Doktorarbeit / Dissertation, 2013
343 Seiten, Note: magna cum laude
Kapitel 1 Beobachtungen und Zielsetzung
1.1 Einleitung
1.2 Gegenstand der Arbeit
1.2.1 Präferierte Interpretationen – ein Selbstversuch
1.2.2 Präferierte Interpretationen und Konzeptkonvergenz
1.2.3 Konvergenz und Divergenz der Konzepte
1.3 Zielsetzung und Thesen
1.4 Aufbau der Arbeit
Kapitel 2 Die Analyseeinheit »Kompositum«
2.1 Einleitung
2.2 Konkurrenz zwischen Phrase, Kompositum und Suffix
2.2.1 Kompositum vs. Derivation
2.2.2 Kompositum vs. Phrase
2.3 Eigenschaften des Kompositums
2.3.1 Strukturelle Beschaffenheit der Komposita
2.3.2 Verbindung der Konstituenten
2.3.3 Semantische Beziehungsverhältnisse der Konzepte
2.4 Komposita und ihre mentale Repräsentation
2.4.1 Mentale Repräsentation und Verarbeitung sprachlicher Einheiten
2.4.2 Mentale Repräsentation und Verarbeitung von Komposita
2.4.3 Aufschluss über Wissenstrukturen aus Texten
2.4.4 Kookkurrenzen als Analysetool konzeptueller Konvergenz
2.5 Zusammenfassung
Kapitel 3 Daten und Experimente
3.1 Überblick
3.2 Die These der Konzeptkonvergenz
3.3 Eigenschaften und Generierung der Testitems
3.3.1 Anforderungsprofil der Konstituenten
3.3.2 Anforderungsprofil der Testitems
3.4 Explorative Phase
3.5 Erstes Experiment
3.5.1 Design
3.5.2 Versuchspersonen
3.5.3 Erwartungen
3.5.4 Auswertung und Interpretation der Daten
3.6 Zweites Experiment
3.6.1 Design
3.6.2 Versuchspersonen
3.6.3 Erwartungen
3.6.4 Beobachtungen und Interpretation der Daten
3.7 Drittes Experiment
3.7.1 Design
3.7.2 Versuchspersonen
3.7.3 Erwartungen
3.7.4 Auswertung und Interpretation der Daten
3.8 Diskussion und Zusammenfassung der Ergebnisse
Kapitel 4 Präferierte Interpretationen
4.1 Überblick
4.2 Aspekte der Kompositainterpretation
4.3 Präferenz, Ökonomie und Konvenienz
4.4 PI-Modell
4.4.1 Hinführende Beobachtungen
4.4.2 Modellkomponenten
4.4.3 Konvergente Konzepte
4.4.5 Divergente Konzepte
4.4.6 Konzeptkonvergenz und Effizienz
4.5 Zusammenfassung
Kapitel 5 Zusammenfassung und Ausblick
5.1 Überblick
5.2 Erkenntnisse
5.2.1 Effizienz und Normalwerte
5.2.2 Ineffizienz und Abweichungen vom Normalwert
5.2.3 Rückschlüsse auf Wissensordnungen und das Mentale Lexikon
5.3 Ausblick
Die Arbeit untersucht die Faktoren, die zur präferierten Interpretation von okkasionellen Nominalkomposita führen, selbst wenn diese nicht usualisiert sind oder keine Kontextinformationen vorliegen. Dabei wird die These geprüft, dass die „Konzeptkonvergenz“ – das semantische Beziehungsverhältnis der Konstituenten aufgrund ihres rekurrenten Auftretens in ähnlichen Kontexten – eine effiziente Bedeutungserschließung ermöglicht.
1.2.1 Präferierte Interpretationen – ein Selbstversuch
Dieser als Konsens geltende Befund der offenbar stets anzunehmenden Kontextabhängigkeit widerspricht der subjektiven Intuition, die im Folgenden an dem Okkasionalismus Ampelmaut illustriert werden soll. Auch ohne Kontextinformationen war die erste und einzige gebildete Interpretation für Ampelmaut ‚an einer Ampel zu zahlenden Mautgebühr‘ plausibel und naheliegend, ohne dass weitere ähnlich plausible Konkurrenzinterpretationen gebildet wurden. Diese Interpretation stimmt mit der Intention des Autors des Artikels überein, wie der Textausschnitt in (1) zeigt.
