Masterarbeit, 2015
89 Seiten
0. Einleitung
1. Forschungsstand
2. Textanalysen und Interpretationen
2.1 Die Erscheinung beim Holunderbaum
2.1.1 Ein „Sichschneiden zweier Perspektiven“
2.1.2 Der Brennende Dornbusch
2.1.3 Die transzendente Sphäre
2.1.4 Der Erzähler
2.1.5 Der Sündenfall
2.1.6 Von Engeln, die schlängeln
2.1.7 Das Kristallmotiv
2.1.8 Animalischer Magnetismus
2.1.9 Namensgebung
2.1.10 Das Feuermotiv
2.1.11 Intertextualität
2.1.12 Das Schlangenmotiv
2.2 Die Fahrt über die Elbe
2.2.1 Der Schein
2.2.2 Die Wasseroberfläche als Spiegelmotiv
2.2.3 Der „tolle Zwiespalt“
2.2.4 Die Kristallglocken
2.2.5 Die Elbe
3. Arten von Metamorphosen
3.1 Mensch zu Tier/ Tier zu Mensch
3.1.1 Die drei Schlangen
3.1.2 Lindhorst als Geier
3.1.3 Die Tiere in der Stube des Äpfelweibs
3.1.4 Die Vögel im Garten des Lindhorst
3.1.5 Serpentina
3.2 Mensch zu Gegenstand/ Gegenstand zu Mensch
3.2.1 Das Äpfelweib als Türklopfer und Klingelschnur
3.2.2 Das Äpfelweib als Kaffeekanne
3.3 Das Schrumpfen des Anselmus
4. Die Metamorphosen in Der goldne Topf als metapoetische und poetisch-funktionelle Zeichen
5. Vergleich mit anderen Werken
5.1 Die Metamorphosen in Der Sandmann
5.2 Die Metamorphose in Das Fräulein von Scuderi
5.3 Die Metamorphose in Das steinerne Herz
6. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Metamorphosen in E.T.A. Hoffmanns Kunstmärchen „Der goldne Topf“ und analysiert deren Funktion sowie ihre Bedeutung für die Polyvalenz der Erzählung und die Entwicklung des Protagonisten Anselmus.
Die transzendente Sphäre
Als Anselmus das „Rieseln und Rascheln“ vernimmt und sein Selbstgespräch einstellt, schildert der Erzähler eine Umgebung, die an den Garten Eden erinnert: „Bald war es, als schüttle nur der Abendwind die Blätter, bald als kos’ten Vögelein in den Zweigen, die kleinen Fittige im mutwilligen Hin- und Herflattern rührend (GT 233).“ Ihre Flügel „rührend“, vielleicht verführend, erscheinen die Vögel. Die Fittige lassen an folgenden Satz aus Die Jesuiterkirche in G. denken, zumal Anselmus vorhergehend in seinem Selbstgespräch den Teufel erwähnt hatte: „Der Teufel narrt uns mit Puppen, denen er Engelsfittige angeleimt.“ Hinter der Kulisse des Schönen und Verlockenden lauert möglicherweise eine diabolische Bedrohung. Nach den hin und her flatternden Vögeln vernimmt Anselmus die sanften Zischlaute der goldgrünen Schlangen:
Da fing es an zu flüstern und zu lispeln, und es war, als ertönten die Blüten wie aufgehangene Krystallglöckchen. Anselmus horchte und horchte. Da wurde, er wusste selbst nicht wie, das Gelispel und Geflüster und Geklingel zu leisen halbverwehten Worten. (GT 233)
Dass ihr Flüstern und Lispeln klingt „als ertönten die Blüten wie aufgehangene Krystallglöckchen“, erinnert an die Unheil verkündenden Worte der Äpfelverkäuferin: „[...]ins Krystall bald dein Fall – ins Krystall (GT 229)!“ Erstaunlich ist zudem der Vergleich, dass die drei Schlangen durch ihre Sibilanten wie Krystallglöckchen ertönen, welche man eher mit hellen Klängen verbinden würde. Der Vergleich ist daher als Hyperbel oder Parodoxie lesbar. In Hinblick auf die Frage, ob denn dem Anselmus eine jenseitige Welt sich offenbart, ist das Prinzip der Wiederholung in der Literatur heranzuziehen und könnte die Frage bejahen.
