Bachelorarbeit, 2014
42 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitende Gedanken
2. Warum ausgewählte Frauencharaktere in Goethes Wilhelm Meisters Lehrjahre?
2.1 Zur Entstehungsgeschichte und Strukturierung von Wilhelm Meisters Lehrjahren
2.2 Inhaltliche Einführung und Einordnung der ausgewählten Frauenfiguren in den Romankontext
2.3 Beschreibung und Analyse der relevanten Frauencharaktere
2.3.1 Mariane, eine amoralische Schmeichlerin?
2.3.2 Mignon, ein sonderbares Geschöpf?
2.3.3 Natalie, die wahre schöne Seele?
2.4 Vergleich der Frauencharaktere hinsichtlich ihrer Parallelen und Differenzen
3. Allgemeingeschichtlicher Kontext sowie politische und soziale Rahmenbedingungen in Deutschland zur Zeit Goethes
3.1 Weltbild und Lebensauffassung zur Zeit der Klassik
3.2 Rollenverständnis und Stellung der Frau in der Klassik
3.3 Inwiefern entsprechen die Frauenfiguren Mariane, Mignon und Natalie dem idealisierten Frauenbild der Klassik?
4. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht ausgewählte Frauencharaktere in Johann Wolfgang von Goethes Roman "Wilhelm Meisters Lehrjahre" hinsichtlich ihrer individuellen Rollen und ihrer Beziehung zum Hauptprotagonisten Wilhelm Meister. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern diese Figuren dem idealisierten, bürgerlichen Frauenbild der Epoche der Klassik entsprechen oder ob ihre Darstellung emanzipatorische Tendenzen aufweist, die über zeitgenössische Konventionen hinausgehen.
2.3.1 Mariane, eine amoralische Schmeichlerin?
Mariane, die unmittelbar zu Anfang des Buches Wilhelm Meisters Lehrjahre in Erscheinung tritt, ist die „schöne Gebieterin“ (Goethe 2011, 5) der Barbara und als Schauspielerin tätig. In eine Offiziersuniform, Federhut und Degen gekleidet, in der sie im Theater als junger Offizier auftritt, eilt sie an der alten Barbara vorbei in den Raum hinein ohne sie eines Blickes zu würdigen. Sie erscheint ungeduldig, beachtet das Geschenk ihres Liebhabers Norberg nicht und möchte auch nicht weiter damit konfrontiert werden. Ungeachtet der protestierenden Barbara möchte Mariane Norberg erst dann wieder gedenken, wenn er zugegen ist. Zuvor aber möchte sie sich ganz ihrem Liebhaber Wilhelm Meister widmen und will sich „[…] dieser Leidenschaft überlassen, als wenn sie ewig dauern sollte.“ (ebd., 6).
Den Spott Barbaras völlig ungeachtet erwartet Mariane meist spät abends ihren Liebhaber Wilhelm, den sie voller Inbrunst empfängt und die Nacht mit ihm verbringt. Die Ernsthaftigkeit der Liebe zu ihm beteuert sie Barbara gegenüber und möchte von ebendieser auch erst an ihren anderen Günstling Norberg erinnert werden, wenn sein Besuch in vierzehn Tagen bevorsteht. Bis dahin möchte sie sich ganz der leidenschaftlichen Beziehung widmen (vgl. ebd., 6f.). Beim gemeinsamen Spiel mit den Puppen Wilhelms fehlt es dem Paar nicht an Unterhaltungen, denn Mariane interessiert sich sehr für die Empfindungen und Tätigkeiten ihres Verehrers und hängt förmlich an seinen Lippen. Davon überzeugt, dass sich das ungewöhnliche Paar niemals trennen müsse, verdrängt Mariane regelrecht den bevorstehenden Besuch des Unterstützers, der den ihrigen Lebensstil finanziell ermöglicht (vgl. ebd., 6). In einer Konversation mit Wilhelm fällt das Gespräch auf Marianes Vergangenheit, diese die alte Barbara aufgrund großer Verlegenheit schnellst möglich zu vertuschen versucht.
1. Einleitende Gedanken: Einführung in die Thematik der Frauencharaktere in Goethes Werk und die Relevanz der Untersuchung im Kontext der Klassik.
2. Warum ausgewählte Frauencharaktere in Goethes Wilhelm Meisters Lehrjahre?: Erläuterung der Bedeutung der Frauen in Goethes eigenem Leben und deren Übertragung auf die Frauenfiguren im Roman.
2.1 Zur Entstehungsgeschichte und Strukturierung von Wilhelm Meisters Lehrjahren: Analyse des langwierigen Entstehungsprozesses des Romans vom Theaterfragment zum Bildungsroman.
