Bachelorarbeit, 2013
39 Seiten, Note: 1,0
1.Einleitung
2.Die Theorie der Kulturindustrie
3.Theodor W. Adornos Kritik am Jazz
3.1 These: „Der Jazz ist Ware im strikten Sinn“
3.2 These: Der Jazz transportiert Pseudo-Individualität
3.3 These: „The whole structure of popular music is standardized”
3.4 These: Der Jazz stagniert
3.5 These: Der Jazz bestimmt sich durch Zweideutigkeiten
3.6 These: Der Jazz etabliert Totalitarismus
4.Gegenargumente aus der aktuellen Rezeption der Jazz-Kritik
4.1 Antithese: Ohne Verdinglichung gibt es keine Kunst
4.2 Antithese: Jazz ist Ausdruck von Freiheit und individueller Kreativität
4.3 Antithese: Jazz und Popmusik der 50er/60er brachen mit den Standards
4.4 Antithese: Der Jazz ist progressive und innovative Kunst
4.5 Antithese: Interferenz im Jazz ist ein Anfangssymptom der Emanzipation
4.6 Antithese: “Jazz is a social practice and a corporate endeavor”
5.Fazit – Versuche von Synthesen (A-F)
6. Abschließende Bewertungen der Adornoschen Argumente
Die vorliegende Arbeit untersucht die kritische Auseinandersetzung von Theodor W. Adorno mit dem Jazz und hinterfragt deren Aktualität und Berechtigung im 21. Jahrhundert. Ziel ist es, Adornos Thesen durch einen dialektischen Dreischritt – bestehend aus Thesen, aktuellen wissenschaftlichen Gegenargumenten und Synthesen – neu zu bewerten.
3.1 These: „Der Jazz ist Ware im strikten Sinn“
Das markanteste und prägendste Merkmal am Jazz ist laut Adorno dessen Warencharakter, der ausnahmslos diese Musik durchzieht. Bilden sich an den Rändern des Konsums Zellen einer autonomen Jazz-Musik, so werden diese sofort konsumierbar gemacht. Die von Hobson beschrieben kleinen virtuosen Ensembles, die sich scheinbar aus dem Strom der Massenmusik abheben, werden von diesem mitgerissen, „weil der Warencharakter sogleich auch die kunstgewerbliche Spezialität ergreift.“ Es gibt somit keine Ausnahmeerscheinungen im Jazz, die sich der Kommerzialisierung entziehen könnten. Jazz ist Ware im strikten Sinn.
Die Evidenz des Warencharakters von Jazz-Musik entspringt, nach Adorno, ihrem Erschaffungsprozess, der der industriellen Produktion sehr ähnelt: „Arbeitsteilung in „Erfinder“, Korrektor, Harmonisator und Instrumentator sind hier womöglich noch weiter getrieben als bei der Operettenherstellung.“ Von planvoller Kollektivarbeit kann aber laut Adorno nicht die Rede sein, dazu ist der Prozess zu sehr von Zufälligkeiten bestimmt (insbesondere das Ausgangsmaterial in Form der Songidee). Nach Adorno ist Jazz bloß die Parodie eines kollektiven Kompositionsverfahrens. Innerhalb der Produktion und Distribution spielt der Amateur, der in den meisten Fällen das rohe, musikalische Ausgangsmaterial für einen Song entwickelt, eine herausragende Rolle. Er dient dadurch, dass er den konventionellen Geschmack (man könnte auch sagen: den „Nerv der Zeit“) in das musikalische Produkt mit einfließen lässt, als Garant der Apperzipierbarkeit desselben.
1.Einleitung: Vorstellung des Themas, der Relevanz von Adornos Jazz-Kritik heute sowie der methodischen Vorgehensweise (dialektischer Dreischritt).
2.Die Theorie der Kulturindustrie: Erläuterung des theoretischen Überbaus der Kritischen Theorie, in den Adornos Jazz-Kritik eingebettet ist.
3.Theodor W. Adornos Kritik am Jazz: Detaillierte Darstellung der sechs Hauptthesen Adornos, die den Jazz als standardisierte, pseudo-individuelle Massenware zeichnen.
4.Gegenargumente aus der aktuellen Rezeption der Jazz-Kritik: Kritische Auseinandersetzung mit den Thesen durch aktuelle wissenschaftliche Stimmen, die den Jazz als performative Kunstform rehabilitieren.
5.Fazit – Versuche von Synthesen (A-F): Zusammenführung der Thesen und Antithesen zu neuen Erkenntnissen über die Bedeutung von Jazz und Popmusik.
6. Abschließende Bewertungen der Adornoschen Argumente: Reflektion über die Stichhaltigkeit der Adornoschen Kritik und ihre Relevanz für eine moderne Musikphilosophie.
Theodor W. Adorno, Jazz-Kritik, Kulturindustrie, Warencharakter, Pseudo-Individualisierung, Standardisierung, dialektische Methode, Musiksoziologie, Popular Music, Ereignis-Kunst, Emanzipation, totalitäre Gesellschaft, Musikwissenschaft.
Die Arbeit analysiert die radikale Kritik von Theodor W. Adorno am Jazz und prüft, ob seine Argumente vor dem Hintergrund aktueller Musiktheorie und gesellschaftlicher Entwicklungen noch Bestand haben.
Zentral sind der Warencharakter von Musik, die Verflechtung von Kulturindustrie und Gesellschaft sowie die Frage, wie Individualität in einem standardisierten Musiksystem überhaupt noch möglich ist.
Das primäre Ziel ist es, Adornos Jazz-Kritik nicht einfach zu verwerfen, sondern durch einen dialektischen Erkenntnisprozess kritisch weiterzudenken, um die heutige Berechtigung seiner Argumente zu prüfen.
Der Autor nutzt einen dialektischen Dreischritt: Er stellt Adornos Thesen vor, konfrontiert diese mit modernen Antithesen und führt beide Stränge zu Synthesen zusammen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der sechs Adorno-Thesen (Ware, Pseudo-Individualität, Standardisierung, Stagnation, Zweideutigkeit, Totalitarismus) und deren kritische Beantwortung durch aktuelle wissenschaftliche Diskursbeiträge.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie „Kulturindustrie“, „Warencharakter“, „Pseudo-Individualisierung“ und „Ereignis-Kunst“ geprägt.
Der Autor argumentiert, dass Adornos Behauptungen über die „Geschlechtslosigkeit“ des Jazz oder Kastrationsängste auf einer pseudo-psychologischen Begründung basieren, die wissenschaftlich kaum tragfähig ist.
Dieses Argument wird als schwach fundiert und fragwürdig eingestuft, da der Jazz historisch und kulturell eher als Ausdruck emanzipatorischer Bewegungen und sozialer Freiheit begriffen werden kann.
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