Doktorarbeit / Dissertation, 2015
308 Seiten, Note: cum laude
1. Einleitung
1.1 Hinleitung
1.2. Erkenntnisinteresse
1.3. Forschungsfeld
1.4. Aufbau und Methodik
2. Die EU zwischen Supranationalismus und Intergouvernementalismus
2.1. Supranationalismus und Intergouvernementalismus als Integrationstheorien der EU
2.2. Das politische System der Europäischen Union
2.2.1. Das Europäische Parlament
2.2.2. Die Europäische Kommission
3. Nationale Rekrutierungsmuster im Vergleich
3.1. Deutschland
3.2. Frankreich
3.3. Spanien
3.4. Polen
3.5. Schweden
3.6. Österreich
4. Karriereverläufe von EU-Politikern
4.1. Ausbildung
4.1.1. Bildungsabschlüsse
4.1.2. Auslandstudium
4.1.3. Hochschulen
4.1.4. Fachliche Ausrichtung
4.2. Vorpolitische Karriere
4.2.1. Rekrutierungssektoren
4.2.2. Tätigkeit mit internationalem Bezug
4.2.3. Tätigkeit innerhalb des politischen Systems der EU
4.2.4. Der Wechsel nach Brüssel
4.3. Zwischenfazit
5. EU-Politiker als Funktionsträger von nationalen und EU-Parteien
5.1. Der kritische Umgang mit politischen Quellen
5.2. Die Rolle politischer Parteien in demokratischen Systemen
5.2.1. Nationale Besonderheiten politischer Parteien
5.2.2. Die Europäische Parteienlandschaft
5.3. EU-Parteien
5.3.1. Die Entwicklung der EU-Parteien
5.3.2. EU-Parteien und Wahlen
5.4 Zwischenfazit
6. EU-Politiker im Spannungsfeld zwischen europäischer und nationaler Partei
6.1. Das supranationale Paradoxon
6.2. Die Mitglieder des Europäischen Parlament zwischen freiem Mandat und nationaler Listenwahl
6.3. Die Mitglieder der Europäischen Kommission zwischen europäischem Auftrag und nationaler Nominierung
6.4. Zwischenfazit
7. Die Selbstwahrnehmung von EU-Politikern
7.1. Die qualitative Herangehensweise
7.1.1. Die Verbindung quantitativer und qualitativer Ansätze zur umfassenden Erschließung eines Forschungsfeldes
7.1.2. Planung und Durchführung der Interviews
7.2. Auswertung
7.2.1. Erste Assoziationen und Annährung an die EU
7.2.2. Die (Wieder-) Kandidatur für das Europäische Parlament
7.2.3. Entscheidungsfindung im Europäischen Parlament
7.2.4. Europapolitischer Grundkonsens
7.2.5. Veränderungen von Sicht- und Arbeitsweise während der Ausübung des EU-Mandats
7.2.6. Zwischen nationalen Partikularinteressen und europäischer Interdependenz
7.2.7. Parlamentarismus sui generis
7.2.8. Das Bewusstsein einer historischen Dimension als Motivation für das politische Tagesgeschäft
7.3. Zwischenfazit
8. Fazit
9. Handlungsoptionen
9.1. Wahlen
9.1.1. EU-weite Wahllisten
9.1.2. Vorzugsstimmenregelung
9.1.3. Grenzübergreifende Direktwahlkreise
9.1.4. Direktwahl des Präsidenten der Europäischen Kommission
9.2. Bildung
9.2.1. EU-Verwaltungshochschule
9.2.2. Europäisch studieren
9.3. Institutionelles System
9.3.1. Transparenzdefizit
9.3.2. Richtlinienkompetenz
9.3.3. Personelle Verbindung der supranationalen Organe – Parlamentarische Kommissare
9.4. Kritik an ‚der‘ politischen Klasse der EU
9.4.1. EU-Politiker ohne EU-Volk
9.4.2. Fluktuation zwischen den politischen Ebenen
9.5 Forschungsausblicke
Die Arbeit untersucht, ob die europäische Integration zur Entstehung eines eigenständigen, supranationalen Politikertyps geführt hat, indem sie Karrieremuster, Rollenverständnis und Selbstwahrnehmung von Mitgliedern des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission analysiert.
1.1 Hinleitung
Aus geografischer Sicht ist Europa kein Kontinent, sondern 'nur' eine Halbinsel Eurasiens. Im Norden, Westen und Süden ist die Abgrenzung relativ eindeutig, während man über die Grenzen Europas im Osten unterschiedlicher Auffassung sein kann. Von Brest bis Brest zeigen die Kirchtürme dieselbe Uhrzeit. Dass es an der polnisch-weißrussischen Grenze fast zwei Stunden früher dunkel wird als an der französischen Atlantikküste, ist eine Metapher dafür, dass es sich bei der Zusammengehörigkeit um eine bewusste und weniger um eine geografisch bedingte Entscheidung handelt (Dahrendorf, 1995: 157). In keinem Teil der Erde sind so viele unterschiedliche Nationen auf so engem Raum zu finden. Diese enge Nachbarschaft machte schon immer die Vielfalt Europas aus. Die Geschichte keiner Nation lässt sich ohne ihren europäischen Hintergrund erzählen (Toynbee, 1949: 36). Die historischen Prozesse in Europa sind entsprechend immer ein Wechselspiel zwischen den Nationen gewesen, und geschichtsträchtige Ereignisse der einen Nation blieben fast nie ohne Folgen für die andere. Obwohl jede Nation ihre eigene Geschichte schreibt, gibt es zweifellos auch eine europäische Geschichte. Europa ist mehr als die Summe seiner Teile.
