Bachelorarbeit, 2016
35 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Die Entwicklung schichtspezifischer Chancenverhältnisse nach der Bildungsexpansion
2.1 Chancengleichheit und Chancenungleichheit
2.2 Die Bildungsexpansion
2.2.1 Zum Ausbau der Realschulen und Gymnasien
2.2.2 Zum Ausbau der Hoch- und Fachhochschulen
2.3 Bildungsungleichheiten im internationalen Vergleich
3. Die Kapitaltheorie Pierre Bourdieus
3.1 Das kulturelle Kapital
3.2 Das kulturelle Kapital als Erklärung sozialer Ungleichheiten im Bildungssystem
3.3 Empirische Analysen zur Kapitaltheorie
4. Die Rational-Choice-Theorie als Erklärung sozialer Ungleichheiten
4.1 Primäre und sekundäre Herkunftseffekte nach Boudon (1974)
4.2 Die Wert-Erwartungstheorie nach Esser (1999)
4.3 Ergänzungen zu den Theorien
4.4 Empirische Analysen zur Rational-Choice-Theorie
5. Kulturelles Kapital versus rationale Bildungsentscheidungen
6. Fazit
Die Arbeit untersucht die Ursachen für die Entstehung und Fortführung sozialer Ungleichheiten im Bildungssystem. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse und dem Vergleich der Kapitaltheorie nach Pierre Bourdieu sowie der Rational-Choice-Theorie, um zu klären, inwiefern diese Ansätze Bildungschancen erklären und wo Gemeinsamkeiten oder Unterschiede bestehen.
3.1 Das kulturelle Kapital
Kapital ist nach Bourdieu zunächst allgemein als eine Art Anhäufung von Arbeit zu verstehen. Dieses kann sowohl von materieller, als auch von verinnerlichter Natur sein. Um Kapital „akkumulieren“ zu können, wird vor allem Zeit benötigt (vgl. Bourdieu 1983: 183). Es können drei verschiedene Formen von Kapital unterschieden werden: das ökonomische, das kulturelle, sowie das soziale Kapital. Für die vorliegende Arbeit sind jedoch nur die ersten beiden Arten von Bedeutung, weshalb das soziale Kapital hier nicht berücksichtigt wird.
Unter dem ökonomischen Kapital können kurz alle Güter verstanden werden, welche unmittelbar und direkt in Geld umgewandelt werden können (vgl. Bourdieu 1983: 185). Das kulturelle Kapital kann im Wesentlichen in drei Formen existieren: zum einen als inkorporiertes Kulturkapital, als objektiviertes Kulturkapital, sowie als institutionalisiertes Kulturkapital.
Das inkorporierte Kulturkapital kann als eine dauerhafte Anlage eines Menschen verstanden werden und lässt sich vereinfacht mit dem Begriff der Bildung beschreiben. Als Voraussetzung für den Besitz inkorporierten Kulturkapitals nennt Bourdieu einen Verinnerlichungsprozess, welcher vor allem die Zeit des Individuums beansprucht, welche aufgebracht werden muss, um etwas zu erlernen (vgl. Bourdieu 1983: 186). Für den Erwerb dieses kulturellen Kapitals ist es für den „Investor“ unumgänglich, dass die Person selbst die notwendige Zeit investiert, da es nicht durch eine fremde Person erworben werden kann. Anders als beim ökonomischen Kapital ist damit das Delegieren inkorporierten Kulturkapitals an andere Personen ausgeschlossen. Die Erziehung innerhalb der Familie kann ebenfalls zum inkorporierten Kulturkapital gezählt werden. Je nach Qualität des erworbenen Kapitals kann es positiv der Person schulisch einen Vorsprung verschaffen, oder negativ gesehen Zeit kosten, weil unter Umständen zusätzliche Zeit aufgewendet werden muss, um daraus resultierende negative Folgen zu korrigieren (vgl. Bourdieu 1983: 186f).
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die ungleiche Verteilung von Bildungschancen in Deutschland und stellt die beiden theoretischen Erklärungsansätze vor, die im Folgenden verglichen werden.
2. Die Entwicklung schichtspezifischer Chancenverhältnisse nach der Bildungsexpansion: Dieses Kapitel liefert einen historischen Überblick über die Bildungschancen in Deutschland und verdeutlicht, dass die Bildungsexpansion die soziale Ungleichheit nicht auflösen konnte.
3. Die Kapitaltheorie Pierre Bourdieus: Es wird erläutert, wie kulturelles Kapital in verschiedenen Formen (inkorporiert, objektiviert, institutionalisiert) die Bildungschancen beeinflusst und zur Reproduktion sozialer Ungleichheit beiträgt.
4. Die Rational-Choice-Theorie als Erklärung sozialer Ungleichheiten: Hier stehen rationale Kosten-Nutzen-Entscheidungen der Eltern im Vordergrund, wobei primäre und sekundäre Herkunftseffekte als entscheidende Mechanismen analysiert werden.
5. Kulturelles Kapital versus rationale Bildungsentscheidungen: Das Kapitel vergleicht die Ansätze von Bourdieu, Boudon, Esser und Becker, um Gemeinsamkeiten und theoretische Differenzen in der Erklärung von Bildungsungleichheiten herauszuarbeiten.
6. Fazit: Die Arbeit resümiert die Ergebnisse, hält fest, dass beide Theorien empirisch belegbar sind, und betont die Komplexität der Faktoren, die soziale Ungleichheit im Bildungssystem bedingen.
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Die Arbeit untersucht die Ursachen für ungleiche Bildungschancen zwischen verschiedenen sozialen Schichten im deutschen Bildungssystem.
Die Arbeit beleuchtet die historische Bildungsexpansion, die Kapitaltheorie von Pierre Bourdieu sowie Rational-Choice-Ansätze zur Erklärung individueller Bildungsentscheidungen.
Ziel ist es, die Schwerpunkte der Kapitaltheorie und der Rational-Choice-Theorie zu verdeutlichen und diese kritisch hinsichtlich ihrer Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei der Erklärung von Bildungsungleichheiten zu vergleichen.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die durch den Vergleich soziologischer Theorien und die Einbeziehung empirischer Analysen (z. B. durch Georg oder Becker) fundiert wird.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Begriffe des kulturellen Kapitals sowie die Mechanismen von Herkunftseffekten und Kosten-Nutzen-Kalkulationen bei Bildungsentscheidungen, ergänzt durch die Vorstellung relevanter empirischer Studien.
Bildungschancen, soziale Ungleichheit, kulturelles Kapital, Rational-Choice, Herkunftseffekte und Bildungsentscheidungen.
Bourdieu sieht das Bildungssystem als ein Instrument, das die bestehende gesellschaftliche Ordnung legitimiert und reproduziert, indem es kulturelles Kapital, das primär in privilegierten Familien erworben wird, voraussetzt.
Für Familien ist der Erhalt des erreichten sozialen Status ein zentraler Faktor bei der Wahl der Bildungsform; das Risiko eines Abstiegs beeinflusst die rationale Kalkulation von Kosten und Nutzen einer weiteren Ausbildung entscheidend.
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