Examensarbeit, 2014
72 Seiten, Note: 1,33
1 EINLEITUNG
2 GRUNDLAGEN – KONZEPTIONEN – ZIELE
2.1 Elemente einer idealtypischen “Gastarbeiter”-Politik
2.2 Modell Saisonarbeit im Kaiserreich und Weiterentwicklung
2.3 Vorteile der „Gastarbeit“
3 VON DEN ANFÄNGEN BIS ZUR VOLLBESCHÄFTIGUNG (1955-1959/60)
3.1 Demographische, wirtschaftliche und ausländerrechtliche Rahmenbedingungen
3.1.1 Demographische Entwicklung der deutschen Bevölkerung und des Arbeitsmarktes
3.1.2 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
3.1.3 Ausländerrechtliche Regelungen im Bereich Einreise, Aufenthalt und Arbeitsmarktzugang
3.2 Die deutsch-italienische Anwerbevereinbarung
3.2.1 Die deutsch-italienischen Handelsgespräche seit 1953
3.2.2 Der Anwerbevertrag mit Italien
3.3 Vollbeschäftigung
4 VOM MAUERBAU BIS ZUR WIRTSCHAFTSREZESSION 1966/67
4.1 Wendepunkt am Arbeitsmarkt
4.2 Geburt und Scheitern einer Rotationspolitik – Der deutsch-türkische Anwerbevertrag von 1961 und die Neufassung von 1964
4.2.1 Vorgeschichte, Hintergründe und Interessen
4.2.2 Der deutsch-türkische Anwerbevertrag 1961
4.2.3 Die Neufassung von 1964
4.3 Keine Arbeitskräfte außereuropäischer Herkunft! Außenpolitische Raison oder was verbirgt sich dahinter?
4.4 Die Grundsätze der Ausländerpolitik – Einwanderungsland wider Willen?
4.5 Wirtschaftsrezession 1966/67
5 VON DER MASSENANWERBUNG BIS ZUM ANWERBESTOPP (1968 – 1973)
5.1 Neukonzeption der Ausländerpolitik oder kollektive Erkenntnisverweigerung?
5.2 Faktische Niederlassung
5.3 Der Anwerbestopp von 1973 und die Folgen
6 FAZIT UND PERSPEKTIVEN
Die vorliegende Arbeit untersucht die Grundlagen, Konzeptionen und Ziele der bundesdeutschen Ausländerpolitik zwischen 1955 und 1973. Ziel ist es zu klären, warum eine ursprünglich als temporär geplante Arbeitsmigration in einen faktischen Einwanderungsprozess überging und welche Faktoren zum Scheitern der Rotationspolitik führten.
2.1 Elemente einer idealtypischen “Gastarbeiter”-Politik
Nach Bade hatte der in den 1960er Jahren im inoffiziellen Sprachgebrauch geläufige Begriff „Gastarbeiter“ Symbolcharakter; „denn ¸Gast´ ist nur, wer nicht auf Dauer bleibt.“ Diese spezielle Begriffsbestimmung ist notwendig, denn eine idealtypische Gastarbeiterpolitik zielt darauf ab, eine akute Arbeitskräftenachfrage durch eine zeitlich begrenzte „Hereinnahme“ ausländischer Arbeitskräfte zu decken. Aus diesem Grund verfolgt eine Gastarbeiterpolitik vier Ziele:
Erstens sollten sich die „Gastarbeiter“ nur für eine gewisse Zeit von etwa ein bis drei Jahren im jeweiligen Land aufhalten. Zweitens sollte die Größenordnung der Ausländerbeschäftigung flexibel an die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt bei Bewahrung des Inländerprimats angeglichen werden, sodass die Ausländerbeschäftigung ihrer Funktion als Konjunkturpuffer nachkommt. Um den maximalen Nutzen aus der Ausländerbeschäftigung ziehen zu können, sollten drittens die staatlichen Ausgaben, die durch einen Familiennachzug, die Nachfrage nach normalen Wohnungen sowie spezifische infrastrukturelle Einrichtungen entstehen würden, auf ein Minimum reduziert werden. Viertes erklärtes Ziel ist die grundsätzliche Exklusion von gesellschaftlicher und politischer Teilhabe, „denn gewünscht sind weder ¸Assimilation` noch ¸Integration`. Gastarbeiter werden als nicht zur Gesellschaft zugehörig betrachtet.“
1 EINLEITUNG: Darstellung der historischen Relevanz des Themas und Aufzeigen der Forschungsfrage im Kontext des demographischen Wandels.
