Diplomarbeit, 2015
96 Seiten, Note: 1,7
A. Politische Verantwortung in der Verkündigung Jesu
B. Die neue politische Theologie nach Johann Baptist Metz und die kritische Rezeption bei Joseph Ratzinger
I. Die neue politische Theologie bei Johann Baptist Metz
1. Die neue politische Theologie bei Johann Baptist Metz
a) Lebenslauf, Prägungen und Lehrtätigkeiten
b) Vom Studium bei Rahner zum Entwurf einer politischen Theologie
c) Das Ringen um eine Begriffsfindung: Carl Schmitts politisches Erbe
2. Die neue politische Theologie – eine nachidealistische Theologie
a) Die Theologie in wissenschaftlicher Isolation? Drei Ansätze zur Situation der Theologie in der Neuzeit
b) Die Entwicklung der neuen politischen Theologie als Geschichtstheologie – Subjekttheologische Überlegungen zur Anthropozentrik der Welt
c) Christologie in der neuen politischen Theologie
d) Die Verknüpfung von Religion und Politik
e) Die Wahrheitsfrage – Theoriebildung in der neuen politischen Theologie
3. Die Fehlentwicklungen der Kirche
a) Die Fehlentwicklung zur bürgerlichen Religion
b) Die Fragestellung des Marxismus
c) Die vermeintliche Unschuldigkeit der Kirche: Auschwitz und das Schweigen der Theologie
d) Die Herausforderung der Dritten Welt, das Ende des Eurozentrismus und die Forderung nach einer neuen Hermeneutik
4. Auf dem Weg zu einer neuen politischen Theologie
a) Der „eschatologische Vorbehalt“: Hoffnung an Stelle von Zeitlosigkeit
b) Die „gefährliche Erinnerung“: Gegen eine vermeintliche Zeitlosigkeit der Geschichte und für eine narrative Kultur
c) Anamnetische und kommunikative Vernunft
5. Neubestimmung des kirchlichen Selbstverständnisses
a) Entprivatisierung und Entmythologisierung
b) Schöpferischer Widerstand: Die Kirche als Institution auf der Suche nach einer neuen Identität
II. Joseph Ratzingers kritische Auseinandersetzung mit der neuen politischen Theologie von Johann Baptist Metz
1. Ratzingers Kritik an einer verzeitlichten Eschatologie
a) Von Bonaventura und Joachim von Fiore zu Marx
b) Die Unvereinbarkeit der Befreiungstheologie mit der christlichen Eschatologielehre
2. Ratzingers Vorbehalte gegenüber der neuen politischen Theologie von Johann Baptist Metz
a) Die Entstehung der neuen politischen Theologie aus Ratzingers Sicht: Von Bultmann und Heidegger zum marxistischen Schema
b) Die Verschränkung von entzeitlichter und verzeitlichter Eschatologie
c) Die politische Vereinnahmung der christlichen Hoffnung: Kritik an der neuen politischen Theologie
3. Der Vorschlag einer Politischen Ethik
III. Die Begegnung von Ratzinger und Metz bei der Tagung von Ahaus 1998
1. Die Vermittlung von Zeit und Geschichte und das Autonomiestreben des Menschen
2. Der Stellenwert des Kreuzes in der Theologie bei Ratzinger und Metz
3. Leidensthematik und Gotteskrise
4. Der Ort der Theologie: Das „Elefantengedächtnis“ der Kirche
C. Politische Theologie im Zeitalter der Globalisierung: Ein Ausblick
Diese Arbeit untersucht das Konzept der „neuen politischen Theologie“ von Johann Baptist Metz und die daran anschließende kritische Auseinandersetzung durch Joseph Ratzinger, um das Spannungsfeld zwischen christlichem Glauben, historischer Verantwortung und politischem Handeln in der Moderne zu analysieren.