Wenn man die Geschichte betrachtet, dann vermag man diese nicht mit den Mitteln der Naturwissenschaften zu erklären. Auf eine Ursache folgt nicht zwangsläufig eine bestimmte Reaktion und es lassen sich - wenn überhaupt - nur Wahrscheinlichkeiten ausmachen, nie aber Gesetzmäßigkeiten. Geschichtsträchtige Prozesse entstehen aus einem Zusammenspiel zwischen der Umwelt und den Menschen. Es gibt Momente in der Geschichte, die Herausforderungen und Chancen darstellen, die das Handeln geschichtsgestaltender Persönlichkeiten erfordern. Auch Europas Geschichte kennt diese Menschen, die sich vor allem als Politiker in der Geschichte Europas verewigt haben. Dies geschah auch durch die Katastrophen und Verbrechen des 20. Jahrhunderts. Es waren diese Trümmer des Zweiten Weltkrieges, aus denen das neue Europa entstand. Allen voran war es die deutsch-französische Erbfeindschaft, die nach den Erfahrungen des Krieges in die deutsch-französische Versöhnung mündete, die die Grundlage der Europäischen Integration bildete.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der europäischen Integration ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Existenz eines spezifischen supranationalen Politikertyps.
2. Die EU zwischen Supranationalismus und Intergouvernementalismus: Das Kapitel beschreibt das politische System der EU und die maßgeblichen Integrationstheorien als theoretischen Rahmen.
3. Nationale Rekrutierungsmuster im Vergleich: Hier werden die Rekrutierungsprozesse von Politikern in sechs ausgewählten EU-Ländern verglichen, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufzuzeigen.
4. Karriereverläufe von EU-Politikern: Dieser Teil analysiert die Ausbildung und vorpolitischen Werdegänge der EU-Akteure anhand statistischer Daten.
5. EU-Politiker als Funktionsträger von nationalen und EU-Parteien: Das Kapitel untersucht die Rolle politischer Parteien und deren Einfluss auf die Rekrutierung und das Agieren von EU-Politikern.
6. EU-Politiker im Spannungsfeld zwischen europäischer und nationaler Partei: Hier wird das Spannungsfeld zwischen nationaler Loyalität und europäischem Auftrag beleuchtet, insbesondere das "supranationale Paradoxon".
7. Die Selbstwahrnehmung von EU-Politikern: Dieser Abschnitt wertet qualitative Interviews aus, um das Rollenverständnis und die Identität der Akteure in Brüssel zu erfassen.
8. Fazit: Die Ergebnisse der Untersuchung werden zusammengefasst und die zentrale Forschungsfrage beantwortet.
9. Handlungsoptionen: Das letzte Kapitel erarbeitet Vorschläge zur Reform der Wahlverfahren und zur Stärkung der Legitimität und Transparenz im EU-System.
Europäische Union, Europäische Integration, EU-Politiker, Supranationalismus, Intergouvernementalismus, Politische Klasse, Elitenforschung, Rekrutierung, Biographie, Europäisches Parlament, Europäische Kommission, Parteien, Politische Führung, Europaabgeordnete, Demokratiedefizit.
Die Arbeit untersucht, ob und wie der Prozess der europäischen Integration das politische Personal der Europäischen Union geprägt hat. Ziel ist es herauszufinden, ob sich durch die Tätigkeit in supranationalen Organen ein eigener "europäischer Politikertypus" entwickelt hat.
Die Schwerpunkte liegen auf Karrierewegen, Rekrutierungsmustern in verschiedenen Mitgliedstaaten, der Rolle politischer Parteien, dem Spannungsfeld zwischen nationaler Loyalität und europäischer Aufgabe sowie der Eigenwahrnehmung der Politiker.
Die zentrale Frage lautet: Hat die Europäische Integration dazu geführt, dass sich eine Art supranationaler bzw. europäischer Politikertypus gebildet hat, der sich in Karrieremustern oder Verhaltensweisen von nationalen Politikern unterscheidet?
Der Autor nutzt methodische Triangulation: Er kombiniert eine quantitative, statistische Auswertung von biographischen Daten mit einer qualitativen Analyse durch Experteninterviews sowie eine vergleichende Literaturrecherche.
Der Hauptteil analysiert das politische System der EU, vergleicht nationale Rekrutierungsmuster, untersucht das Verhältnis von nationalen und europäischen Parteien sowie das Handeln von EU-Abgeordneten und Kommissaren im Spannungsfeld zwischen ihren nationalen Wurzeln und ihrem europäischen Mandat.
Wichtige Begriffe sind Supranationalismus, Intergouvernementalismus, Positionselite, Rekrutierungsmuster, demokratische Legitimität und das "supranationale Paradoxon".
Die Untersuchung zeigt, dass es keinen einheitlichen "EU-Karriereweg" gibt, der im Widerspruch zu nationalen Mustern steht. Dennoch zeigen EU-Politiker häufiger eine stärkere internationale Vernetzung und einen akademischen Hintergrund, insbesondere in wirtschaftswissenschaftlichen Bereichen.
Es beschreibt den Zielkonflikt zwischen dem Anspruch einer supranationalen Amtsausübung (Wohl der gesamten Union) und der faktischen Abhängigkeit vom Amtserhalt, der oft von nationalen Regierungen oder Parteien kontrolliert wird.
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