Masterarbeit, 2015
115 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Literarische Verarbeitungen von Wissenschaftlern und Mathematik
2.1 Literarische Repräsentationen von Wissenschaftlern
2.2 Die Mathematik in der deutschen Literaturgeschichte
2.3 Mathematics in Fiction – ein internationaler Trend
3. Auswahl der Werke und methodisches Vorgehen
4. Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt
4.1 Narrative Inszenierung und Charakterisierung der Figur Gauß: Skurrilität
4.2 Narrative Inszenierung und Charakterisierung der Figur Gauß: Liebe
4.3 Narrative Inszenierung und Charakterisierung der Figur Gauß: Melancholie und Genialität
4.4 Die Opposition zwischen Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt
4.5 Die handlungslogische Funktion des Mathematikers Gauß
5. Dietmar Dath: Höhenrausch. Die Mathematik desXX. Jahrhunderts in zwanzig Gehirnen
5.1 Narrative Inszenierung und Charakterisierung der Figur Gödel: „Ein aufgeklärtes Gespenst“
5.2 Die handlungslogische Funktion des Mathematikers und Gespenstes Gödel
6. Friedrich Christian Delius: Die Frau, für die ich den Computer erfand
6.1 Narrative Inszenierung und Charakterisierung der Figur Zuse: Ambivalenz
6.2 Narrative Inszenierung und Charakterisierung der Figur Zuse: Arbeit, Verantwortung, Literatur, Verkennung
6.3 Narrative Inszenierung und Charakterisierung der Figur Zuse: Liebe zu Ada Lovelace
6.4 Die handlungslogische Funktion des anwendenden Mathematikers Zuse
7. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Mathematikerfiguren in der zeitgenössischen deutschen Literatur inszeniert werden und welche Images dabei transportiert werden. Dabei wird analysiert, ob die traditionellen Stereotype des „verrückten Wissenschaftlers“ oder des weltfremden Sonderlings weitergeführt werden oder ob die Literatur durch neuartige erzählerische Strategien zur Integration der Mathematik in kulturelle Diskurse beiträgt.
Narrative Inszenierung und Charakterisierung der Figur Gauß: Skurrilität
Im September 1828 verließ der größte Mathematiker des Landes zum erstenmal seit Jahren seine Heimatstadt, um am Deutschen Naturforscherkongreß in Berlin teilzunehmen. Selbstverständlich wollte er nicht dorthin.
Diese ersten zwei Sätze des Romans deuten bereits an, welche Figur der Erzähler in die Vermessung der Welt entwirft: Einen Mann, der einerseits in der Welt Ruhm erlangt, andererseits in dieser aber gleichermaßen weltfremd agiert. Der erste Satz beginnt beinahe wie eine Chronik: Der extradiegetisch-heterodiegetische Erzähler bedient sich eines narrativen Modus der Distanz und teilt dem Leser die Abfahrt des „größten Mathematikers des Landes“ mit. Neben der Nennung der Jahreszahl wird die Figur Gauß trotz der scheinbaren Objektivität des Erzählers durch die Bewunderung ausdrückende Formulierung „größte[r] Mathematiker des Landes“ aufgewertet. Sein mathematischer Ausnahmestatus ist somit von Beginn an unhinterfragt. Dass dieser „größte Mathematiker des Landes“ zum „erstenmal seit Jahren seine Heimatstadt [verlässt]“, deutet jedoch den Widerspruch zwischen seiner für das ganze Land gültige Relevanz einerseits und seiner auf engsten Raum begrenzten Lebenswelt andererseits an. Dies wirkt komisch und lässt Gauß skurril erscheinen.
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert das stereotype Bild des Mathematikers als weltfremder Außenseiter und stellt die Frage, wie die Gegenwartsliteratur dieses Image in neueren Werken verarbeitet.
2. Literarische Verarbeitungen von Wissenschaftlern und Mathematik: Dieses Kapitel gibt einen theoretischen Überblick über die Darstellung von Wissenschaftlern im Literaturkanon sowie die Einbindung mathematischer Konzepte in Erzähltexte.
