Bachelorarbeit, 2014
46 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
2. Identität – Grundlagen, Begriffe, Theorien
2.1 Vom statischen Konstrukt zur prozessualen Identität
2.1.1 Individuelle Identität im Zuge der Modernisierung
2.1.2 Narrative Identität
2.2 Identität und Alterität
2.3 Aspekte einer modernen Identitätskonstruktion
3. Identitätskonstruktion der Protagonistin Mascha Kogan in Olga Grjasnowas Roman „Der Russe ist einer, der Birken liebt“
3.1 Zeitverhältnisse im Roman
3.2 Die Erzählerfigur: Zeitpunkt, Ort und Fokalisierung
3.3 Situative Identitäten: Aserbaidschan, Deutschland, Israel
3.3.1 Kindheit in Aserbaidschan, Traumatisierung und Emigration im Zuge des Konflikts um die Region Bergkarabach
3.3.1.1 Familiäres Umfeld
3.3.1.2 Traumatisierung
3.3.1.3 Emigration im Kontingent jüdischer Flüchtlinge
3.3.2 Jugend und Studium in Deutschland
3.3.2.1 Schulzeit und Beziehung zu Sibel
3.3.2.2 Studienzeit, Zukunftspläne und Beziehung zu Sami
3.3.3 Einsatz der Romanhandlung: Tod des Freundes, Abschluss des Studiums und Aufbruch nach Israel
3.3.3.1 Beziehung zu Elias
3.3.3.2 Tod des Freundes und Versinken in Melancholie
3.3.4 Israel: Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit
3.3.4.1 Ankunft in Israel
3.3.4.2 Begegnung mit Ori und Beziehung zu Tal
3.3.4.3 Gefühl der Ortlosigkeit
3.3.4.4 Verschwimmen von Gegenwart und Vergangenheit: Schlussteil
3.4 Haltung und Umgang zur jüdischen Glaubenszugehörigkeit
3.5 Umgang und Haltung zu Ethnizität, Nation und Rassismus
3.6 Identität im sozialen Austausch: Beziehungen und Begegnungen
3.7 Zusammenfassung
4. Abschlussbemerkungen
Die Arbeit untersucht die Identitätskonstruktion der Protagonistin Mascha Kogan im Roman „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ von Olga Grjasnowa. Dabei wird analysiert, wie traumatische Kindheitserfahrungen, Migration und politische Konflikte die Entwicklung einer stabilen Identität beeinflussen und mit welchen erzählerischen Mitteln diese Komplexität im Roman abgebildet wird.
3.3.1.2 Traumatisierung
Im Zuge der politischen Unruhen um die Region Bergkarabach, die in einen Pogrom an Bürgern armenischer Herkunft in der Stadt Sumgait (vgl. S.45) und bürgerkriegsähnliche Zustände in Baku gipfeln, wird Maschas Großvater 1991 Opfer der auf nationalistischen und separatistischen Bestrebungen beruhenden, von der aserbaidschanischen Bevölkerung ausgehenden Gewalt: „Mein Großvater […] wurde für einen Armenier gehalten und zusammengeschlagen. Drei Tage später starb er an einem Herzinfarkt. Ich hatte ihn an jenem Morgen in seinem Lieblingssessel gefunden.“ (47) Hier wird Mascha im frühen Kindheitsalter erstmals mit der Erfahrung des Todes konfrontiert. Nur wenige Tage später erlebt sie unmittelbar die Auswirkungen der in den Straßen der Stadt tobenden Gewalt: Auf dem Weg zu der Wohnung ihrer Großmutter schlägt
die Leiche einer jungen Frau im hellblauen Unterkleid direkt vor meinen Füßen auf[], mit verdrehten Beinen und blutendem Unterleib. Ich riss mich von meinem Vater los und rannte zur Frau. Ihr Kleid war blutgetränkt, und auch auf dem Asphalt breitete sich eine Blutlache aus. Das Blut rann bis zu meinen Schuhen. Färbte sie rot. (107)
Dieses Erlebnis, das die Erzählerfigur im Rückblick bitter als das Ende ihrer Kindheit bezeichnet (vgl. S.47), wirkt traumatisierend bis ins Erwachsenenalter und kann insofern als Schlüsselereignis für Maschas Entwicklung und Identität gewertet werden.
