Masterarbeit, 2015
91 Seiten, Note: 2,1
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
1 Einleitung
2 Literarische Flanerie im 19. Jahrhundert
2.1 Was ist ein Flaneur?
2.2 Das Feuilleton: Inhalt und Form der Flaneurtexte
2.3 Vorbild: Charles Baudelaire
3 Berliner Flaneure bis 1933
3.1 Benjamins Einbahnstraße und Passagen-Werk
3.2 Kracauers melancholische Flanerie
3.3 Walsers experimentelles Flanieren
3.4 Das Ende der literarischen Flanerie nach 1933
4 Flaneure ab 1980 in Deutschland
4.1 Tendenzen des urbanen Müßiggangs
4.2 Urbane Müßiggänger in Berlin
5 Die Wahrnehmung der Flaneure in Berlin und Frankfurt
5.1 Reales Flanieren: Tiergarten
5.2 Reales Flanieren: Am Stadtrand
5.3 Voyeuristisches Flanieren: Der Verdächtige
5.4 Voyeuristisches Flanieren: Von meinem Arbeitszimmer aus
5.5 Flanieren als Kindheitserinnerung: Die Paläste der Tiere
5.6 Flanieren als Kindheitserinnerung: Ein Trost während meines Schulwegs
5.7 Gedankliches Flanieren ohne einen Ich-Erzähler: Der Pendler hat inzwischen eine Geliebte
6 Die Wahrnehmung des Flaneurs am Beispiel von Franz Hessels Spazieren in Berlin und Wilhelm Genazinos Tarzan am Main
6.1 Reales Flanieren: Der Vergleich
6.2 Voyeuristisches Flanieren: Der Vergleich
6.3 Flanieren als Kindheitserinnerung: Der Vergleich
7 Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Wahrnehmung des Flaneurs durch den Vergleich der Werke "Spazieren in Berlin" von Franz Hessel und "Tarzan am Main" von Wilhelm Genazino zu untersuchen. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, wie die urbanen Müßiggänger ihre Umwelt wahrnehmen, welche Situationen sie aufsuchen, welche sprachlichen Mittel sie verwenden und wie sich diese Wahrnehmung über die Jahrzehnte gewandelt hat.
5.1 Reales Flanieren: Tiergarten
In der Episode Tiergarten flaniert der Erzähler durch den Tiergarten, wobei die Gegenwart, die Kindheitserinnerungen und die Geschichte des Tiergartens miteinander verschmelzen (Hessel 1984: 160–166). Wie in Benjamins Text Vereidigter Bücherrevisor sind mehrere Zeitebenen in seiner kleinen Form verdichtet. Sowohl die Gegenwartsbeobachtung als auch die historische Entwicklungsgeschichte werden berücksichtigt. Zunächst verlaufen die Ereignisse in natürlicher Reihenfolge und orientieren sich an der langsamen Bewegung des Flaneurs. Das reale Flanieren zeichnet sich dadurch aus, dass kein Zeitabstand zwischen dem Erzählen und dem Erzählten vorhanden ist. Dies äußert sich durch das Verwenden des Präsens und des Verbs der Bewegung. Auf der zweiten Seite wechselt der Text in die Vergangenheit, die den Tiergarten seit dessen Anfang beschreibt. Kurz vor dem Ende der Episode tritt der Erzähler wieder in die Gegenwart auf, um anschließend wieder in die Vergangenheit seiner Kindheit abzutauchen.
Entgegen seiner Absicht verfolgt der Erzähler doch ein Ziel. Und zwar möchte er ein Denkmal aus seiner Kindheit wiederfinden, um in nostalgische Erinnerungen zu verfallen und zu zeigen, dass die Berliner eine gemeinsame Vergangenheit haben. In dieser Episode erkennt der Leser eindeutig den synthetischen Blick des Flaneurs, der durch die Augen eines Kindes die Welt erleben möchte. Die Erinnerungen an die Kindheit erzeugen eine idyllische Atmosphäre, was vor allem an der wohlwollenden und vertrauten Sprache liegt.
