Bachelorarbeit, 2013
26 Seiten, Note: 1
1 Der entworfene Mensch
2 Souveränität
3 Moralisches Handeln und sinnliche Neigung
4 Der geschaffene Mensch
5 Kern oder Knoten?
6 Entgrenztes Handeln. Überwindung der Norm.
7 Schmelzen und Schmieden
8 Erz und Begehren
9 Küsse. Bisse. (V 2981) Totküssen
10 Fluchtgewog (V 251)
11 Aphrodisiakum
12 In starken Armen hebt er mich empor, und jeder Griff nach diesem Dolch versagt mir, (V 1569)
13 Hinweg die Luft trinkt lechzend, die sie hemmt! (V 398) Paradoxe Souveränität!
14 Nackt unter den Worten: „War je ein Traum so bunt, als was hier wahr ist?“ (V 986)
15 Bogenschluss
Die Arbeit untersucht Heinrich von Kleists Drama „Penthesilea“ als eine integrative Literaturanalyse, die das tragische Spannungsfeld zwischen staatlicher Ordnung und individueller Freiheit anhand von Kants Souveränitätsbegriff dekonstruiert.
8 Erz und Begehren
Zunächst begegnet uns das Bild des Erzes an mehreren Stellen. Im zweiten Kampf gegen Achilles ist Penthesilea „umrasselt“ von ihrer „erznen Rüstung“ (V 1560). Ihr Körper ist in diesem Sinn Objekt der Rüstung, die ihn zunächst unveränderlich in der Materie des Erzes nachzeichnet.
In der Begegnung beider Hauptfiguren geht der genannten Stelle im 15. Auftritt eine Passage voraus in der Penthesilea den Stoff des Erzes in Zusammenhang mit ihrer Neigung zu Achilles erwähnt. Diese Kopplung von Erz und Begehren führt in dem von Penthesilea verwendeten Bild zu einem Vorgang des Schmelzens und Schmiedens:
Denn eine andre Kette denk ich noch, / wie Blumen leicht, und fester doch, als Erz, / Die dich mir fest verknüpft, ums Herz zu schlagen. / Doch bis sie zärtlich, Ring um Ring, geprägt, / In der Gefühle Glut, und ausgeschmiedet, / der Zeit nicht, und dem Zufall, mehr zerstörbar, / Kehrst du, weil es die Pflicht erheischt, mir wieder, (V 1832)
Ihr Gefühl ist es, welches das Erz gleichzeitig schmilzt und zu etwas Neuem (und Unzerstörbarem) umbildet. Penthesileas Begierde lässt sich nicht in den Rahmen der gesellschaftlichen Normen zwingen. Die Bilder, die Liebe als fesselnd malen, in denen sich nichts Lebhaftes regt, sowie die ganz anderen der verführerischen Begegnungen des Kampfes und der Jagd, auch das letzte blutige Treffen bleiben unverstanden, wenn sie unter dem Rubrum Liebe zwischen Mann und Frau, speziell enttäuschte Liebe, gefasst werden.
1 Der entworfene Mensch: Einführung in die tragische Dynamik von Kleists Drama und die Unvereinbarkeit von staatlicher Pflicht und Individualität.
2 Souveränität: Darstellung des menschlichen Strebens nach Selbstbestimmung im Kontext philosophischer Menschenbilder.
3 Moralisches Handeln und sinnliche Neigung: Reflexion über Kants Ethik und die kritische Auseinandersetzung von Zeitgenossen wie Schiller und Kleist.
4 Der geschaffene Mensch: Analyse der religiösen und philosophischen Einflüsse auf die Vorstellung vom Menschen als abhängigem Geschöpf.
5 Kern oder Knoten?: Betrachtung der ästhetischen Konzeption des Dramas, insbesondere unter dem Einfluss von Musik und Ekstase.
6 Entgrenztes Handeln. Überwindung der Norm.: Erörterung des Handlungspotenzials, das aus Affekt und dem Bruch mit Konventionen entsteht.
