Masterarbeit, 2015
64 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitende Aspekte
2 Theoretischer Analyserahmen und Untersuchungsaufbau
2.1 Die Wahlbeteiligung im Abwärtstrend
2.2 Rückgang der Wahlbeteiligung als politischer Normalisierungsprozess
2.3 Rückgang der Wahlbeteiligung als Krisensymptom
2.4 Untersuchungsaufbau und Hypothesen
2.5 Einschränkungen
3 Die Wahlbeteiligung im internationalen Vergleich
4 Einfluss sozialstruktureller Faktoren
5 Einfluss des politischen Interesses
6 Die Wahlbeteiligung unter dem Einfluss struktureller und sozialer Veränderungen
6.1 Der sozioökonomische und soziale Wandel als Ausgangsbasis
6.2 Wertewandel und die Ausbreitung postmaterieller Wertvorstellungen
6.3 Verändertes Partizipationsverständnis
6.4 Rückgang der Wahlnorm als Konsequenz des Wertewandels
7 Einfluss sozialer und politischer Integration
7.1 Abnahme sozialer und soziokultureller Bindungen
7.2 Rückgang der Parteibindungen
7.3 Abnehmende Integrationsfähigkeit der Volksparteien
8 Einfluss von situativen Faktoren und rationales Wahlverhalten
9 Einfluss politischer Unzufriedenheit
9.1 Parteienverdrossenheit
9.2 Bilanz
10 Schlussfolgerungen
Die Arbeit untersucht die Ursachen für den kontinuierlichen Rückgang der Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen seit 1972. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob es sich bei diesem Phänomen um einen politisch-gesellschaftlichen Normalisierungsprozess handelt oder um ein Symptom einer Krise des parlamentarisch-repräsentativen Systems.
2.1 Die Wahlbeteiligung im Abwärtstrend
Deutschland galt bis zum Beginn der 80er Jahre, geprägt durch den gesellschaftlich fest etablierten Grundsatz, dass das Wählen eine staatsbürgerliche Pflicht sei (vgl. Kersting 2004: 404; Kleinhenz 1995: 15), als Vorzeigekandidat in Sachen Wahlbeteiligung: 1972 erlangte die Bundesrepublik mit einer Wahlbeteiligung von 91,1 % ihren partizipatorischen Höhepunkt (vgl. Bohne 2010: 254) und verzeichnete ab diesem Zeitpunkt, bei einer Zunahme der Wahlberechtigten, einen kontinuierlichen Rückgang der Wahlbeteiligung (vgl. Statistisches Bundesamt 2009: 1; Kleinhenz 1995: 15).
Verlief der Abwärtstrend mit einer Wahlbeteiligung von 84,3 % aller Wahlberechtigten bei den Bundestagswahlen 1987 noch gemäßigt, ist „nach 1990 ein sprunghaftes Anwachsen der Nichtwahlneigung“ (Maier 2000: 232 f.) feststellbar: Bei den ersten gesamtdeutschen Wahlen 1990 betrug die Wahlbeteiligung nur noch 77,8 % und sank damit zum ersten Mal seit 1949 unter die 80 %-Grenze. Richtig ist: „Nichtwähler gibt es, seit Wahlen stattfinden!“ (Lavies 1973: 18), doch aufgrund der relativ hohen Bereitschaft zur Wahlpartizipation bis zu den Bundestagswahlen 1983 verlief die Anfangsphase der deutschen Nichtwähler-Forschung schleppend (vgl. Kleinhenz 1995: 17), blieb auf einzelne rudimentäre Beiträge beschränkt und wurde von Kaack (1971: 446) zu Recht als „terra incognita der Wahlforschung“ bezeichnet.
Lange wurde der Nichtwählersymptomatik damit nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt, sodass Aussagen über das „unbekannte Wesen“ (Falter und Schuhmann 1994: 161) und dessen Motive zur Wahlenthaltung nur bedingt möglich waren. Erst dem immensen Absinken der Beteiligung bei den Bundestagswahlen 1987 und 1990 ist es geschuldet, dass die Nichtwählerproblematik ab 1990 verstärkt in das politische, mediale und wissenschaftliche Interesse rückte.
