Examensarbeit, 2014
80 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Begriffliche Abgrenzung
2.1 Politikverdrossenheit
2.2 Politikerverdrossenheit
2.3 Parteienverdrossenheit
2.4 Demokratieverdrossenheit
3. Indikatoren der Politikverdrossenheit
3.1 Parteien
3.1.1 Überblick Parteienkritik
3.1.2 Nachwuchsprobleme
3.1.3 Anteil der Frauen
3.1.4 Volksparteien
3.1.5 Neue Parteien
3.1.6 Zwischenfazit
3.2 Wahlen
3.2.1 Wahlbeteiligung
3.2.2 Exkurs: Klassische Erklärungsansätze
3.2.3 Nichtwahl
3.2.4 Zwischenfazit
3.3 Partizipation
3.3.1 Allgemeines
3.3.2 Konventionelle Partizipation
3.3.3 Unkonventionelle Partizipation
3.3.4 Soziale Partizipation
3.3.5. Neue soziale Bewegungen
3.3.6 Zwischenfazit
4. Ursachenforschung
4.1 Politik und Bürger
4.1.1 Überanpassung
4.1.2 Übergeneralisierung
4.1.3 Überinstitutionalisierung
4.1.4 Überforderung
4.2 Medien
4.2.1 Negativismus
4.2.2 Skandalisierung
4.2.3 Hypothese der ‚Unterhaltungsmalaise‘
4.3 Zwischenfazit
5. Mögliche Folgen und Gefahren
5.1 Wirkungsebenen
5.2 Legitimationskrise
5.3 Extremismus und Populismus
6. Fazit
7. Statistische Erhebung
7.1 Methodik
7.2 Datenauswertung
7.2.1 Persönliches
7.2.2 Politisches Interesse
7.2.3 Politisches Wissen
7.2.4 Partizipationsbereitschaft
7.2.5 Medienkonsum
7.3 Abschluss
8. Herausforderungen für die politische Bildung
8.1 Im schulischen Kontext
8.1.1 Medienkompetenz
8.1.2 Politische Urteilskompetenz
8.1.3 Demokratie-Lernen
8.1.4 Mündigkeit
8.2 Im außerschulischen Kontext
8.2.1 Institutionelle Reformen
8.3 Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Politikverdrossenheit im Kontext von Begriff, Indikatoren und Herausforderungen für die politische Bildung, wobei der Fokus insbesondere auf der Überprüfung theoretischer Annahmen durch eine statistische Erhebung unter bayerischen Gymnasialschülern liegt.
2.1 Politikverdrossenheit
In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Politikverdrossenheit herrscht bereits bei der Auffassung, welche Gegenstände diese Begrifflichkeit umschließt, Uneinigkeit.3
Im Lexikon für politische Bildung wird Politikverdrossenheit beschrieben als „ein Syndrom von Gefühlen, Stimmungen und auch mehr oder weniger begründeten Urteilen von Bürgerinnen und Bürgern, das politische System der Demokratie sei defizitär.“4 Neben der Betonung affektiver Aspekte ist an dieser Stelle der Bezug auf das politische System der Demokratie bemerkenswert – dieses wird in Kapitel 2.4 Demokratieverdrossenheit näher betrachtet.
Andere Autoren verstehen „Politikverdrossenheit als ein gesteigerte Interesse für Politik […], das in der Abwendung [der Bürger; M.S.] von Politikern und Parteien seinen Ausdruck findet.“5 Diese Variante greift gleich zwei relevante Aspekte innerhalb der Diskussion auf: Zum einen wird auf ein gesteigertes Interesse an Politik verwiesen und zum anderen wird eine Differenzierung hinsichtlich des Gegenstandes der Verdrossenheit getroffen: Politiker und Parteien.