7 Schmelzen und Schmieden: Analyse des Erz-Motivs als Prozess der existenziellen Wandlung und Zerstörung.
8 Erz und Begehren: Untersuchung der Verbindung von materieller Rüstung, Begierde und der Metaphorik des geschmolzenen Erzes.
9 Küsse. Bisse. (V 2981) Totküssen: Analyse der Erotik und des linguistischen Selbstmords als Grenzerfahrung der Sprache.
10 Fluchtgewog (V 251): Zusammenfassende Betrachtung der existentiellen Krise und der Unzugänglichkeit von Kleists Werk.
11 Aphrodisiakum: Untersuchung des Holundermotivs als Ort unerlaubter Begierde und emotionaler Ausnahmezustände.
12 In starken Armen hebt er mich empor, und jeder Griff nach diesem Dolch versagt mir, (V 1569): Reflexion über den Tod als Triumph durch das Wort und das Ende der physischen Existenz.
13 Hinweg die Luft trinkt lechzend, die sie hemmt! (V 398) Paradoxe Souveränität!: Vertiefung des Souveränitätsbegriffs im Kontext der Verweigerung gesellschaftlicher Maßstäbe.
14 Nackt unter den Worten: „War je ein Traum so bunt, als was hier wahr ist?“ (V 986): Analyse der Rezeptionsgeschichte und der moralischen Verwirrung, die Kleists Werk auslöst.
15 Bogenschluss: Abschlussbetrachtung über das architektonische Prinzip des Bogens als Sinnbild für Kleists „Erschütterungskunst“.
Penthesilea, Heinrich von Kleist, Souveränität, Kant, Erz-Metaphorik, Liebe, Selbstmord, Sprache, Begehren, Amazonenstaat, Tragödie, Individuum, Pflichtethik, Selbstschöpfung, Existenz.
Die Arbeit analysiert Heinrich von Kleists „Penthesilea“ und untersucht, wie die Protagonistin durch die Verweigerung gesellschaftlicher und moralischer Normen eine eigene, wenn auch tragische, Form der Souveränität findet.
Die zentralen Felder umfassen die Spannung zwischen staatlicher Pflicht und individueller Neigung, die Rolle der Sprache als konstitutives Element der Subjektivität sowie die Metaphorik von Erz, Schmelzen und Schmieden.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kleist durch die dramatische Gestaltung der Penthesilea Kants Souveränitätsbegriff hinterfragt und durch eine literarisch-philosophische Auseinandersetzung das Bild des Menschen in Extremsituationen neu definiert.
Es handelt sich um eine integrative Literaturanalyse, die philosophische (Kants Souveränitätsbegriff) und psychologische Ansätze mit einer detaillierten Textinterpretation verbindet.
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Aspekte des Dramas: von der Rolle der Amazonenkönigin über die Metaphorik des Erzes bis hin zur Bedeutung der Sprache und der Rezeptionsgeschichte des Werks.
Die wichtigsten Begriffe sind Penthesilea, Kleist, Souveränität, Pflichtethik, Selbstmord und das Motiv des Erzes.
Das Erz-Motiv steht für die starre Ordnung und das Gesetz; das Schmelzen des Erzes symbolisiert den Zusammenbruch dieser Ordnung durch die individuelle Begierde und die damit einhergehende katastrophale Krise.
Sprache wird bei Kleist zum „Dolch“, der die physische Existenz ersetzt. Penthesilea findet ihre eigene Identität erst im Verstummen oder in einem Tod durch die Sprache, was die Macht des Wortes gegenüber der Realität verdeutlicht.
Der Bogenschluss dient als architektonische Metapher für die Paradoxie: Die Steine fallen, bilden aber durch den Schlussstein eine stabile Einheit. Dies spiegelt Kleists Dramatik wider, in der der Zusammenbruch der Ordnung gleichzeitig deren formale Fixierung ist.
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