Bachelorarbeit, 2015
33 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1. Zielsetzung der Arbeit
1.2 Forschungsstand und Methode
2. Svevo und die Autoren der Prätexte
2.1 Svevo und Nietzsche
2.2 Svevo und Wagner
3. Einordnung der „Wagner-Szene“ in den Roman
4. Einbeziehung kulturellen Wissens in die „Wagner-Szene“
5. Die Typologie des ästhetischen Menschen in der „Geburt der Tragödie“
5.1 Die apollinische Ästhetik
5.2 Die dionysische Ästhetik
5.3 Die sokratische Ästhetik
6. Der Kulturmensch Emilio
6.1 Emilio – Der apollinische Kulturmensch
6.1.1 Apollinische Zerstreuung
6.1.1.1 Erlösung durch apollinische Schönheit
6.1.2 Apollinisches Mitleid
6.1.3 Apollinische Oberfläche
6.1.4 Apollinische Subjektivität
6.1.5 Apollinisches Erwachen
6.2 Emilio – Der theoretische Kulturmensch
6.2.1 Der theoretische Kritiker
6.2.2 Die theoretische Vorbereitung auf die Oper
6.2.3 Die theoretische Musikempfindung
6.3 Synthese
7. Amalia – der dionysische Kulturmensch
7.1 Dionysische Erregungsmittel
7.2 Dionysische Selbstentäußerung
7.3 Dionysisches Mitleid
7.4 Musik als Muttersprache
8. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Friedrich Nietzsches „Die Geburt der Tragödie“ auf Italo Svevos Roman „Senilità“. Das primäre Ziel besteht darin, die sogenannten „Wagner-Szene“ des Romans als bewusste Adaption der nietzscheanischen Kategorien des Apollinischen und Dionysischen zu deuten und die Charaktere Emilio und Amalia anhand dieser ästhetischen Typologien neu zu interpretieren.
Die apollinische Ästhetik
Als apollinisch erregbaren Kulturmenschen bezeichnet N. den Plastiker und Epiker: „Der Plastiker und zugleich der ihm verwandte Epiker ist in das reine Anschauen der Bilder versunken“ (GT, KSA I, 44). Hier zeichnet N. das Bild des apollinischen Zuschauers. Doch was schaut, was sieht der apollinische Mensch? Apollo, Gott des Scheines, offenbart sich in der Traum- und Phantasiewelt (vgl. GT, KSA I, 27). Die Bilderwelt, die sich dem apollinischen Schläfer zeigt, ist geprägt von Schönheit und klar erkennbaren Formen (vgl. GT, KSA I, 40). Die Kunst, die der Träumer erzeugt, ist also der Traum selbst. Folglich ist jeder Träumende zugleich Traumkünstler. Der Plastiker schafft nichts weiter, als ein Abbild seiner Phantasie und erfreut sich an dessen Schönheit. Der Epiker reproduziert gleichsam auf seine Weise die ihm erscheinenden Phantasie- und Traumbilder (vgl. GT, KSA I, 44). Die apollinische Kunst ist Nachahmung der Traumwelt und kennt nur den subjektiven Künstler (vgl. GT, KSA I, 42f.). Im Schauen der Traumbilder erfährt der apollinisch erregbare Mensch zugleich eine Erlösung.
1. Einleitung: Einführung in die Forschungsfrage zum Einfluss Nietzsches auf Svevos „Senilità“ unter besonderer Berücksichtigung der „Wagner-Szene“.
2. Svevo und die Autoren der Prätexte: Untersuchung des Verhältnisses von Svevo zu Nietzsche und Wagner als Grundlagen seines literarischen Schaffens.
3. Einordnung der „Wagner-Szene“ in den Roman: Analyse der narrativen Funktion der Opern-Passage innerhalb der Romanstruktur von „Senilità“.
4. Einbeziehung kulturellen Wissens in die „Wagner-Szene“: Erörterung, wie Svevo implizites Wissen über Nietzsche und Wagner in seinem Text markiert und voraussetzt.
5. Die Typologie des ästhetischen Menschen in der „Geburt der Tragödie“: Systematische Herleitung der Konzepte des apollinischen, dionysischen und theoretischen Menschen nach Nietzsche.
6. Der Kulturmensch Emilio: Anwendung der Kriterien des apollinischen Träumers und des theoretischen Kritikers auf die Romanfigur Emilio.
7. Amalia – der dionysische Kulturmensch: Analyse von Amalias Wahrnehmung der Oper als Prozess dionysischer Selbstentäußerung und Rauschzustand.
8. Fazit: Zusammenfassende Bestätigung der These, dass Svevo Nietzsches Konzepte als zentrales Leitmotiv für die Charakterzeichnung seiner Protagonisten verwendet hat.
Friedrich Nietzsche, Italo Svevo, Senilità, Geburt der Tragödie, Richard Wagner, Apollinisch, Dionysisch, Kulturmensch, Ästhetik, Musikrezeption, Intertextualität, Selbstentäußerung, Traumkünstler, Rausch, Literaturwissenschaft
Die Arbeit analysiert, wie Italo Svevo die ästhetische Theorie Friedrich Nietzsches aus dessen Werk „Die Geburt der Tragödie“ in seinem Roman „Senilità“ adaptiert hat.
Die Schwerpunkte liegen auf der Schnittstelle zwischen deutscher Philosophie (Nietzsche, Schopenhauer) und italienischer Literatur, sowie der Analyse von Wagner-Rezeption in Romanen.
Die Arbeit fragt danach, wie Svevo die Konzepte des apollinischen Traums und des dionysischen Rausches nutzt, um die unterschiedlichen Charaktertypen seiner Protagonisten Emilio und Amalia bei einem Opernbesuch darzustellen.
Die Methodik basiert primär auf einem intertextuellen Vergleich zwischen Nietzsches „Die Geburt der Tragödie“ und der sogenannten „Wagner-Szene“ im neunten Kapitel von Svevos „Senilità“.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der nietzscheanischen Typologien und deren anschließende Anwendung auf die Romanfiguren Emilio und Amalia.
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Nietzsche-Rezeption, ästhetische Typologie, Wagner-Oper, Intertextualität und künstlerische Selbstentäußerung beschreiben.
Emilio nimmt die Oper als apollinischer Träumer mit einer gewissen Distanz zur „Oberfläche“ der Bilder wahr, während Amalia einen dionysischen Rauschzustand durchlebt und in der Musik ihr Individuum verliert.
Die Arbeit untersucht den Äthermissbrauch als mögliche, wenn auch literarisch nicht explizit belegte, Entsprechung für Amalias dionysische Rauschzustände während und nach dem Opernbesuch.
Da Nietzsche-Werke im erhaltenen Nachlass fehlen, stützt sich die Arbeit auf implizite Textbezüge im Roman sowie historische Indizien über Svevos Ausbildung und zeitgenössische kulturelle Kontexte.
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