Im vielzitierten Aufsatz Hildegard Hamm-Brüchers‘ zur Politikverdrossenheit ist von einer „Mischung aus Enttäuschung, Resignation, Ohnmachts- und Denkzettel-(Res)sentiments, die keineswegs nur an Stammtischen, vielmehr unter immer mehr engagierten Demokraten die Runde machen“6 die Rede. An dieser Stelle werden erneut sowohl emotionale Aspekte, als auch das zunehmendes Engagement aufgegriffen und stellt eine spezielle Problematik dar: Es ist nicht lediglich geringes Interesse an Politik, das bemängelt wird, sondern die Tatsache, dass sich politisch interessierte Bürger von der Politik abwenden.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Kontroverse um den Begriff der Politikverdrossenheit und skizziert das Ziel der Arbeit, verschiedene Verdrossenheitsformen und deren Indikatoren zu analysieren.
2. Begriffliche Abgrenzung: Dieses Kapitel differenziert zwischen Politik-, Politiker-, Parteien- und Demokratieverdrossenheit und zeigt die Uneinigkeit in der wissenschaftlichen Definition auf.
3. Indikatoren der Politikverdrossenheit: Es werden messbare Faktoren wie Parteimitgliedschaften, Wahlverhalten und verschiedene Formen politischer Partizipation untersucht.
4. Ursachenforschung: Dieses Kapitel analysiert mögliche Ursachen für die Distanz zwischen Bürgern und Politik, wobei insbesondere das Verhalten von Parteien und der Einfluss der Medien im Fokus stehen.
5. Mögliche Folgen und Gefahren: Es werden die Auswirkungen der Politikverdrossenheit auf verschiedenen Ebenen sowie mögliche Gefahren für das demokratische System diskutiert.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass eine umfassende Politik- oder Demokratieverdrossenheit nicht nachweisbar ist.
7. Statistische Erhebung: In diesem Kapitel werden die Methodik und die Ergebnisse der eigenen quantitativen Befragung unter Schülern bayerischer Gymnasien detailliert ausgewertet.
8. Herausforderungen für die politische Bildung: Der abschließende Teil leitet aus den Erkenntnissen konkrete Anforderungen für die schulische und außerschulische politische Bildung ab.
Politikverdrossenheit, Demokratie, Parteienkritik, Wahlbeteiligung, Partizipation, politische Bildung, Medienkonsum, Parteien, Nichtwähler, politische Kultur, politische Urteilskompetenz, Mündigkeit, Demokratie-Lernen, politisches Interesse, empirische Erhebung.
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Auseinandersetzung des Begriffs der Politikverdrossenheit und untersucht, inwiefern dieses Phänomen empirisch in der Gesellschaft, speziell unter Jugendlichen, feststellbar ist.
Zentrale Themen sind die begriffliche Differenzierung von Verdrossenheit, die Untersuchung von Indikatoren wie Wahlverhalten und Partizipation sowie die Analyse der Ursachen durch Parteienverhalten und Medieneinflüsse.
Das Ziel ist es, die vermeintliche Politikverdrossenheit anhand der Forschungsliteratur und einer eigenen statistischen Erhebung unter Schülern zu überprüfen und daraus Herausforderungen für die politische Bildung abzuleiten.
Die Arbeit nutzt neben einer Literaturanalyse eine eigene quantitative empirische Erhebung mittels eines Fragebogens unter 121 Schülern bayerischer Gymnasien, ausgewertet mit dem Softwarepaket SPSS.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische begriffliche Abgrenzung, die Analyse von Indikatoren (Parteien, Wahlen, Partizipation), eine Ursachenforschung sowie eine Diskussion über mögliche Folgen wie eine Legitimationskrise.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Politikverdrossenheit, Demokratiezufriedenheit, politische Partizipation, Wahlbeteiligung sowie die Rolle der politischen Bildung und Medienkompetenz.
Die Umfrage zeigt, dass die Schüler der Idee der Demokratie prinzipiell ein hohes Vertrauen entgegenbringen, das demokratische System der Bundesrepublik jedoch kritischer beurteilen.
Die Befragten äußerten sich kritisch zur aktuellen Umsetzung; viele fordern einen früheren Beginn und einen stärkeren Alltagsbezug, um das Interesse an politischen Themen effektiver zu steigern.
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