Bachelorarbeit, 2015
28 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Das Duell
2.1 Definition des Duellbegriffs
2.2 Ehre – Ursache des Duells
2.3 Duellkodex und Offiziersehre
2.4 Ehebruch
2.5 Von Absurditäten und Paradoxien
3. Effi Briest – ein gesellschaftskritischer Roman?
3.1 Eine wahre Begebenheit?
3.2 Gesellschaftskritik im verklärenden Schönheitsschleier
3.3 Effi und Innstetten
3.4 Duelldiskussion und gesellschaftskritische Komponente
4. Reflexion und Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Duells im Kontext des gesellschaftlichen Drucks des 19. Jahrhunderts anhand von Theodor Fontanes Roman "Effi Briest". Dabei wird die zentrale Forschungsfrage verfolgt, inwieweit gesellschaftliche Normen und der Duellzwang individuelles moralisches Handeln überlagern und zu tragischen Konsequenzen für die Beteiligten führen.
Die gesellschaftskritische Dimension des Duellzwangs
Weil es trotzdem sein muß. Ich habe mir's hin und her überlegt. Man ist nicht bloß ein einzelner Mensch, man gehört einem Ganzen an, und auf das Ganze haben wir beständig Rücksicht zu nehmen, wir sind durchaus abhängig von ihm. Ginge es, in Einsamkeit zu leben, so könnt ich es gehen lassen; ich trüge dann die mir aufgepackte Last, das rechte Glück wäre hin, aber es müssen so viele leben ohne dies 'rechte Glück', und ich würde es auch müssen und – auch können. Man braucht nicht glücklich zu sein, am allerwenigsten hat man einen Anspruch darauf, und den, der einem das Glück genommen hat, den braucht man nicht notwendig aus der Welt zu schaffen. Man kann ihn, wenn man weltabgewandt weiterexistieren will, auch laufen lassen. Aber im Zusammenleben mit den Menschen hat sich ein Etwas gebildet, das nun mal da ist und nach dessen Paragraphen wir uns gewöhnt haben, alles zu beurteilen, die andern und uns selbst. Und dagegen zu verstoßen geht nicht; die Gesellschaft verachtet uns, und zuletzt tun wir es selbst und können es nicht aushalten und jagen uns die Kugel durch den Kopf. Verzeihen Sie, daß ich Ihnen solche Vorlesung halte, die schließlich doch nur sagt, was sich jeder selber hundertmal gesagt hat. Aber freilich, wer kann was Neues sagen! Also noch einmal, nichts von Haß oder dergleichen, und um eines Glückes willen, das mir genommen wurde, mag ich nicht Blut an den Händen haben; aber jenes, wenn Sie wollen, uns tyrannisierende Gesellschafts-Etwas, das fragt nicht nach Scharm und nicht nach Liebe und nicht nach Verjährung. Ich habe keine Wahl. Ich muß.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik des Ehebruchs und des Duells als literarische Phänomene des 19. Jahrhunderts unter Einbeziehung des Romans "Effi Briest".
2. Das Duell: Theoretische Untersuchung des Duellwesens, seiner Definition, des Ehrbegriffs und der starren sozialen Regeln, die den Duellzwang im Offiziersstand begründeten.
3. Effi Briest – ein gesellschaftskritischer Roman?: Anwendung der theoretischen Erkenntnisse auf Fontanes Roman, insbesondere die Analyse des Ehebruchs, der Charakterkonstellationen und der kritischen Auseinandersetzung mit dem Duell.
4. Reflexion und Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Argumente, die die Macht gesellschaftlicher Konventionen über das Individuum als tragisches Element des Romans herausstellen.
Effi Briest, Theodor Fontane, Duell, Duellzwang, Ehre, Offiziersehre, Ehebruch, Gesellschaftskritik, Standesehre, Männlichkeit, gesellschaftliche Konventionen, 19. Jahrhundert, Ehrenkodex, soziale Normen, Moralität.
Die Arbeit analysiert die gesellschaftliche Praxis des Duells im 19. Jahrhundert und wie dieser "Duellzwang" als soziales Instrument im Roman "Effi Briest" von Theodor Fontane thematisiert wird.
Die Schwerpunkte liegen auf dem Ehrbegriff, dem militärischen Ehrenkodex, der gesellschaftlichen Rolle der Frau sowie dem Konflikt zwischen individueller Moral und gesellschaftlichem Druck.
Die Arbeit untersucht, warum Charaktere wie Baron Innstetten trotz fehlender persönlicher Rachegefühle gezwungen sind, gesellschaftliche Konventionen bis hin zum tödlichen Duell zu befolgen.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Sekundärliteratur zur historischen Realität des Duells und soziologische Theorien zur Ehre kombiniert, um Fontanes Roman gesellschaftskritisch zu deuten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Duellwesens (inklusive Ehebruch und Kodex) und eine textnahe Untersuchung von "Effi Briest", wobei der Dialog zwischen Innstetten und Wüllersdorf eine zentrale Rolle einnimmt.
Die wichtigsten Begriffe sind Duellzwang, Ehre, Offiziersehre, gesellschaftliche Konventionen und die kritische Distanz Fontanes zu diesen starren Normen.
Die Autorin sieht darin ein zentrales gesellschaftskritisches Motiv, das Fontane verwendet, um zu zeigen, wie ungeschriebene Gesetze menschliches Leben und Glück zerstören können.
Wüllersdorf agiert als Spiegel für Innstetten; sein Einverständnis zum Duell verdeutlicht, dass das Duell nicht aus individuellem Hass, sondern als notwendiger "Götzendienst" einer herrschenden Gesellschaftsordnung vollzogen wird.
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