0. Einleitung: Einführung in die Thematik der Metamorphosen in „Der goldne Topf“ und die Problematik der Vieldeutigkeit zwischen Krankheitsverlauf und Entwicklungsgeschichte.
1. Forschungsstand: Überblick über die bestehende Forschungsliteratur, die zwischen Interpretationen als psychische Störung und als dichterische Reifung unterscheidet.
2. Textanalysen und Interpretationen: Eingehende Untersuchung ausgewählter Schlüsselszenen wie der Erscheinung beim Holunderbaum und der Fahrt über die Elbe zur Aufdeckung der Polyvalenz.
3. Arten von Metamorphosen: Systematische Kategorisierung der Verwandlungen in Mensch-Tier- und Mensch-Gegenstand-Transformationen sowie die Analyse der Bedeutung des Schrumpfens.
4. Die Metamorphosen in Der goldne Topf als metapoetische und poetisch-funktionelle Zeichen: Untersuchung der Metamorphosen als Anzeichen für das literarische Gestaltungsprinzip der Wiederholung und Veränderung.
5. Vergleich mit anderen Werken: Kontrastierung der Metamorphosen mit Werken wie „Der Sandmann“ oder „Das Fräulein von Scuderi“, um die Spezifik der Magie in „Der goldne Topf“ hervorzuheben.
6. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Einschätzung, dass die Metamorphosen als Polyvalenz-erzeugende Elemente zur zentralen narrativen Struktur des Werks gehören.
E.T.A. Hoffmann, Der goldne Topf, Metamorphosen, Romantik, Polyvalenz, Anselmus, Serpentina, animalischer Magnetismus, Schwellenbereiche, Literaturwissenschaft, Dichterwerdung, Intertextualität, Wunderbares, Motivik, Erzähltheorie.
Die Arbeit analysiert die in E.T.A. Hoffmanns Kunstmärchen „Der goldne Topf“ auftretenden Metamorphosen als zentrale Elemente, die die Polyvalenz und Vieldeutigkeit des Textes maßgeblich prägen.
Im Fokus stehen die Verwandlungen von Mensch zu Tier und Mensch zu Gegenstand, die Rolle des Unheimlichen, das Spiegel- und Kristallmotiv sowie die psychologische versus poetische Deutung der Ereignisse.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Metamorphosen nicht nur Teil der Handlung sind, sondern metapoetische Zeichen darstellen, die den Prozess des Dichtens und die Problematik der Wahrnehmung reflektieren.
Die Arbeit nutzt schwerpunktmäßig die Methode des „Close Reading“, um inhaltliche und formale Aspekte der Primärtexte textorientiert zu erläutern und ihre Vielschichtigkeit freizulegen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Textanalyse der Schlüsselszenen, eine systematische Kategorisierung der verschiedenen Metamorphose-Arten und einen Vergleich mit anderen Erzählungen Hoffmanns.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Polyvalenz, animalischer Magnetismus, Schwellenbereiche, Erzählperspektive und poetische Funktion nach Jakobson charakterisieren.
Der Autor lässt diese Frage bewusst offen und betont, dass die Erzählung sowohl als Darstellung einer psychischen Erkrankung (Schizophrenie/Wahnsinn) als auch als reale magische Textwelt gelesen werden kann, ohne eine Deutung als allein gültig zu fixieren.
Das Äpfelweib fungiert als Antagonistin des Lindhorst, deren Metamorphosen in Alltagsgegenstände die philisterhafte, materielle Sphäre repräsentieren und somit einen bewussten Gegenpol zur poetischen Welt von Serpentina bilden.
Es wird als „Verwortwörtlichung“ gedeutet, bei der Anselmus' geistige Reduktion durch den Rückfall in ein philisterhaftes Dasein physisch manifest wird, was gleichzeitig eine Hürde auf seinem Weg zum Dichter darstellt.
Der Begriff dient als Hilfskategorie für eine Dichte an Motiven, Doppelgängern und bizarren Elementen, die Hoffmanns Erzählweise auszeichnen und die der Autor nutzt, um die spezifische Atmosphäre seiner Texte zu systematisieren.
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