A) DIE FEHLENTWICKLUNG ZUR BÜRGERLICHEN RELIGION
Dass Metz zunächst aus der Sicht eines europäischen Theologen schreibt – auch wenn er mit den Jahren den Blick auf die Universalkirche ausweitet – wird besonders deutlich an seiner Kritik des Christentums als „bürgerliche Religion“. Die zunehmende Privatisierungstendenz des christlichen Glaubens habe zu einer einseitigen Lesart des Evangeliums geführt, in der Gott nur den einzelnen Menschen ansprechen wolle und in der der Glaube, wie auch die innere Umkehr, reine Privatsache sei. Die gesellschaftsrelevante Pointe der Reich-Gottes-Botschaft scheint vergessen zu sein. Von Seiten der Theologie sei deshalb eine Entprivatisierung des Glaubens anzustreben. Der Glaube der bürgerlichen Religion sei der Grund dafür gewesen, dass die Christen den Morden in Auschwitz nichts entgegensetzten. Metz` Kritik an der bürgerlichen Religion ist dabei keine rein soziologische, sondern vor allem eine auf theologischen Inhalten basierende Kritik. Sie impliziert insbesondere die Privatisierung des Glaubens sowie den Autoritätenverlust des Bürgers, der sich nicht mehr an Traditionen orientiert.
Als Bürger versteht man das Subjekt Mensch aus neuzeitlicher Sicht, das sich als autonomes Individuum innerhalb einer Gesellschaft versteht. „Bürger“ ist sowohl ein gesellschaftlicher als auch ein politischer Begriff, da sich der Bürger als Träger von Rechten und Pflichten zu seinem eigenen Vorteil am Gemeinwohl beteiligt. Sein Leben sei maßgeblich an der Befriedigung von Bedürfnissen orientiert, so Metz. Der Markt von Angebot und Nachfrage funktioniere nach den Prinzipien des Tauschhandels, wobei traditionelle unverfügbare Werte „für die man buchstäblich nichts bekommt, die „umsonst“ sind, wie Freundlichkeit, Dankbarkeit Aufmerksamkeit für die Toten, Trauer etc.“ nur einen geringen Wert hätten. Hinzu komme, dass der bürgerliche Mensch im Glauben an die Evolution lebe, sodass innerhalb einer zeitlich unendlich langen Geschichtsabfolge alle Geschehnisse wiederholbar und experimentierbar erschienen. Das Problem liege darin, dass das Subjekt zwar autonom und selbstbestimmt leben könne, aber aufgrund seiner Auffassung von Zeitlosigkeit und Beliebigkeit sowie aufgrund seiner rein selbstorientierten Lebensweise seine eigene Existenz beliebig und letztlich wertlos mache. Durch das Streben nach Selbstmaximierung untergrabe der Bürger seine eigene Position.
A. Politische Verantwortung in der Verkündigung Jesu: Das Kapitel reflektiert die politische Dimension der biblischen Verkündigung, insbesondere Jesu Haltung gegenüber weltlichen Ansprüchen.
B. Die neue politische Theologie nach Johann Baptist Metz und die kritische Rezeption bei Joseph Ratzinger: Dieser Hauptteil analysiert die Entstehung und Kernaspekte der politischen Theologie von Metz sowie die grundlegenden theologischen Einwände Joseph Ratzingers.
I. Die neue politische Theologie bei Johann Baptist Metz: Hier wird Metz' Konzept einer nachidealistischen Theologie entfaltet, die Geschichte, Subjektivität und das Gedenken an Leid ins Zentrum rückt.
1. Die neue politische Theologie bei Johann Baptist Metz: Dieses Kapitel widmet sich dem Werdegang von Metz und der Notwendigkeit einer Abkehr von rein transzendentalen Theologien.
2. Die neue politische Theologie – eine nachidealistische Theologie: Es werden die theoretischen Fundamente wie Subjektverständnis, Geschichtlichkeit und das Verhältnis von Religion und Politik erläutert.
3. Die Fehlentwicklungen der Kirche: Metz kritisiert die bürgerliche Religion und stellt die Relevanz der leidvollen Erfahrung (Auschwitz) für die Kirche heraus.
4. Auf dem Weg zu einer neuen politischen Theologie: Der Fokus liegt auf dem eschatologischen Vorbehalt und der Bedeutung der Leidenserinnerung (memoria).
