Bachelorarbeit, 2015
56 Seiten, Note: 1,3
1. „Faust“ zwischen Antike und Neuzeit
2. Die „romantische“ Walpurgisnacht
2.1 Entstehung, Struktur und Aufbau
2.2 Funktionen der Szene
2.3 Motivik der Szene
3. Die Klassische Walpurgisnacht
3.1 Entstehung, Struktur und Aufbau
3.2 Prolog auf den Pharsalischen Feldern
3.3 Mephistos Weg durch die Klassische Walpurgisnacht
3.4 Fausts Weg durch die Klassische Walpurgisnacht
3.5 Homunkulus' Weg durch die Klassische Walpurgisnacht
4. Vergleich und Fazit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, einen umfassenden Vergleich zwischen der romantischen Walpurgisnacht im ersten Teil der Faustdichtung und der Klassischen Walpurgisnacht im zweiten Teil zu ziehen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Goethe das „Zusammenspannen“ der gegensätzlichen Welten der Antike und der Neuzeit in diesen beiden Szenen bewerkstelligt und welche Parallelen sowie Disparitäten sich durch die Technik der Spiegelung offenbaren.
2.1 Entstehung, Struktur und Aufbau
Mephisto lenkt Faust durch „die Traum- und Zaubersphäre“ (V. 3871) der Walpurgisnacht. Diese findet alljährlich auf dem höchsten Berg des Harzes, dem Brocken, statt und zählt mit Auerbachs Keller zu den zwei real existierenden Handlungsorten im ersten Teil des Fauststoffes. Im heidnisch-germanischen Brauchtum wurde in der letzten Aprilnacht der Beginn des Frühlings gefeiert. Der Feiertag erfuhr seit der Mitte des 17. Jahrhunderts eine Abwertung durch die christliche Glaubensgemeinschaft. Seither ging man von einem jährlichen Zusammentreffen aller Hexen auf dem Blocksberg aus, auf dem wilde Orgien, Satanshuldigungen und hemmungslose und sündhafte sexuelle Triebhaftigkeit auf dem Programm standen. Goethe bezieht sich vorrangig bei der Darstellung der Brockenwelt auf die Überlieferung der sinnlich, sündhaften Hexenfeier, „aber zugleich erkannte er hinter ihr auch jenen ursprünglichen Geist, den er wenigstens in Fausts ersten Reden in dieser Szene aufleuchten läßt.“ Die Bilderwelt der Harzsage nutzte Goethe für sein Faustdrama, wodurch er Mephisto einen angemessenen Schauplatz zur Verfügung stellt, um Faust eine Welt voller Verführung und Maßlosigkeit zu präsentieren.
Die Walpurgisnacht-Szene tritt nicht uneingeleitet in die Fausthandlung ein. Schon in der Szene Hexenküche, die um 1788/89 entstanden ist, greift Mephisto auf das Fest auf dem Blocksberg voraus, wenn er der Hexe zum Dank für den Zaubertrank anbietet: „Und kann ich dir was zu Gefallen tun:/ So darfst du mir's nur auf Walpurgis sagen“ (V. 2589 f.). Darüber hinaus äußert Mephisto in der Szene Nacht seine Vorfreude auf die kurz bevorstehende „herrliche Walpurgisnacht“ (V. 3660). Goethes Tagebüchern und Briefen ist zu entnehmen, dass die Walpurgisnacht zwischen 1797 und 1806 entstanden sein muss. Am 2.1.1799 schreibt Goethe an seinen Verleger Cotta: „Mein Faust ist zwar im vorigen Jahre ziemlich vorgerückt, doch wüßt ich bei diesem Hexenprodukte (…) die Zeit der Reife nicht voraus zu sagen. Wenn die Hoffnung näher rückt sollen Sie davon hören.“
1. „Faust“ zwischen Antike und Neuzeit: Das Kapitel beleuchtet Goethes langjährigen Schaffensprozess am „Faust“ und die grundlegende Spannung zwischen seinem modernen, christlich-nördlichen Hintergrund und seiner zunehmenden Faszination für die antike Welt.
2. Die „romantische“ Walpurgisnacht: Dieses Kapitel analysiert die Entstehung, Funktion und Motivik des nordischen Hexensabbats auf dem Blocksberg als Schauplatz der Verführung.
