Magisterarbeit, 2001
97 Seiten, Note: 2
I. Einleitung
II. Die Entstehungszusammenhänge des Vortrages
II.1. Der wissenschaftliche Werdegang Troeltschs bis zur Erlangung des Lehrstuhls in Heidelberg
II.2. Erste Schriften in Heidelberg
II.3. Die Universität Heidelberg und ihre theologische Fakultät
II.4. Troeltsch und der "Mythos von Heidelberg"
III. Methodologie, Theorien und Begriffe
III.1. Der "Historismus und seine Krise"
III.2. Die "Werturteilsfreiheit"
III.3. Die "Systematische Theologie"
III.4. Der ideenpolitische Begriff "Säkularisation"
IV. Der Vortrag "Die Bedeutung des Protestantismus für die Entstehung der modernen Welt"
IV.1. Einleitung - Die Bedeutung der Historie für die Gegenwart
IV.2. Der Begriff "Moderne Welt"
IV.3. Der Begriff "Protestantismus"
IV.4. Der Übergang in die Moderne Welt - oder die Auflösung des Corpus Christianum
IV.5. Die Einwirkungen des Protestantismus auf die gesellschaftlichen und staatlichen Strukturen der entstehenden Modernen Welt
IV.6. Das Verhältnis der protestantischen Religiösität zur modernen Religion
V. Die Wirkungsgeschichte des Vortrages
V.1. Die unmittelbare Bewertung des Vortrages
V.2. Die spätere Bewertung der Person und Werke Troeltschs
V.3. Religionssoziologie und Kulturprotestantismus
VI. Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht den von Ernst Troeltsch gehaltenen Vortrag "Die Bedeutung des Protestantismus für die Entstehung der modernen Welt" sowie dessen Vor- und Wirkungsgeschichte. Das primäre Ziel ist es, ein Bild Troeltschs und seiner wissenschaftlichen Standpunkte zur Zeit des Vortrages (1906) zu zeichnen, das von späteren Deutungen gereinigt ist, und den Zusammenhang zwischen protestantischem Denken und der Entstehung moderner gesellschaftlicher Strukturen zu analysieren.
IV.2. Der Begriff "Moderne Welt"
Nachdem Troeltsch in seiner Einleitung die Bildung eindeutiger Begriffe betont hatte, baute er nachfolgend darauf auf und ging zur Klärung eines seiner Meinung nach "oft gedankenlos genug behandelten historischen Allgemeinbegriffes" über. Gemeint ist hier der Begriff der Modernen Welt, der zeitgenössisch für die europäisch-amerikanische Kultur stand. Troeltsch äußerte seine Bedenken gegenüber dem Wort "Modern". Es sei ungeeignet, eine bestimmte Kultureinheit in seinem zeitlichen Rahmen absolut definieren zu können. Eher sei es seine Eigenheit, einen beständigen Kampf zwischen neueren und älteren Mächten, bzw. Strukturen kennzeichnen zu wollen. Das sei aber nicht ganz einfach, da die Übergänge zwischen Kultureinheiten eigentlich fließend sind und erst im Nachhinein geordnete Kräfte erkannt werden können. Aber auch in diesen Fällen sind es eher negative Abhebungen, wie auch die europäisch-amerikanische Kultur eher durch ihre Gegensätze und Neuschöpfungen von ihrer Vorgängerin, evtl. Vorgängerinnen zu trennen sei. (Fischer, S. 21f.)
Troeltsch beschrieb als Vorgängerin der Modernen Kultur die Kirchliche Kultur, die seiner Meinung nach "auf dem Glauben an eine absolute und unmittelbar göttliche Offenbarung und auf der Organisation dieser Offenbarung in der Erlösungs- und Erziehungsanstalt der Kirche beruhte." Mit dieser Kirche meint er die im 4. Jahrhundert entstandende Reichskirche, die er für das Ende der Antike mitverantwortlich machte. Der äußere Bau dieser Kirche wurde durch die Übernahme des römischen Verwaltungssystems und dessen autoritärer Struktur gesichert, während innerlich der Glaube an die direkte Führung durch Gott ausschlaggebend wurde. Dieser Glaube erzeugte ein Kulturideal, indem Gott, seine Gesetze und seine Kraft allein maßgebend wurden und welches somit das gesamte europäische Mittelalter prägen konnte. Aufgabe der Kirche sollte es nun sein, übernatürlich-göttliche und natürlich-weltlich-menschliche Ziele zu verbinden.
I. Einleitung: Vorstellung des Vortragskontextes auf dem IX. Deutschen Historikertag 1906 und der Zielsetzung der Arbeit.
II. Die Entstehungszusammenhänge des Vortrages: Darstellung des Werdegangs von Ernst Troeltsch, seines Umfelds an der Universität Heidelberg und seiner Verbindung zu Max Weber.
III. Methodologie, Theorien und Begriffe: Untersuchung der wissenschaftlichen Rahmenbedingungen, inklusive Historismus, Werturteilsfreiheit, Systematischer Theologie und dem Begriff der Säkularisation.
IV. Der Vortrag "Die Bedeutung des Protestantismus für die Entstehung der modernen Welt": Detaillierte Analyse des Vortragstextes, seiner Begriffsdefinitionen und der Argumentation hinsichtlich des Einflusses des Protestantismus auf die Moderne.
V. Die Wirkungsgeschichte des Vortrages: Diskussion der unmittelbaren Reaktionen, der späteren Rezeption der Person Troeltschs und seiner Rolle im Kulturprotestantismus.
VI. Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der Erkenntnisse über Troeltschs Denken und die Bedeutung seiner Thesen.
Ernst Troeltsch, Protestantismus, Moderne Welt, Historismus, Kulturprotestantismus, Max Weber, Religionssoziologie, Systematische Theologie, Säkularisation, Christentum, Calvinismus, Luthertum, Werturteilsfreiheit, Idealtypus, Kulturphilosophie.
Die Arbeit analysiert den historischen Vortrag von Ernst Troeltsch von 1906 über die Bedeutung des Protestantismus für die Entstehung der modernen Welt und ordnet diesen wissenschaftsgeschichtlich ein.
Die zentralen Felder sind die Religionssoziologie, die Theologie, die Geschichtswissenschaft und die Philosophie um die Jahrhundertwende.
Ziel ist es, den tatsächlichen Beitrag des Protestantismus zur Entstehung moderner Strukturen bei Troeltsch zu klären und ein von späteren Legenden gereinigtes Bild seiner Person zu zeichnen.
Es wird eine systematische Analyse der Schriften Troeltschs vorgenommen, wobei insbesondere die methodologische Einordnung seiner Begriffsbildung im Kontext seiner Zeit diskutiert wird.
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der inhaltlichen Dekonstruktion des Vortrages, der Analyse des Verhältnisses von Protestantismus zu moderner Wissenschaft und Staat sowie der Wirkungsgeschichte der Troeltsch'schen Thesen.
Die wichtigsten Schlagworte sind Protestantismus, Moderne Welt, Historismus, Kulturprotestantismus, Religionssoziologie und die methodologische Arbeit Troeltschs.
Troeltsch sieht im Calvinismus den entscheidenden, wenn auch indirekten Förderer der modernen Welt, da dieser im Gegensatz zum Luthertum aktiv Strukturen für Wirtschaft und modernes Rechtsverständnis schuf.
Er selbst prägte den Begriff des Historismus mit, versuchte aber zeitlebens, diesen durch historische Analyse und die Bildung soziologischer Idealtypen zu überwinden, ohne dabei seine theologischen Grundlagen aufzugeben.
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