5. Neubestimmung des kirchlichen Selbstverständnisses: Abschließend wird gefordert, dass sich die Kirche entprivatisiert und als Institution kritischer Freiheit neu konstituiert.
II. Joseph Ratzingers kritische Auseinandersetzung mit der neuen politischen Theologie von Johann Baptist Metz: Ratzinger wird als einflussreicher Kritiker porträtiert, der eine Vermischung von Politik und Heil befürchtet.
1. Ratzingers Kritik an einer verzeitlichten Eschatologie: Ratzinger warnt vor geschichtsphilosophischen Entwürfen, die das Reich Gottes politisch erzwingen wollen.
2. Ratzingers Vorbehalte gegenüber der neuen politischen Theologie von Johann Baptist Metz: Die Kritik zielt auf die Gefahr einer ideologischen Instrumentalisierung des Glaubens.
3. Der Vorschlag einer Politischen Ethik: Statt einer politischen Theologie plädiert Ratzinger für eine politische Ethik im Rahmen der kirchlichen Soziallehre.
III. Die Begegnung von Ratzinger und Metz bei der Tagung von Ahaus 1998: Das Kapitel dokumentiert den versöhnlichen Dialog beider Theologen zu zentralen Fragen wie dem Kreuz und der Gotteskrise.
C. Politische Theologie im Zeitalter der Globalisierung: Ein Ausblick: Der Ausblick reflektiert die Relevanz der politischen Theologie in einer globalisierten Weltordnung nach Samuel Huntington.
Politische Theologie, Johann Baptist Metz, Joseph Ratzinger, Eschatologie, Leidenserinnerung, Memoria, Auschwitz, Politische Ethik, Befreiungstheologie, Gotteskrise, Entprivatisierung, Anamnetische Vernunft, Bürgerliche Religion, Geschichte, Christentum
Die Arbeit analysiert das theologische Programm von Johann Baptist Metz, die „neue politische Theologie“, und stellt diese in einen kritischen Dialog mit der Theologie von Joseph Ratzinger, um das Verhältnis von Glaube und politischer Weltgestaltung zu klären.
Die Schwerpunkte liegen auf der Eschatologie, dem Umgang der Theologie mit Leiden und Geschichte, der Kritik am bürgerlich-privatisierten Christentum sowie der Notwendigkeit einer christlichen Antwort auf das Leid, symbolisiert durch den Begriff „Auschwitz“.
Ziel ist es, die divergierenden Positionen von Metz und Ratzinger bezüglich der gesellschaftlichen Rolle des Christentums herauszuarbeiten und aufzuzeigen, wie beide Theologen nach einer authentischen christlichen Zeugenschaft in einer säkularen, geschichtsträchtigen Welt suchen.
Die Arbeit folgt einer systematisch-theologischen Analyse, die biographische Kontexte, Schriftenanalysen und das methodische Vorgehen der beiden Theologen in einen vergleichenden Diskurs stellt.
Der Hauptteil behandelt die theoretische Grundlegung der politischen Theologie bei Metz, seine spezifische Hermeneutik des Leidens, sowie Ratzingers Einwände, die vor allem die Gefahr einer ideologischen Vermischung von Heil und historischem Fortschritt betonen.
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Politische Theologie, Eschatologie, Memoria, Leidenserinnerung und das kritische Verhältnis zwischen Kirche und moderner Gesellschaft charakterisieren.
Für Metz fungiert „Auschwitz“ als konkrete Chiffre für das unbegreifliche Leiden in der Geschichte, welches die Theologie zwingt, ihre bisherige, oft zu abstrakte oder siegerorientierte Sprache aufzugeben und sich der „gefährlichen Erinnerung“ zuzuwenden.
Bei der Tagung in Ahaus 1998 fand ein respektvoller, versöhnlicher Dialog statt, in dem beide Theologen ihre Differenzen zwar bestehen ließen, aber eine gemeinsame Basis in der Sorge um die Not des Menschen und die Bedeutung des christlichen Zeugnisses fanden.
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