Bachelorarbeit, 2015
118 Seiten, Note: 2,15
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Daten, Methoden und qualitätssichernde Maßnahmen
3.1 Daten und Methoden
3.2 Qualitätssichernde Maßnahmen
3.3 Transmission psychischer Symptome
4. Definition des Familienbegriffs
5. Sinti in Deutschland
5.1 Aktuelle Lebensumstände
5.2 Abstammungsgeschichte
5.3 Verfolgung von 1905 bis 1945
5.4 Entwicklung der NSDAP in Oldenburg
6. Familiengeschichte Schwarz
7. Ergebnisse
7.1 Christel Schwarz
7.2 Django Schwarz
7.3 Moreno Schwarz
8. Diskussion
8.1 Der Holocaust im kollektiven Gedächtnis
8.2 Erste Nachkriegsgeneration – Christel Schwarz
8.3 Dritte Nachkriegsgeneration – Django Schwarz
8.4 Dritte Nachkriegsgeneration – Moreno Schwarz
9. Fazit
10. Weiterführende Forschung
Die Bachelorarbeit untersucht den Einfluss der Holocaust-Erfahrung in der Familie Schwarz auf die Selbstwahrnehmung von Sinti in der dritten Nachkriegsgeneration, wobei die Fallstudie die historischen Verfolgungen in den Kontext heutiger diskriminierender Erfahrungen setzt.
5.3 Verfolgung von 1905 bis 1945
Die Geschichte der Sinti in Deutschland beginnt offiziell ab dem 15. Jahrhundert (vgl.Reiter 2002:9). Das früheste Dokument, welches einen Rückschluss auf Sinti in Deutschland zulässt stammt von 1407 (vgl.Hein/Krokowski 1995:9; vgl.Reiter 2002:9, vgl.Rose 1999:13). Dies wird aus dem Urkundenbuch der Stadt Hildesheim ersichtlich. Es enthält eine Rechnung von 1407, aus der hervorgeht, dass Tartaren – in diesem Fall Altdeutsch für Sinti und Roma – mit Wein bewirtet wurden (vgl.Reiter 2002:9). In Meyers Conversationslexicon für die gebildeten Stände von 1852 steht, dass die Sinti und Roma seit ungefähr vier Jahrhunderten in ganz Europa vertreten seien (vgl.Reiter 2002:10). Bereits zu Beginn der Neuzeit waren Sinti und Roma der Diskriminierung und Unterdrückung ausgesetzt (vgl.Reiter 2002:20). Sie wurden pauschal der Spionage verdächtigt, wodurch ihnen die Todesstrafe drohte, wenn sie Ländergrenzen übertraten (vgl.ebd.). Oftmals waren an den Grenzen sogenannte Zigeunerstöcke aufgestellt, die mit Blechschildern darauf hinwiesen, dass ihnen bei Betreten des Landes Prügel und Tod drohen (vgl.ebd.). Die Männer wurden für vogelfrei erklärt, wodurch viele ohne Prozess gehängt wurden (vgl.ebd.). Kinder von Zigeunern wurden adoptiert und einer christlichen Zwangserziehung unterzogen (vgl.ebd.). Der König von Groß-Britannien, Georg Augustus II., versprach sich 1738 einen Erfolg bei der Ausrottung der fliehenden Zigeuner, in dem er mit dem Herzog zu Braunschweig-Lüneburg und den Regierungen Hildesheim, sowie auch Oldenburg eine Koalition zur Beobachtung der Fluchtrichtungen gründete (vgl.Reiter 2002:22).
Im Zuge der Jahrhunderte prägten starke Vorurteile die Wahrnehmung der Sinti und Roma. Da ihre Lebensweise weitgehend unbekannt war, ersetzten oftmals rassistische Vorurteile das fehlende Wissen, wodurch die Zigeuner als primitiv und barbarisch beschrieben und der untersten sozialen Bevölkerungsgruppe zugeordnet wurden (vgl.Reiter 2002:9). Die Zahl der Sinti und Roma wurde Mitte des 19. Jahrhunderts insgesamt auf 200.000 bis 280.000 geschätzt (vgl.Reiter 2002:11).