2.2 Inhaltliche Einführung und Einordnung der ausgewählten Frauenfiguren in den Romankontext: Zusammenfassung des Lebens- und Bildungswegs von Wilhelm Meister und die Rolle der drei zentralen Frauenfiguren.
2.3 Beschreibung und Analyse der relevanten Frauencharaktere: Detaillierte Charakterstudie und Analyse der Figuren Mariane, Mignon und Natalie.
2.3.1 Mariane, eine amoralische Schmeichlerin?: Untersuchung von Marianes Rolle als Schauspielerin und Geliebte sowie ihres Wandels von der Abhängigkeit zur tugendhaften Mutter.
2.3.2 Mignon, ein sonderbares Geschöpf?: Analyse der Rolle Mignons als androgynes, geheimnisvolles Wesen und ihrer tragischen Entwicklung bis zum Tod.
2.3.3 Natalie, die wahre schöne Seele?: Beleuchtung von Natalies Rolle als idealisierte "schöne Amazone" und ihre Funktion als Vorbild und Ziehmutter.
2.4 Vergleich der Frauencharaktere hinsichtlich ihrer Parallelen und Differenzen: Synthese der Einzelergebnisse und Herausarbeitung der gemeinsamen Entwicklungs- und Gestaltungsmuster.
3. Allgemeingeschichtlicher Kontext sowie politische und soziale Rahmenbedingungen in Deutschland zur Zeit Goethes: Darstellung der historischen Situation Deutschlands zwischen Kleinstaaterei und gesellschaftlichem Umbruch.
3.1 Weltbild und Lebensauffassung zur Zeit der Klassik: Erörterung der ästhetischen und humanistischen Ideale der Epoche.
3.2 Rollenverständnis und Stellung der Frau in der Klassik: Analyse der patriarchalen Geschlechtertheorie und des bürgerlichen Frauenbildes.
3.3 Inwiefern entsprechen die Frauenfiguren Mariane, Mignon und Natalie dem idealisierten Frauenbild der Klassik?: Beantwortung der zentralen Forschungsfrage durch einen Abgleich der literarischen Figuren mit den zeitgenössischen Rollennormen.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der emanzipatorischen Tendenzen in der Charaktergestaltung Goethes.
Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre, Frauencharaktere, Klassik, Mariane, Mignon, Natalie, Rollenverständnis, Emanzipation, Mannsweiblichkeit, Bildungsroman, Geschlechterrollen, Androgynität, Gesellschaftskritik, Frauenbild
Die Arbeit untersucht die Rollen, Funktionen und Wesenszüge dreier zentraler Frauenfiguren in Goethes "Wilhelm Meisters Lehrjahre" und prüft, ob diese dem klassischen Frauenideal ihrer Zeit entsprechen.
Zentrale Felder sind das zeitgenössische Rollenverständnis der Klassik, die literarische Emanzipation der Frauenfiguren sowie die Einflüsse von Gesellschaftsstruktur und Literaturtheorie auf deren Darstellung.
Das Hauptziel ist es zu ergründen, ob Goethe durch seine Frauenfiguren das idealisierte, bürgerliche Frauenbild der Epoche lediglich spiegelt oder ob er durch progressive Gestaltungsweisen ein eigenes, emanzipatorisches Frauenmodell entwirft.
Die Autorin verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl den Romantext (Primärliteratur) als auch einschlägige Forschungsliteratur (Sekundärliteratur) heranzieht, um die Figuren in einen historisch-kulturellen Kontext einzubetten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Charakteranalyse (Mariane, Mignon, Natalie), einen Vergleich dieser Figuren sowie eine fundierte Auseinandersetzung mit dem geschichtlichen Hintergrund der Weimarer Klassik und der Rolle der Frau.
Wichtige Begriffe sind unter anderem "Frauencharaktere", "Wilhelm Meisters Lehrjahre", "Mannsweiblichkeit", "Emanzipation" und "Klassik".
Das Motiv wird als bewusste gestalterische Entscheidung Goethes interpretiert, um durch androgyne Züge eine Perfektion anzudeuten, die über die einseitigen bürgerlichen Rollenzuweisungen hinausgeht.
Die Bezeichnungen spiegeln ihre doppelte Funktion wider: Einerseits als rettende, handlungsstarke Persönlichkeit (Amazone) und andererseits als harmonisches, edles Vorbild der Moral (schöne Seele).
Die Arbeit schlussfolgert, dass Goethes Darstellung der Frauen entgegen der konservativen Interpretation seiner Zeit emanzipatorische Tendenzen aufweist, die das bürgerliche Frauenbild seiner Epoche kritisch hinterfragen und teilweise transzendieren.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

