Masterarbeit, 2016
68 Seiten, Note: 1,7
1. Einführung
1.1. Themenstellung
1.2. Gang der Untersuchung und Forschungsstand
2. Die Anfänge der deutschen Ansiedlung in Russland
3. Die Europäisierung des russischen Bildungswesens in der petrinischen Zeit
4. Das bestehende russische Schulwesen im 18. Jahrhundert
5. Das wolgadeutsche Schulwesen
5.1. Besiedlung des Wolga-Gebiets durch Deutsche
5.2. Ausgangslage und schwere erste Jahre im Siedlungsgebiet um Saratov
5.3. Organisation und Aufbau der ersten Schulen durch die Kirche
5.4. Die drei wolgadeutschen Grundschultypen
5.4.1. Kirchenschulen
5.4.2. Private Gesellschafts- und Genossenschaftsschulen
5.4.3. Staatliche deutsche Zemstvo-Schulen
5.5. Die Schulmeister
5.5.1. Schwere erste Jahre
5.5.2. Feßlers Reformen
5.5.3. Kampf um Lehrerseminare
5.6. „Russifizierung“ des Schulwesens
5.7. Das katholische wolgadeutsche Schulwesen im Besonderen
6. Zusammenfassung
Diese Arbeit untersucht den Entstehungs- und Entwicklungsprozess des Schulwesens innerhalb der deutschen Minderheit im Wolga-Gebiet im Zeitraum von 1762 bis 1917. Ziel ist es, die allgemeine Entwicklung dieser Bildungsstrukturen nachzuzeichnen und die Hindernisse zu identifizieren, die sich der schulischen Ausbildung der Kolonisten entgegenstellten.
5.5. Die Schulmeister
Eine Schlüsselposition in der Entwicklung des wolgadeutschen Schulwesens nahmen die sogenannten Schulmeister ein. Dieser besondere Typus des Lehrers entwickelte sich unter anderem aus der pastoralen Notlage in den Kolonien der Anfangszeit heraus, so dass bereits ab 1769 damit begonnen wurde das Küster mit dem Lehramt zu vereinen. Die Kolonisten hielten an dieser Vereinigung umso stärker fest, da die gleichzeitige Besoldung sowohl eines Lehrers wie auch Küsters ihnen vor allem in kleinen Ansiedlungen schwer gefallen war. Deswegen verwendet die Literatur auch häufig den Begriff des Küsterlehrers für diese Berufsbezeichnung. In der Anfangszeit wurden die Schulmeister einfach aus den Reihen der Einwanderer rekrutiert. Zur Gründungszeit der Wolga-Kolonien befanden sich nämlich genügend Personen mit einer ausreichenden Bildung für das Lehreramt. Darunter waren zahlreiche Kolonisten, die in Deutschland studiert hatten, und auch einige Pädagogen waren unter ihnen dabei. Da die zaristische Krone alle Siedler der Wolga-Kolonien – unabhängig von ihrer erlernten und ausgeübten Tätigkeit in Deutschland und entgegen dem Berufungsmanifest – in einer Reihe von Anordnungen sowie unter Androhung von Strafen und dem Entzug der Verpflegungsgelder zur Feldarbeit auf dem zugewiesenen Land zwang, versuchten viele der gebildeten Übersiedler sich zudem im Amt des Schulmeisters „um sich aus der ungewohnten Rolle eines Bauern zu befreien“.
1. Einführung: Definition der Fragestellung und Einordnung in den Forschungsstand zur wolgadeutschen Geschichte.
2. Die Anfänge der deutschen Ansiedlung in Russland: Skizze der historischen Präsenz deutscher Siedler und Kaufleute vor der eigentlichen Massenmigration.
3. Die Europäisierung des russischen Bildungswesens in der petrinischen Zeit: Darstellung der Reformbestrebungen unter Peter I. und des Einflusses deutscher Gelehrter.
4. Das bestehende russische Schulwesen im 18. Jahrhundert: Analyse des Bildungszustands in Russland zur Zeit der Ansiedlung der Wolgadeutschen.
5. Das wolgadeutsche Schulwesen: Detaillierte Untersuchung der Besiedlung, der Organisation der ersten Schulen, der Rolle der Schulmeister und der späteren "Russifizierung".
6. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse zur Entwicklung des wolgadeutschen Schulwesens und den damit verbundenen Herausforderungen.
Wolgadeutsche, Schulwesen, Kolonisten, Kirchenschulen, Schulmeister, Katharina II., Russifizierung, Zemstvo-Schulen, Küsterlehrer, Bildungsgeschichte, Russland, Siedlungsgebiet, Volksschule, Reformen, Pädagogik
Die Arbeit befasst sich mit der Geschichte und Entwicklung des Schulwesens der deutschen Kolonisten an der Wolga im Zeitraum von 1762 bis 1917.
Im Zentrum stehen die Organisation und der Aufbau der Schulen, die Funktion der Schulmeister, die Rolle der Kirche bei der Bildung sowie der Einfluss der zaristischen Politik auf das Schulwesen.
Das Hauptziel ist die Beurteilung der allgemeinen Entwicklung des wolgadeutschen Schulwesens sowie die Analyse der Hindernisse, die diese Entwicklung im untersuchten Zeitraum maßgeblich beeinflussten.
Die Autorin/der Autor geht deskriptiv-analytisch vor und wertet hierfür vorrangig historische Quellen und Fachliteratur aus.
Der Hauptteil widmet sich dem Aufbau der Schulen durch die Kirche, der Differenzierung in verschiedene Schultypen, der besonderen Rolle der Schulmeister und der staatlich verordneten Russifizierung.
Die wichtigsten Begriffe umfassen Wolgadeutsche, Schulwesen, Kirchenschulen, Schulmeister, Russifizierung und koloniale Ansiedlungspolitik.
Kirche und Schule waren eng miteinander verbunden, da die Schulmeister meist gleichzeitig als Küster fungierten und der Unterricht primär der religiösen Erziehung diente.
Diese staatlich beeinflussten Schulen wurden im Zuge liberaler Reformen eingeführt, um die russische Sprache zu vermitteln und das allgemeine Bildungsniveau zu heben.
Sie führten dazu, dass Russisch zunehmend zur Unterrichtssprache wurde, was in den Kolonien häufig auf Widerstand stieß und zu innerschulischen Problemen führte.
Das katholische Schulwesen blieb lange Zeit qualitativ hinter dem evangelischen zurück, was primär auf eine mangelhafte geistliche Führung durch litauische und polnische Priester zurückzuführen war.
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