Textabschnitt hinweg zusammenhängend reflektiert wird. Es dient daher als idealer Ausgangspunkt für die gesamte Untersuchung.
Die Texte sind ambivalent: Einerseits wird das Alter als Zeit des Verlustes physischer Kräfte geschildert, andererseits wird es als Teil des Lebens akzeptiert. Kohelet etwa relativiert das Ideal eines „langen Lebens“ und betont, dass Lebensfreude unabhängig vom Alter im Hier und Jetzt geschehen muss.
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