3. Auswahl der Werke und methodisches Vorgehen: Hier wird die Kriterienwahl für die Analyse der drei ausgewählten Romane von Kehlmann, Dath und Delius begründet und das methodische Vorgehen der narratologischen Analyse erläutert.
4. Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt: Die Untersuchung zeigt, wie Kehlmann Gauß als skurrile, aber menschlich komplexe Figur durch eine Mischung aus distanzierter Erzählweise und interner Fokalisierung inszeniert.
5. Dietmar Dath: Höhenrausch. Die Mathematik desXX. Jahrhunderts in zwanzig Gehirnen: Das Kapitel analysiert Gödels Darstellung als „höfliches Gespenst“ und zeigt, wie Dath mathematische Formelsprache mit fantastischen Elementen verbindet, um komplexe wissenschaftliche Inhalte zu illustrieren.
6. Friedrich Christian Delius: Die Frau, für die ich den Computer erfand: Es wird die Ambivalenz von Konrad Zuses Selbstdarstellung beleuchtet, die zwischen dem „bodenständigen Rentner“ und dem „verkannten Genie“ schwankt, und die Rolle der imaginierten Muse Ada Lovelace untersucht.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die untersuchten Mathematikerfiguren zwar stereotype Attribute aufweisen, jedoch durch moderne Erzählstrategien als komplexe, positive Charaktere jenseits des reinen Klischees gezeichnet werden.
Mathematikerfiguren, Gegenwartsliteratur, Daniel Kehlmann, Dietmar Dath, Friedrich Christian Delius, Narrative Inszenierung, Wissenschaftsskepsis, Geniekult, Mathematik und Literatur, Erzähltheorie, Stereotype, Wissensgeschichte, Grundlagenkrise der Mathematik.
Die Arbeit untersucht, wie Mathematikerfiguren in aktuellen Romanen der deutschen Gegenwartsliteratur inszeniert werden und ob sich das klassische, oft negative Image des Mathematikers in diesen Werken verändert hat.
Zentrale Themen sind die literarische Repräsentation von Wissenschaftlern, die narrative Gestaltung von Genie-Begriffen sowie die Integration mathematischer Theorien und Fachbegriffe in fiktionale Texte.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, ob die zeitgenössische Literatur durch neue Erzählstrategien dazu beiträgt, Mathematiker von ihrem Ruf als weltfremde Außenseiter zu befreien und sie als komplexe, menschliche Charaktere in den kulturellen Diskurs zu integrieren.
Es wird eine narratologische Analyse durchgeführt, bei der unter anderem Erzählmodi, Fokalisierung und die erzähltechnische Handlungsanalyse nach Lahn und Meister herangezogen werden, um die Inszenierung der Figuren zu untersuchen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Rolle von Wissenschaftlern in der Literatur und eine detaillierte Einzelanalyse der Werke von Daniel Kehlmann (Die Vermessung der Welt), Dietmar Dath (Höhenrausch) und F.C. Delius (Die Frau, für die ich den Computer erfand).
Wichtige Begriffe sind Mathematikerfiguren, narrative Inszenierung, Wissenschaftsgeschichte, interdisziplinäre Literaturforschung und das Verhältnis von Fiktion zu wissenschaftlicher Faktenvermittlung.
Gauß wird bei Kehlmann nicht als rein eindimensionaler "Mad Scientist" dargestellt. Durch eine Mischung aus karikaturistischer Überzeichnung und sensibler interner Fokalisierung entsteht ein komplexes Bild, das den Mathematiker trotz seiner Skurrilität als menschliche und positiv konnotierte Figur greifbar macht.
Dath nutzt mathematische Formeln und Definitionen als „Textinseln“, die den narrativen Fluss unterbrechen. Dies dient weniger der verständlichen Erklärung als vielmehr der Illustration der Komplexität und Mystifizierung der Mathematik innerhalb einer fantastischen Mystery-Handlung.
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