2.1 Entstehung, Struktur und Aufbau: Hier wird dargelegt, wie Goethe volkstümliche Sagen und historische Überlieferungen in die „Traum- und Zaubersphäre“ der Walpurgisnacht integriert hat.
2.2 Funktionen der Szene: Das Kapitel arbeitet heraus, dass die Szene weit mehr als eine bloße Überbrückung ist und als entscheidende Stufe in Fausts Welterfahrung und Naturerkenntnis dient.
2.3 Motivik der Szene: Hier werden die zentralen Motive wie Sexualität und das Gold, eingebettet in die dämonische Atmosphäre, detailliert untersucht.
3. Die Klassische Walpurgisnacht: Dieses Hauptkapitel widmet sich dem griechischen Naturfest im zweiten Teil des Faust, das durch eine „republikanische“ Struktur und eine Fülle an mythologischen Wesen geprägt ist.
3.1 Entstehung, Struktur und Aufbau: Die Entstehung der komplexen Wandelszene und deren Einordnung in den zweiten Akt werden hier erläutert.
3.2 Prolog auf den Pharsalischen Feldern: Dieses Kapitel analysiert Erichthos Monolog als mythische Einstimmung und Verbindung zur historischen Antike.
3.3 Mephistos Weg durch die Klassische Walpurgisnacht: Der Fokus liegt auf Mephistos Unbehagen und Scheitern in der ihm fremden, antiken Welt.
3.4 Fausts Weg durch die Klassische Walpurgisnacht: Es wird beschrieben, wie Faust durch die Begegnung mit griechischen Mythen auf der Suche nach Helena psychologisch geheilt wird.
3.5 Homunkulus' Weg durch die Klassische Walpurgisnacht: Dieses Kapitel verfolgt Homunkulus' Streben nach Verstofflichung und seine Entwicklung hin zur Verschmelzung mit den Elementen.
4. Vergleich und Fazit: Das abschließende Kapitel führt die Erkenntnisse zusammen und betont die Technik der Spiegelung als Mittel, um den geheimeren Sinn des „Weltgedichts“ zu offenbaren.
Goethe, Faust, Walpurgisnacht, Klassische Walpurgisnacht, Mephisto, Homunkulus, Helena, Antike, Mythologie, Naturerkenntnis, Symbolik, Spiegelung, Hexensabbat, Metamorphose, Drama
Die Arbeit untersucht vergleichend die beiden zentralen „Walpurgisnacht“-Szenen aus Goethes Faust, um die gegensätzlichen kulturellen Welten (romantisch-nordisch vs. klassisch-griechisch) und deren Bedeutung für Fausts Entwicklung zu analysieren.
Die zentralen Themen sind das Aufeinandertreffen von Antike und Moderne, die Bedeutung von Natur und Mythologie, das Motiv der Geschlechtlichkeit und des Goldes sowie die metaphysische Entwicklung der Hauptfiguren.
Ziel ist es, die Unterschiede und Parallelen der beiden Szenen herauszuarbeiten und zu zeigen, wie Goethe durch die Technik der Spiegelung ein kohärentes Bild des Bösen und der Welterfahrung im Faust-Drama schafft.
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text des Faust mit philosophiegeschichtlichen und interpretatorischen Ansätzen der Faust-Forschung (wie z.B. Arens, Steiner, Emrich) verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der romantischen Walpurgisnacht (Teil 2) und der Klassischen Walpurgisnacht (Teil 3), wobei die Handlungsstränge der Protagonisten, die Strukturen der Szenen und ihre tiefere Symbolik beleuchtet werden.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Faust, Walpurgisnacht, Antike, Mythologie, Symbolik, Metamorphose und die verschiedenen Akteure Mephisto, Homunkulus und Helena charakterisiert.
Homunkulus fungiert als Initiator der Reise und als Symbol für den reinen Geist, der nach Verstofflichung strebt und in der Klassischen Walpurgisnacht eine entscheidende Entwicklung durchläuft.
Die Spiegelung dient als Goethes Mittel, um komplexe Erfahrungen und den „geheimeren Sinn“ des Werkes offen zu legen, indem die gegensätzlichen Szenen sich inhaltlich und motivisch aufeinander beziehen.
Auf dem nordischen Blocksberg dominiert Mephisto als „Oberhaupt“ einer monarchischen Hexenwelt; in der antiken Welt hingegen ist er ein irritierter Außenseiter, dessen Schlagfertigkeit versagt und der sich in einer ihm fremden Umgebung zurechtfinden muss.
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