1. Einleitung: Die Einleitung stellt das Forschungsvorhaben vor, die Auswirkungen der Holocaust-Erfahrung auf die Identitätsbildung der dritten Nachkriegsgeneration der Sinti-Familie Schwarz aus Oldenburg zu untersuchen.
2. Forschungsstand: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die bisherige rechts- und sozialwissenschaftliche Literatur zur Verfolgung der Sinti und Roma und deren Bedeutung für nachfolgende Generationen.
3. Daten, Methoden und qualitätssichernde Maßnahmen: Der methodische Teil beschreibt das qualitative Vorgehen, die Fallstudien-Logik und die Berücksichtigung von Traumatisierungen im Interviewkontext.
4. Definition des Familienbegriffs: Hier wird der für die Arbeit relevante Familienbegriff theoretisch hergeleitet und von soziologischen Standarddefinitionen abgegrenzt.
5. Sinti in Deutschland: Dieses Kapitel kontextualisiert die aktuelle Lebenssituation der Minderheit sowie deren Abstammungs- und Verfolgungsgeschichte bis 1945.
6. Familiengeschichte Schwarz: Die Familiengeschichte wird hier detailliert dargestellt, insbesondere die Erlebnisse während der NS-Zeit und die Nachkriegszeit in Oldenburg.
7. Ergebnisse: Die Kapitel 7.1 bis 7.3 präsentieren die aus den Interviews extrahierten Ausschnitte zu den drei Familienmitgliedern.
8. Diskussion: In den Kapiteln 8.1 bis 8.4 werden die Ergebnisse im Kontext des kollektiven Gedächtnisses und der individuellen Identität interpretiert.
9. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und beantwortet die Forschungsfrage unter Berücksichtigung der Einzelfall-Limitationen.
10. Weiterführende Forschung: Der abschließende Teil identifiziert Forschungslücken und schlägt Ansätze für zukünftige Studien vor.
Sinti, Holocaust, Familiengeschichte, Identität, Selbstwahrnehmung, Diskriminierung, Nachkriegsgeneration, Trauma, Nationalsozialismus, Oldenburg, qualitative Fallstudie, Minderheitenschutz, Aufklärungsarbeit, Integration, Benachteiligung.
Die Arbeit untersucht, wie die Erfahrungen der Holocaust-Verfolgung die Identität und Selbstwahrnehmung von Sinti der dritten Nachkriegsgeneration prägen, am Beispiel der Familie Schwarz aus Oldenburg.
Zu den Schwerpunkten gehören die Geschichte der Sinti-Verfolgung durch die Nationalsozialisten, die Auswirkungen transgenerationaler Traumata und die heutige soziale sowie strukturelle Benachteiligung der Minderheit in Deutschland.
Das Ziel ist es, auf Basis einer Fallstudie zu analysieren, ob und wie der Bruch durch den Holocaust bis heute in der Selbstwahrnehmung der Sinti-Familien fortwirkt.
Es handelt sich um eine qualitative Fallstudie, die auf ethnographischen und narrativen Interviews basiert, welche sequenzanalytisch ausgewertet wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Verfolgung (NS-Zeit) und die Darstellung der spezifischen Familiengeschichte Schwarz, die als Grundlage für die nachfolgende Ergebnisanalyse dient.
Sinti, Holocaust, transgenerationales Trauma, Identität, Diskriminierung und Familiengeschichte sind die zentralen Begriffe der Arbeit.
Das MaroKher dient als Gemeindezentrum und Treffpunkt, der für die Familie Schwarz eine zentrale Rolle in der Öffentlichkeitsarbeit, der gegenseitigen Unterstützung und der kulturellen Identitätsstärkung einnimmt.
Während das Familienoberhaupt Christel Schwarz eine Vermittlerrolle einnimmt, reflektieren die Enkel Django und Moreno die ererbten Geschichten stärker im Kontext eigener aktueller Erfahrungen mit Ausgrenzung und Diskriminierung.
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