(1) „Mit einer innerstädtischen Ampelmaut ließen sich bei starkem Berufsverkehr Millionen verdienen, besonders wenn sich auch Fußgänger beteiligen: Wer über die Straße will, muss bezahlen.“ (Quelle: DIE ZEIT Nr. 50/2004 vom 2. Dezember 2004)
Anders, als man laut der gängigen Meinung der Wortbildungsforschung annehmen müsste, kamen in dieser subjektiven Analyse für das Kompositum keine verschiedenen, ähnlich guten Interpretationsmöglichkeiten in Betracht, die miteinander in Konkurrenz stehen. Stattdessen wurde eine präferierte Interpretation ausgebildet, die mit der vom Autor des Artikels intendierten Interpretation übereinstimmt. Das Beispiel Ampelmaut kann somit exemplarisch angeführt werden, um die Argumentation der präferierten Interpretation und die folgenden Untersuchungen zu untermauern.
Kapitel 1 Beobachtungen und Zielsetzung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der Interpretation von Nominalkomposita ein und postuliert die These, dass Konzeptkonvergenz eine einheitliche Interpretation ermöglicht.
Kapitel 2 Die Analyseeinheit »Kompositum«: Hier werden die linguistischen Grundlagen des Kompositums sowie dessen Abgrenzung zu Phrasen und Derivationen dargelegt, ergänzt durch einen Überblick über mentale Repräsentationsmodelle.
Kapitel 3 Daten und Experimente: Das Kernstück der Arbeit umfasst drei Experimente, in denen Probanden die Bedeutung unbekannter Komposita interpretieren, um die Thesen zu Konzeptkonvergenz und Interpretationspräferenz zu prüfen.
Kapitel 4 Präferierte Interpretationen: Auf Basis der experimentellen Daten wird das „PI-Modell“ hergeleitet, das beschreibt, wie Normalfaktoren wie Primärbedeutung und Primärkontext zur effizienten Verarbeitung beitragen.
Kapitel 5 Zusammenfassung und Ausblick: Das abschließende Kapitel resümiert die Erkenntnisse zur Rolle der Konzeptkonvergenz für die Kognition und skizziert Möglichkeiten für weiterführende Forschung.
Nominalkomposita, Konzeptkonvergenz, Konzeptdivergenz, Wortbildungsforschung, mentale Repräsentation, Kookkurrenzanalyse, PI-Modell, Sprachökonomie, Semantik, Interpretationspräferenz, Usualisierung, Psycholinguistik, Kontext, Konstruktionsgrammatik.
Die Dissertation erforscht, wie Menschen die Bedeutung von neu gebildeten („okkasionellen“) Nominalkomposita verstehen, obwohl diese oft nicht im Lexikon stehen und kein direkter Kontext vorliegt.
Die Arbeit verknüpft kognitive Linguistik mit korpuslinguistischen Methoden, um die mentale Verarbeitung von Wortbildungen, die Rolle von semantischen Konzeptfeldern und die kognitive Effizienz beim Sprachgebrauch zu analysieren.
Das Ziel ist es, den Einfluss der „Konzeptkonvergenz“ nachzuweisen – also die Annahme, dass Komposita einfacher interpretiert werden, wenn ihre Bestandteile aus thematisch eng verwandten Bereichen stammen.
Die Autorin kombiniert theoretische Analysen der Wortbildungsforschung mit einer korpuslinguistischen Kookkurrenzanalyse sowie drei empirischen psycholinguistischen Experimenten (freie Assoziation, Laut-Denken-Protokolle, Skalenbewertung).
Der Hauptteil analysiert, warum bestimmte Komposita wie „Ampelmaut“ intuitiv sofort verstanden werden, während andere wie „Apfelgehör“ zu einer Vielzahl divergierender Interpretationen führen.
Zentrale Begriffe sind Konzeptkonvergenz, Konzeptdivergenz, Interpretationspräferenz, Usualisierung, Mentales Lexikon und Sprachökonomie.
Das PI-Modell integriert linguistische Fakten über die Struktur von Komposita mit kognitiven Annahmen über die Vorhersagbarkeit von Bedeutungen (Normalwerte), um zu erklären, wie Kommunikation effizient abläuft.
Sie dient als Analysemittel, um objektiv zu messen, ob Konzepte tatsächlich in ähnlichen Kontexten verwendet werden, und liefert damit die empirische Datenbasis zur Überprüfung der These der Konzeptkonvergenz.
Die Arbeit stellt fest, dass der oft als „Neuheitseffekt“ bezeichnete Verarbeitungsaufwand bei Komposita stark variiert und von der konzeptuellen Nähe der Bestandteile abhängt, statt nur von der bloßen formalen Neubildung.
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