2 GRUNDLAGEN – KONZEPTIONEN – ZIELE: Analyse der theoretischen Leitlinien einer idealtypischen Gastarbeiterpolitik und ihrer historischen Wurzeln im Kaiserreich.
3 VON DEN ANFÄNGEN BIS ZUR VOLLBESCHÄFTIGUNG (1955-1959/60): Untersuchung der Rahmenbedingungen und des ersten bilateralen Anwerbevertrags mit Italien.
4 VOM MAUERBAU BIS ZUR WIRTSCHAFTSREZESSION 1966/67: Analyse der Verschärfung der Anwerbepolitik und des Scheiterns der Rotationspolitik am Beispiel des deutsch-türkischen Vertrags.
5 VON DER MASSENANWERBUNG BIS ZUM ANWERBESTOPP (1968 – 1973): Darstellung der Entwicklungen hin zur faktischen Niederlassung und die Folgen des Anwerbestopps.
6 FAZIT UND PERSPEKTIVEN: Zusammenfassung der Ergebnisse und Schlussfolgerung zur Widersprüchlichkeit der bundesdeutschen Ausländerpolitik.
Ausländerpolitik, Gastarbeiter, Anwerbeabkommen, Bundesrepublik Deutschland, Arbeitsmarkt, Konjunkturpuffer, Inländerprimat, Rotationspolitik, Familiennachzug, Einwanderung, Integration, Anwerbestopp, Wirtschaftsrezession, Arbeitskräfterekrutierung, Migrationsgeschichte
Die Arbeit beleuchtet die deutsche Ausländerpolitik zwischen 1955 und 1973 und untersucht, wie die Bundesrepublik den akuten Arbeitskräftebedarf deckte, ohne sich als Einwanderungsland zu definieren.
Zentral sind die Entstehung der Anwerbeabkommen, die politische Steuerung der Arbeitsmigration, der Wandel von der Saisonarbeit zur Dauerbeschäftigung und die langfristigen gesellschaftlichen Auswirkungen.
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie aus einer ursprünglich als temporär geplanten Arbeitsmigration faktisch ein Einwanderungsprozess entstehen konnte und warum die Politik trotz der erkennbaren Realität an der Doktrin des "Nichteinwanderungslandes" festhielt.
Der Autor führt eine geschichtswissenschaftliche Analyse durch, die auf der Auswertung von Primärquellen, Regierungsakten, Berichten der Bundesanstalt für Arbeit und aktueller wissenschaftlicher Forschung basiert.
Der Hauptteil analysiert chronologisch die verschiedenen Phasen der Gastarbeiterpolitik, von der deutsch-italienischen Anwerbevereinbarung über den Mauerbau bis zum Anwerbestopp 1973, und bewertet die ökonomischen sowie außenpolitischen Interessen.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Gastarbeiterpolitik, Konjunkturpuffer, Rotationsprinzip, Anwerbeabkommen und der Wandel zur Einwanderungsgesellschaft.
Die Arbeit zeigt auf, dass Außenpolitik oft schwerwiegender als Arbeitsmarktpolitik war; insbesondere bei der Türkei dienten die Anwerbeabkommen dazu, diplomatische Beziehungen zu wichtigen NATO-Partnern zu stärken und eine Diskriminierung gegenüber anderen Staaten zu vermeiden.
Die Rezession führte zur praktischen Umsetzung der "Konjunkturpuffer"-Idee durch die Bundesanstalt für Arbeit, wobei die Anwerbung erschwert und die Rückwanderung politisch forciert wurde, um den inländischen Arbeitsmarkt zu entlasten.
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