Bachelorarbeit, 2015
29 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund und Hypothesen
2.1 Forschungsstand
2.2 Die soziale Ungleichheit und der sozioökonomische Status
2.3 Lebensstile als Vermittler der sozialen Ungleichheit
2.4 Der Einfluss des SES auf die Ernährung
2.5 Der Einfluss des SES auf die sportliche Aktivität
3 Daten und Methoden
3.1 Beschreibung des ALLBUS 2004
3.2 Operationalisierung
3.3 Probleme
3.4 Methoden
4 Ergebnisse
4.1 Deskriptive Statistik
4.2 Bivariate und multivariate Analysen
5 Diskussion und Fazit
Diese Bachelorarbeit untersucht den Einfluss des sozioökonomischen Status (SES) auf die Verbreitung von Übergewicht in der deutschen Bevölkerung. Das Hauptziel besteht darin zu klären, inwieweit dieser Zusammenhang durch gesundheitsrelevante Lebensstile – spezifisch Ernährungsweise und sportliche Aktivität – als intervenierende Variablen vermittelt wird.
2.3 Lebensstile als Vermittler der sozialen Ungleichheit
Den Ausgangspunkt der Übertragung des Ungleichheitsmodells auf das Übergewichtsthema stellt die Kapitaltheorie aus Sicht des Soziologen Bourdieu (1982) dar. Die soziale Ungleichheit lässt sich in der Gesellschaft unter anderem nach Lebensstilen differenzieren (Lüdtke 1989: 19). Bourdieu (1982) geht zunächst von einer Unterteilung in Klassen aus, deren Unterscheidungsmerkmal der Berufsstand ist. Da Ressourcen zwischen diesen Klassen unterschiedlich verteilt sind, existiert eine sozioökonomische Rangordnung von Lebensstilen (Bordieu 1982). Die Einteilung in die Rangordnung erfolgt nach der quantitativen Ausprägung des Kapitals einer jeweiligen Person.
Insgesamt werden drei Arten des Kapitals unterschieden, die wechselseitig konvertierbar sind: Das ökonomische Kapital, das kulturelle Kapital und das soziale Kapital (Bordieu 1983). Das ökonomische Kapital besteht aus Geld und Eigentum, welches unter anderem über das Einkommen konvertiert werden kann (Bordieu 1983).
Das kulturelle Kapital kann in drei Formen auftreten: das inkorporierte Kapital beinhaltet das über das Alter hinweg angeeignete Wissen und Fähigkeiten (Bordieu 1983). Das objektivierte Kulturkapital enthält die Verfügbarkeit von kulturellen Gütern wie Bücher oder Instrumente (Bordieu 1983). Die institutionalisierte Form kann unter anderem als Titel des Schulabschlusses angesehen werden (Bordieu 1983). Unter Umständen kann das kulturelle Kapital in ökonomisches Kapital konvertiert werden, wenn man sich durch den Schulabschluss einen Zugang zur Berufswelt verschaffen und Einkommen erzielen kann (Bordieu 1983).
Die dritte Art ist das soziale Kapital, welches aus Beziehungen und sozialen Verpflichtungen besteht (Bordieu 1983). Dieses kann unter Umständen ebenso in ökonomisches Kapital umgewandelt werden (Bordieu 1983).
In Anlehnung zu Bordieus Theorie unterscheidet Lüdtke (1989) für die Rekonstruktion von Lebensstilen vier Bereiche (vgl. Lüdtke 1989: 42f.): die sozioökonomische Situation, Kompetenz, Performanz und Motivation. Lebensstilelemente, die nach Lüdtke (1989) Verhaltensfolgen eines Lebensstils erklären können, sind unter anderem die Verhaltensweisen und Ausgaben im Ernährungsbereich, in Kultur und Freizeit und Wohnung (Lüdtke 1989: 43). Verknüpft man folglich die Ansätze Bordieus und Lüdtkes, wird deutlich, dass soziale Ungleichheit in Form vom SES einen Einfluss auf verschiedene Lebensstile haben kann.
1 Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, Relevanz von Übergewicht in der Gesellschaft und Herleitung der Forschungsfrage.
2 Theoretischer Hintergrund und Hypothesen: Erläuterung des Forschungsstandes, der Konzepte sozialer Ungleichheit und der Kapitaltheorie nach Bourdieu sowie Ableitung der drei zentralen Hypothesen.
3 Daten und Methoden: Beschreibung des ALLBUS-Datensatzes, der Variablenoperationalisierung, methodischer Herausforderungen sowie des verwendeten Regressionsmodells.
4 Ergebnisse: Darstellung der deskriptiven Daten, Durchführung bivariater Analysen und Prüfung der Hypothesen mittels linearer Regression.
5 Diskussion und Fazit: Interpretation der Ergebnisse, kritische Reflexion der Methodik sowie Ausblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten.
Sozioökonomischer Status, SES, Übergewicht, Body-Mass-Index, BMI, Soziale Ungleichheit, Lebensstil, Ernährung, Sportliche Aktivität, Kapitaltheorie, Bourdieu, ALLBUS, Adipositas, Gesundheitssoziologie, Regressionsanalyse.
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der sozialen Schichtung einer Person (gemessen am sozioökonomischen Status) und ihrem Körpergewicht.
Die zentralen Themen sind soziale Ungleichheit, Gesundheitsverhalten, Ernährungsgewohnheiten und sportliche Betätigung als Einflussfaktoren auf das Körpergewicht.
Das Ziel ist zu klären, inwiefern ein niedriger oder hoher sozioökonomischer Status das Risiko für Übergewicht beeinflusst und ob dieser Prozess über ungesunde bzw. gesunde Lebensstile vermittelt wird.
Die Untersuchung basiert auf einer quantitativen Sekundärdatenanalyse der ALLBUS-Umfrage 2004 unter Verwendung linearer Regressionsmodelle nach dem OLS-Schätzverfahren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung unter Einbezug der Kapitaltheorie von Bourdieu, die methodische Beschreibung der Datenauswertung sowie die Präsentation der statistischen Ergebnisse inklusive der Hypothesentests.
Schlüsselbegriffe sind Sozioökonomischer Status (SES), Übergewicht, BMI, Lebensstile, Ernährung, Sport und soziale Ungleichheit.
Die Theorie ermöglicht es, den sozioökonomischen Status nicht nur als ökonomische Größe zu betrachten, sondern auch kulturelle und soziale Faktoren einzubeziehen, die das Gesundheitsverhalten der Menschen maßgeblich prägen.
Die Operationalisierung war aufgrund der begrenzten Fragebögen im Datensatz schwierig; zudem traten unerwartete Ergebnisse auf, bei denen eine "gesündere" Ernährung mit höheren BMI-Werten korrelierte, was auf Verzerrungen durch soziale Erwünschtheit hindeuten könnte.
Die Studie zeigt, dass der Einfluss des sozioökonomischen Status auf das Übergewicht teilweise dadurch erklärt werden kann, dass Personen mit höherem Status ein aktiveres Sportverhalten aufweisen.
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