Masterarbeit, 2016
77 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Tiere als Nahrungsmittel
2.1 Fleischkonsum und Schlachtungen
2.2 Haltungsbedingungen
2.2.1 Geflügel
2.2.2 Schweine
2.2.3 Rinder
2.3 Auswirkungen der intensiven Nutztierhaltung
2.3.1 Welternährung
2.3.2 Ökobilanz
2.3.3 Biodiversität
2.3.4 Antibiotika und Hormone
2.3.5 Gesundheitliche Risiken
3. Historischer Überblick der Mensch-Tier-Beziehung
3.1 Prähistorie
3.2 Antike
3.3 Mittelalter und frühe Neuzeit
3.4 Neuzeit
3.5 Moderne
3.6 20. Jahrhundert
3.6.1 Speziesismus nach Peter Singer
3.6.2 Tom Regan
4. Zur sozialen Konstruktion des Tieres
4.1 Tiere als Teil eines funktionell-hierarchischen Ordnungssystems
4.2 Tierbilder und -konstrukte
4.3 Die Objektivierung und Entfremdung des Tieres
4.3.1 Zur Verfremdung der Tiere in der Werbung
5. Zur Notwendigkeit einer tierethischer Überlegungen in die Pädagogik
5.1 Kinder und Jugendliche im Spannungsfeld zwischen Tierliebe und Fleischkonsum
5.2 Habitualisierung des Geschmacks
5.3 Zum Ernährungsverhalten von Jugendlichen
5.4 Die Rolle der Schule als sekundäre Sozialisationsinstanz
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit analysiert den Status von Nutztieren in westlich industrialisierten Gesellschaften unter Berücksichtigung ihrer soziologischen, ökologischen und ethischen Konstruktion. Dabei wird untersucht, wie Fleischkonsum und tierliche Ausbeutung legitimiert werden und welche Rolle Bildungseinrichtungen in der Ernährungssozialisation von Kindern und Jugendlichen spielen.
Die Objektivierung und Entfremdung des Tieres
In der heutigen industrialisierten, kapitalisierten und hoch technisierten Massengesellschaft werden die tierlichen Individuen, die sich nicht als lebendige Subjekte im unmittelbaren Nahbereich des Menschen befinden, objektiviert, entindividualisiert, verfremdet und als Produkte und Ware ausgebeutet und instrumentalisiert. Die Entfremdung und Objektivierung nicht-menschlicher Lebewesen zeigt sich ähnlich der tierlichen Symbolik nicht zuletzt in der Sprachkonvention, wie die Soziologin Mütherich in Anlehnung an Arthur Schopenhauer herausstellt, (Mütherich 2015, S. 52). In Form und Funktion identische Sachverhalte und Inhalte werden als sprachliche Äußerungen in Bezug auf tierliche Subjekte gezielt verfremdet, so dass
Tiere „fressen“ statt zu essen, sie „werfen“ statt zu gebären, sind „trächtig“ statt schwanger und „verenden“ statt zu sterben; sie werden als kopieartig austauschbare „Exemplare“ statt als Individuen bezeichnet, und ihre toten Körper sind, solange sie nicht zerlegt auf einem Teller präsentiert werden, „Kadaver“ oder „Aas“ statt Leichen (ebd.).
Derartige sprachliche Konstrukte dienen sowohl der Differenzierung und Verfremdung wie auch der Legitimierung des asymmetrischen Macht-und Unterdrückungsverhältnisses, das die Mensch-Tier-Beziehung dominiert, durch sprachlich erzeugte Inferiorität des Tieres.
Über sprachliche Konventionen hinaus, treten ökonomische Interessen in den Vordergrund und entbehren tierlichen Lebewesen innerhalb des kapitalistischen Produktionsprozesses jegliche Subjektivität.
1. Einleitung: Einführung in die Allgegenwart von Tieren und die kulturelle Differenzierung in Kategorien wie Haus-, Wild- und Nutztiere.
2. Tiere als Nahrungsmittel: Darstellung der industrialisierten Fleischproduktion und ihrer gravierenden Auswirkungen auf Umwelt, Biodiversität und menschliche Gesundheit.
3. Historischer Überblick der Mensch-Tier-Beziehung: Nachzeichnung des Mensch-Tier-Verhältnisses von der Prähistorie bis zur modernen Tierethik und dem Speziesismus-Konzept.
4. Zur sozialen Konstruktion des Tieres: Analyse der gesellschaftlichen Hierarchisierung und der Mechanismen von Objektivierung und Entfremdung, inklusive der Rolle der Werbung.
5. Zur Notwendigkeit einer tierethischer Überlegungen in die Pädagogik: Untersuchung der Ernährungssozialisation und der Bedeutung schulischer Bildung für eine reflektierte Haltung gegenüber Nutztieren.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Strukturwandels im Umgang mit tierlichen Lebewesen.
Nutztierhaltung, Fleischkonsum, Speziesismus, Tierethik, Anthropozentrismus, Industrialisierung, Ernährungssozialisation, Entfremdung, Massentierhaltung, Mensch-Tier-Verhältnis, Tierbilder, Pädagogik, Nachhaltigkeit, Biomasse, Ökobilanz.
Die Arbeit untersucht den sozialen Status von Nutztieren in westlich industrialisierten Gesellschaften und wie das Verhältnis zwischen Mensch und Tier durch ökonomische und kulturelle Faktoren geprägt ist.
Die zentralen Felder umfassen die industrielle Nutztierhaltung, historische Mensch-Tier-Beziehungen, tierethische Theorien sowie soziologische Aspekte der Ernährungssozialisation.
Ziel ist es, die Notwendigkeit einer ethischen Berücksichtigung nicht-menschlicher Lebewesen aufzuzeigen und die Rolle von Bildungseinrichtungen in der Vermittlung dieser Thematik zu beleuchten.
Es werden kulturanthropologische, ethische, soziologische und erziehungswissenschaftliche Ansätze kombiniert, um den Status des (Nutz-)Tieres zu analysieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine ökonomisch-ökologische Analyse der Fleischindustrie, eine historische Betrachtung der Tierethik sowie eine soziologische Untersuchung der sozialen Konstruktion des Tieres.
Schlagworte sind unter anderem Speziesismus, Mensch-Tier-Dualismus, Nutztierhaltung, soziale Konstruktion und Ernährungssozialisation.
Werbung nutzt laut der Arbeit verzerrte Wirklichkeiten und "absente Referenten", um Konsumenten den direkten Zusammenhang zwischen dem Fleischprodukt und dem lebendigen Tier zu entfremden.
Die Schule fungiert als sekundäre Sozialisationsinstanz, die durch zielgerichtete Aufklärung bestehende Defizite des Elternhauses ausgleichen und ein verantwortungsbewussteres Ernährungsverhalten fördern kann.
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