Der Text fängt mit einer geheimnisvollen Atmosphäre an, als der Erzähler an einem Herbstsonntag in der Dämmerung durch den Tiergarten geht und das Geschehen wahrnimmt: Herbstsonntag. Dämmerung... Die Erde dampft ein wenig, nicht so feucht wie Feld, mehr wie Kartoffelacker. Auf den vielen, vielen ins Halb-und Ganzdunkel verstreuten Bänken an den schlängelnden Pfaden sitzen Liebespaare, Arbeiter, der sein Liebchen streichelt, lernen. Manche haben für ihre Zweieinsamkeit eine ganze Bank erwischt, aber auch die, welche mit anderen Pärchen teilen müssen, lassen sich nicht stören (Hessel 1984: 160).
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der literarischen Flanerie ein und erläutert die Auswahl der Autoren Franz Hessel und Wilhelm Genazino sowie die zentrale Forschungsfrage.
2 Literarische Flanerie im 19. Jahrhundert: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Flaneurs, analysiert die Bedeutung des Feuilletons als literarische Form und beleuchtet Charles Baudelaire als prägendes Vorbild.
3 Berliner Flaneure bis 1933: Hier werden die Ansätze von Walter Benjamin, Siegfried Kracauer und Robert Walser untersucht sowie das Ende der literarischen Flanerie nach 1933 diskutiert.
4 Flaneure ab 1980 in Deutschland: Dieses Kapitel widmet sich dem Wiederaufleben der literarischen Flanerie in Deutschland ab den 1980er Jahren und den spezifischen Tendenzen des urbanen Müßiggangs.
5 Die Wahrnehmung der Flaneure in Berlin und Frankfurt: Es erfolgt eine detaillierte Analyse spezifischer Episoden aus den Werken von Hessel und Genazino, unterteilt in verschiedene Arten des Flanierens.
6 Die Wahrnehmung des Flaneurs am Beispiel von Franz Hessels Spazieren in Berlin und Wilhelm Genazinos Tarzan am Main: In diesem Kapitel werden die drei Hauptflaneurarten verglichen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Wahrnehmung der urbanen Welt herauszuarbeiten.
7 Zusammenfassung: Die wichtigsten Erkenntnisse über die Entwicklung und die Charakteristika des Flaneurs sowie die Ergebnisse des Textvergleichs werden hier abschließend zusammengefasst.
Flaneur, Flanerie, urbaner Müßiggang, Franz Hessel, Wilhelm Genazino, Berlin, Frankfurt, literarische Form, Feuilleton, Wahrnehmung, Kindheitserinnerung, Entfremdung, Moderne, Stadt, Literaturvergleich.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literarischen Figur des Flaneurs und untersucht deren Wahrnehmung der urbanen Umwelt in den Werken von Franz Hessel und Wilhelm Genazino.
Zu den zentralen Themen gehören die historische Entwicklung der Flanerie, die Analyse der Beobachtungspraktiken in der Stadt sowie die Rolle von Entfremdung, Melancholie und Kindheitserinnerungen im literarischen Text.
Das Hauptziel ist es, die Wahrnehmung des Flaneurs bei Hessel und Genazino durch einen Vergleich spezifischer Episoden zu analysieren und aufzuzeigen, wie sich diese Sichtweise im Laufe der Zeit verändert hat.
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Textanalyse und einem komparatistischen Ansatz, um die "Was"- und "Wie"-Aspekte der Handlung in den ausgewählten Feuilletons gegenüberzustellen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Geschichte der Flanerie sowie in eine detaillierte Untersuchung und den anschließenden Vergleich verschiedener Flaneurtypen und Episoden in Berlin und Frankfurt.
Wichtige Begriffe sind Flaneur, Flanerie, urbaner Müßiggang, Hessel, Genazino, moderne Stadt und literarisches Feuilleton.
Während Hessel oft eine eher nostalgische und auf ästhetische Randphänomene ausgerichtete Wahrnehmung zeigt, ist Genazinos Blick stärker durch eine gesellschaftskritische Analyse und die Auseinandersetzung mit der Krise des urbanen Lebens geprägt.
Kindheitserinnerungen dienen den Flaneuren oft als Ankerpunkt, um eine vertraute, idyllische Vergangenheit der Stadt mit der als fremd oder bedrohlich wahrgenommenen Gegenwart zu verknüpfen und so eine spezifische nostalgische Stimmung zu erzeugen.
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