1. Einleitung: Die Einleitung legt die zentrale Fragestellung der Identitätskonstruktion von Mascha Kogan dar und skizziert den theoretischen sowie methodischen Rahmen der Untersuchung.
2. Identität – Grundlagen, Begriffe, Theorien: Dieses Kapitel erarbeitet theoretische Grundlagen zur Identitätsbildung, insbesondere unter Berücksichtigung von prozessualen Modellen, der narrativen Identität nach Ricoeur und der Rolle des sozialen Umfelds.
3. Identitätskonstruktion der Protagonistin Mascha Kogan in Olga Grjasnowas Roman „Der Russe ist einer, der Birken liebt“: Das Hauptkapitel rekonstruiert chronologisch und thematisch die Lebensstationen der Protagonistin, analysiert erzählerische Mittel und untersucht spezifische Aspekte wie Religion, Rassismus und zwischenmenschliche Beziehungen.
4. Abschlussbemerkungen: Das abschließende Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Untersuchung und diskutiert, inwiefern die Identitätskonstruktion der Protagonistin als gescheitert oder gelungen zu bewerten ist.
Identitätskonstruktion, Mascha Kogan, Olga Grjasnowa, Narrative Identität, Trauma, Migration, Bergkarabach, Alterität, Prozessuale Identität, Jüdische Identität, Rassismus, Posttraumatische Belastungsstörung, Literaturanalyse, Erzähltheorie, Interkulturalität.
Die Arbeit analysiert die Identitätsentwicklung der Protagonistin Mascha Kogan im Roman „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ und untersucht, wie sie ihre Identität in verschiedenen kulturellen Kontexten und unter dem Einfluss traumatischer Erlebnisse konstruiert.
Die zentralen Themen umfassen die Theorie der narrativen Identität, die Auswirkungen von Kriegstraumata und Migration, die Bedeutung von Sprache und Beruf für das Selbstbild sowie den Umgang mit ethnischen und religiösen Identitätszuschreibungen.
Die Hauptfragestellung zielt darauf ab, zu entschlüsseln, wie genau sich die Identitätskonstruktion der Figur Mascha Kogan durch Erlebnisse, soziale Begegnungen und erzählerische Mittel entfaltet und ob diese als gelungen oder gescheitert betrachtet werden kann.
Die Arbeit verbindet eine literaturwissenschaftliche Analyse des Romans mit theoretischen Modellen der Identitätsforschung, wobei besonderes Gewicht auf die Theorie der narrativen Identität nach Paul Ricoeur und die Identitätskonzepte von Heiner Keupp gelegt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Rekonstruktion der Lebensstationen (Aserbaidschan, Deutschland, Israel) sowie themenzentrierte Analysen zur jüdischen Glaubenszugehörigkeit, Rassismus und sozialen Beziehungen.
Zu den prägenden Begriffen zählen Identitätskonstruktion, Trauma, Migration, narrative Identität, Alterität und die interkulturelle Auseinandersetzung mit dem modernen Subjekt.
Das durch Kriegserfahrungen in Baku ausgelöste Trauma dient als dauerhafter, destabilisierender Faktor, der Mascha an einer stabilen Identitätsbildung hindert und zu Abwehrmechanismen wie Verdrängung und einer stetigen Suche nach Halt in äußeren Strukturen führt.
In Israel wird die zuvor meist verdrängte ethnische und religiöse Zugehörigkeit durch den allgegenwärtigen politischen Diskurs unausweichlich, was Mascha zwingt, sich aktiver mit ihrer Identität auseinanderzusetzen, wobei sie jedoch weiterhin eine distanzierte Beobachterrolle einnimmt.
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