1 Einleitende Aspekte: Einführung in die Problematik des historischen Tiefstands der Wahlbeteiligung und Definition der zentralen Forschungsfrage.
2 Theoretischer Analyserahmen und Untersuchungsaufbau: Herleitung der Normalisierungs- und Krisenthese sowie Formulierung der zu prüfenden Hypothesen.
3 Die Wahlbeteiligung im internationalen Vergleich: Kontextualisierung des deutschen Wahlverhaltens im Vergleich zu anderen Demokratien.
4 Einfluss sozialstruktureller Faktoren: Analyse, inwieweit soziale Merkmale wie Einkommen, Bildung und Alter die Wahlentscheidung determinieren.
5 Einfluss des politischen Interesses: Prüfung der Rolle des politischen Interesses als zentraler Faktor für das Wahlverhalten.
6 Die Wahlbeteiligung unter dem Einfluss struktureller und sozialer Veränderungen: Betrachtung von gesellschaftlichem Wertewandel, veränderten Partizipationsformen und der abnehmenden Bedeutung der Wahlnorm.
7 Einfluss sozialer und politischer Integration: Untersuchung des Einflusses abnehmender sozialer Bindungen und des Rückgangs fester Parteibindungen.
8 Einfluss von situativen Faktoren und rationales Wahlverhalten: Analyse der Bedeutung von Kurzzeitfaktoren wie Kandidatenpräferenzen und rationaler Kosten-Nutzen-Abwägung.
9 Einfluss politischer Unzufriedenheit: Vertiefende Untersuchung der Parteienverdrossenheit und Bilanzierung des Einflusses von Unzufriedenheit auf das Wahlverhalten.
10 Schlussfolgerungen: Zusammenfassende Beantwortung der Ausgangsfrage und Bewertung der Erklärungsansätze.
Wahlbeteiligung, Nichtwähler, Bundestagswahl, Normalisierungsthese, Krisenthese, Parteibindung, Politische Unzufriedenheit, Wertewandel, Parteienverdrossenheit, Politische Partizipation, Sozialstruktur, Rational-Choice, Wahlnorm, Wahlenthaltung, Demokratie
Die Masterarbeit analysiert die Ursachen für den seit 1972 anhaltenden Rückgang der Wahlbeteiligung bei deutschen Bundestagswahlen.
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Wählerschaft, dem Einfluss sozialstruktureller Veränderungen, dem Wertewandel sowie der Rolle von Parteibindungen und politischer Unzufriedenheit.
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob der Rückgang der Wahlbeteiligung als "Normalisierungsprozess" oder als Symptom einer Krise des parlamentarischen Systems zu werten ist.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und wertet empirische Studienergebnisse und Datenreihen (z.B. ALLBUS, Politbarometer) aus, um die aufgestellten Hypothesen zu prüfen.
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Faktorenanalysen, darunter den internationalen Vergleich, sozialstrukturelle Einflüsse, politisches Interesse, Wertewandel sowie die Rolle der Parteien und der politischen Integration.
Zentrale Begriffe sind unter anderem Wahlbeteiligung, Nichtwähler, Normalisierungsthese, Krisenthese, Parteibindung und Politische Unzufriedenheit.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die abnehmende Integrationsfähigkeit der Volksparteien (SPD und CDU/CSU) sowie der Verlust an Parteibindungen maßgebliche Faktoren für das Ausbleiben von Wählern sind.
Nein. Obwohl politische Unzufriedenheit ein Faktor ist, stuft die Arbeit diesen eher als nachrangig gegenüber den langfristigen strukturellen Wandlungsprozessen ein.
Ja, dieser Typus zeichnet sich durch höheres politisches Interesse und Bildung aus, im Gegensatz zum traditionell desinteressierten Nichtwähler, bleibt jedoch nicht zwangsläufig aus dauerhaftem Protest den Wahlen fern.
Die Autorin plädiert dafür, den Wahlrückgang überwiegend als Normalisierungsprozess zu interpretieren, betont jedoch die Notwendigkeit, verschiedene Erklärungsfaktoren in einer Gesamtsynthese zu betrachten.
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